15.11.2010 11:43
A-Tec: Mass Financial Corp., Doosan oder Andritz?
Notverkauf der AE&E: Hinter den Kulissen wird hoch gepokert
Nach der Absage der Banken brennt bei der A-Tec Tochter AE&E der Hut. Die Finanzierung des Kraftwerksbauers ist nur noch bis zur Wochenmitte gesichert. Heute Nachmittag muss der Gläubigerausschuss daher über drei Fragen abstimmen: Eine bereits vorliegende, aber aufgrund der Begleitumstände mysteriös wirkende Kaufzusage eines Finanzinvestors; die Organisation einer Not-Finanzierung, die industriellen Investoren wie Andritz oder der Doosan Corporation Zeit für eine Due Diligence verschaffen würde. Oder Untätigkeit: Dann schlittert der Kraftwerksbauer in den Konkurs. Immerhin: Noch wissen die Gläubiger nicht, wie werthaltig die AE&E - über deren Verkauf sie entscheiden sollen - wirklich ist. Die Haftungs- und Finanzierungsfragen im Rahmen dieses Notverkaufes sorgen nicht nur bei Gläubigerschützern für Kopfweh. Von Rudolf Loidl
Aus dem Archiv
Für die notorisch kapitalschwache Anlagenbautochter der insolventen A-Tec Industries, die Austrian Energy & Envrionment Group (AE&E), herrscht Konkursgefahr. Denn die Finanzierung des Kraftwerksbauers ist nur noch bis zur Wochenmitte gesichert. Große Projekte können derzeit ohne Haftungsübernahmen ohnehin nicht angegangen werden. Mit rund einer Milliarde Euro Passiva wäre der Anlagenbauer einer der größten Konkurse der zweiten Republik. "Jetzt beginnt Plan B" übt sich der Sprecher des Gläubigerausschusses Hans-Georg Kantner in Zuversicht - und meint damit einen Verkauf des AE&E.
Drei Fragen zu klären.
Über einen solchen haben die Mitglieder des Gläubigerausschusses Dienstag ab 14 Uhr abzustimmen. Ein Kaufangebot eines Investors aus Hongkong liegt bereits vor. Doch es sind auch noch andere Fragen zu klären: Könnte alternativ doch noch eine Notfinanzierung für wenige Tage organisiert werden, um weiteren, industriellen Investoren Zeit für eine Due Diligence Prüfung zu geben? Interesse daran, zumindest Teile der AE&E zu übernehmen, sollen der steirische Anlagenbauer Andritz sowie der koreanische Maschinen- und Anlagenbauer Doosan Corporation haben, letzteres berichtet die Tageszeitung "Die Presse". Das Alternativszenario: Ein Konkurs der AE&E. Die Gläubiger könnten zwar Zeit gewinnen und sich einen Einblick über die Werthaltigkeit der AE&E verschaffen, bevor über einen Verkauf entschieden wird. Immerhin soll schon am Samstag das Gutachten, das von den Gläubigerschützern beauftragt wurde (INDUSTRIEMAGAZIN berichtete) vorliegen. Doch der Wert des Unternehmens würde im Liquidationsfall - an einen Fortbetrieb unter einem Masseverwalter ist Mangels Liquidität nicht zu denken - jedenfalls rapide sinken.
Die Fragen, über die der Gläubigerausschuss heute zu entscheiden hat, im Detail:
1) Soll das Unternehmen an einen Investor aus Hongkong verkauft werden? Seit Sonntag liegt eine - im Rahmen einer Ad Hoc-Gläubigerversammung unterbreitete - mündliche Zusage des Finanzinvestors Mass Financial Corp. aus Hongkong vor. Eingefädelt worden sein dürfte der Deal durch die Raiffeisen Zentralbank, die auch in anderen Projekten mit dem Finanzinvestor zusammen arbeitet. Das persönliche Auftreten der Verantwortlichen der Mass Financial Corp. hat im Vorfeld allerdings für Verwunderung gesorgt. Der Investor übe, so heisst es aus Bankenkreisen, Druck aus, den Verkauf schnell über die Bühne zu bringen. Das Portfolio der Mass Financial Corp. sei zudem von Gläubigern als wenig vertrauenserweckend qualifiziert worden (Diamantenabbau in Uganda). Der Preis für den "Kauf anscheinend ung'schauter in Bausch und Bogen" (ein Banker) soll, so hiess es noch mittags, über einem symbolischen Verkaufseuro liegen. Auch das wäre überraschend, da Haftungsfragen (etwa für das Australien-Projekt) zu klären seien. Insider spekulieren daher, dass bei einem Verkauf an die Mass Financial Corp. (sie hat ihren Europa-Sitz im Wiener Millenium Tower, ist am dritten Markt der Wiener Börse notiert, aber unter der angegebenen Telefonnummer nicht erreichbar) wohl mit Widerstand und Schadenersatzklagen von Seiten einiger Insolvenzgläubiger zu rechnen sei.
2) Eine Notfinanzierung über rund 15 Millionen Euro könnte der AE&E das Überleben für weitere 10 Tage sichern. Zwar sind die Banken - vor allem ausländische, die mit über 80 Prozent im Risiko sind - nicht gewillt auch nur einen weiteren Euro flüssig zu machen, doch möglicherweise findet sich im Rahmen der Bankensitzung die paralell zur Gläubigerversammlung heute ab 14 Uhr statt findet eine Lösung für diese Frage. Es gebe international mehrere Interessenten für die A-Tec-Tochter AE&E, sagte Hans-Georg Kantner, Sprecher des Gläubigerausschusses und Insolvenzexperte des Kreditschutzverbandes 1870 (KSV). Einige seien "potent genug" die Übernahme auch ohne die Gläubigerbanken zu finanzieren. Doch haben diese Unternehmen Interesse daran, den Fortbetrieb während der Due Diligence zu finanzieren? Oder wäre eine Filetierung im Konkurs für diese Unternehmen vorteilhafter?
3) Sollte sich eine 10-Tage-Überbrückungslösung nicht finden und ein Verkauf an den asiatischen Investor von der Gläubigerausschusssitzung abgelehnt werden, ist eine Insolvenz der AE&E spätestens Ende der Woche wohl unvermeidlich. "Das bedeutet jedoch Wertvernichtung und ist die schlechteste aller Lösungen" meint Gerhard Weinhofer, Sprecher der Gläubigerschützer von Creditreform und Mitglied des Gläubigerausschusses. "Wir bevorzugen ein vernünftiges Bieterverfahren und einen offenen, transparenten, nachvolliziehbaren Ablauf des Verkaufsverfahrens" so der Insolvenzexperte der Creditreform.
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