07.05.2012 06:00
Anger Machining
"Endlich eine Langfristlösung"
Mit dem Rückzug des Beteiligungsfonds EK Fin stellt sich beim Maschinenbauer Anger die Eigentümerfrage: Stockt das Geschäftsführerduo auf?
Klaus Dirnberger geht in die Offensive. Am US-Markt wittert der Chef des Trauner Transferzentrenherstellers Anger Machining neue Absatzchancen für eine abgespeckte Fräs-Schleif-Maschine – ein Konzept wird im September „auf der Produktionsmesse IMTS in Chicago vorgestellt“, erzählt Dirnberger. Zugleich aber dürfte der Geschäftsführer in den nächsten Monaten auch seine eigenen Lebensentwürfe umkrempeln: Der Beteiligungskapitalfonds EK Mittelstandsfinanzierungs AG (EK Fin) bereitet seinen Ausstieg aus dem oberösterreichischen Maschinenbauunternehmen vor. Noch hält der Fonds der Unicredit-Tochter Bank Austria 49 Prozent am Unternehmen. 51 Prozent sind im Besitz der MBI – Maschinenbau Investment GmbH, die Dirnberger und Dietmar Bahn, dem zweiten geschäftsführenden Gesellschafter, gehören. 2008 stieg der Fonds bei den Traunern ein – jetzt läuft die Suche nach Kaufinteressenten. Dirnberger und Bahn – sie können ein Vorkaufsrecht geltend machen – wollen aufstocken, sagt Dirnberger dem INDUSTRIEMAGAZIN: „Wir streben jetzt eine Langfristlösung an.“
Finanzierungsbedarf
1982 gründete der Industrielle Anton Anger das Unternehmen in Traun. Ab 2006 übernahm die MBI nach und nach die Mehrheit beim Maschinenbaubetrieb – und schlug einen Wachstumskurs ein. Die Bearbeitungsmaschinen für Losgrößen für Großserien über 200.000 Stück pro Jahr sollten bei Autobauern konventionelle Werkzeugmaschinen ersetzen. Nach Daimler in Stuttgart, VW und Audi orderte bald auch der Getriebebauer ZF Friedrichshafen eine Fertigungslinie in der Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags. Für die erste Phase des neuen 8-Gang-Automatikgetriebes der Saarbrückener gingen ab Ende 2009 die ersten sechs voll automatisierten Fertigungsanlagen in Produktion. Wachstum, das neuen Finanzierungsbedarf erforderlich machte. 2007 stieg nach zähen Verhandlungen die EK Fin ein – gerade noch rechtzeitig: 2008 kappte die Automobilindustrie Aufträge in Serie. Ohne den Einstieg des Fonds wäre der Maschinenbaubetrieb vor dem sicheren Aus gestanden. Auch Geschäftsführer Klaus Dirnberger sieht das heute so: Der Fonds brachte eine Eigenkapitalspritze von fast vier Millionen Euro ins Unternehmen ein – „so konnten wir den Standort ausbauen und auch Großprojekte in Angriff nehmen“, sagt er.
Auf Granit gestoßen
Dennoch lief es nicht immer friktionsfrei. Zwar brummt noch immer der Auftragsmotor. Mit Magna, traditionell eher mit japanischen Standardmaschinen am Werk, konnte 2010 ein Großkunde gewonnen werden. Und Ende 2010 kam ein Großauftrag von Chrysler dazu – „der erste Amerika-Auftrag nach Jahren“, erinnert sich Geschäftsführer Dietmar Bahn. Doch in manchen Punkten „stießen wir beim Miteigentümer auf Granit“, erzählt Geschäftsführer Klaus Dirnberger. Bestes Beispiel sei Mexiko – für die Anger-Geschäftsführung klar ein Wachstumsmarkt. Dirnberger hätte dort personell gern stärker auf die Tube gedrückt – doch der Miteigentümer legte sich quer: „Wir fuhren dort nur auf Standby“, bedauert Dirnberger. Seine Blitzrekapitulation: „Das kurzfristige Ergebnis zählt den Herrschaften mehr als Investitionen in die Zukunft.“
Sperrlisten
Deshalb will das Geschäftsführerduo – das Wachstumsschritte in China, Brasilien und in den USA auf die Agenda setzt – das Unternehmen stärker in eigene Hände bekommen. Fragt sich nur wie. Laut Anger-Machining-Chef Klaus Dirnberger gebe es eine Handvoll Interessenten für den Einstieg – auch eine „Anwendungskooperation“ schließt Dirnberger nicht aus. Ein Vorbild sei der Halleiner Drehmaschinenbauer Emco. „Vom Einstieg der Kuhn-Gruppe habe ich nur Positives gehört“, sagt Dirnberger. Seine größte Sorge: Mitbewerber ohne Kaufabsicht, die in der Due-Diligence-Phase ihre Nasen in die Maschinenkonzepte der Oberösterreicher stecken. Deshalb hat der Geschäftsführer vor, einige Mitbewerber auf die Sperrliste zu setzen. Daniel Pohselt
























