07.05.2012 06:00

ATB

1 + 1 = 3?

Mit EU-Energiesparantrieben will der steirische Motorenhersteller ATB mit seinen chinesischen Eigentümern Fernost erobern.

ATB Christian Schmidt
© IM

2012 wird für die ATB-Gruppe ein Wendejahr: „Eröffnen noch vor dem Sommer eine China-Niederlassung für energieeffiziente Antriebe für die Öl-, Chemie- und Gasindustrie.“

Der neue Eigentümer mag es direkt. Ende des Vorjahrs übernahm der Wolong-Konzern für rund 100 Millionen Euro den österreichischen Motorenhersteller ATB – wieso, machten die Chinesen gleich klar: „Wir wollen ‚Siemens des Ostens’ werden“, hieß es. Schon heute erzielt die Gruppe mit 8000 Mitarbeitern laut COO Jianqiao Wang einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro – doch da geht noch mehr: Ein halbes Jahr nach der Übernahme berichtet CEO Christian Schmidt von Neuigkeiten unterm ATB-Dach: „Es zieht uns nach China“, sagt er. „Spätestens im Sommer“ wolle man in der Volksrepublik „Niederspannungsmotoren verkaufen“.

Synergien

Wolong mit Sitz in Shangyu ist eine der bekanntesten Trademarks Chinas. Das Unternehmen stellt Motoren, Transformatoren und Batterien her. Es hat aber auch geschäftliche Standbeine im Immo-Sektor und Finanzwesen. Wolong stelle „ähnliche Produkte“ wie der österreichische Motorenhersteller her, sagte COO Wang. Das sei das „Hauptmotiv“ für die Übernahme. Eine Umsatz- und Ergebnisverdopplung in fünf beziehungsweise drei Jahren wollen die Chinesen sehen. Es gelte das Beste aus der „östlichen und westlichen Kultur“ zu integrieren, meinte Wolong-Chef Jiancheng Chen. Laut ATB-Chef Christian Schmidt war Wolong in Europa bisher kaum aktiv. ATP punkte in Europa „mit Energieeffizienz“. Deshalb erwartet Schmidt Synergien. „Eins plus eins ist hier nicht zwei, sondern drei“, sagt Schmidt. Noch im ersten Halbjahr 2012 plant der Hersteller die Eröffnung einer Niederlassung im „östlichen Teil Chinas“, sagt Schmidt dem INDUSTRIEMAGAZIN. „Unsere Antriebe für die Öl- und Gasindustrie haben dort hervorragende Chancen.“

Wendejahr

Aus mehreren Gründen glaubt CEO Schmidt nicht, in China Lehrgeld zahlen zu müssen. Wolong hat beinahe 30 Jahre Erfahrung auf dem chinesischen Markt. Und Antriebe der britischen ATB Morley werden schon länger nach China verkauft. „Die explosionsgeschützten Antriebe für den Bergbau erarbeiteten sich in Asien einen hervorragenden Ruf“, erzählt Schmidt. Aber auch eine personelle Änderung spielt der ATB-Gruppe in die Karten. Ian Lomax, ein Mann mit prallvoller Asien-Erfahrung, wurde Anfang des Jahres zum COO des ATB-Konzerns ernannt. Das Aufrücken des ATB-Morley-Managers entspreche „der weiteren Internationalisierung“ des Konzerns, hieß es. Lomax sieht 2012 „als Wendejahr für ATB“.

Keine Billigschiene

Speziell mit dem Kapitel Energieeffizienz glaubt ATP-Chef Christian Schmidt in China punkten zu können. „Chinesische Antriebe haben noch nicht unser Technologieniveau“, meint er. Deshalb werde es für China auch keine eigene „Billigschiene“ geben. Gegenüber dem steirischen Landeshauptmann Franz Voves bekräftigte Schmidt unlängst übrigens sein Versprechen, in Österreich keine Mitarbeiter abzubauen. Auch eine Ansage.

Daniel Pohselt

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