11.06.2012 11:02
Automatisierung
ZKW: Maschin´ ärger dich nicht
Der Automobilzulieferer ZKW verbannte Automaten aus der Mittelserienmontage – und gewann mehr Flexibilität bei geringeren Stückkosten. Die Chronik einer Kindesweglegung.
Ein Flohmarkt wäre vielleicht angebracht gewesen. Welcher Schnäppchenjäger wird bei einer gebrauchten automatischen Schraubstation nicht schwach – oder einem vollautomatisierten Transferband? Doch zu spät – der Wieselburger Automobilzulieferer ZKW ließ die einstigen Automatisierungshilfen aus seiner Produktion verschrotten. Ohne schlechtes Gewissen – und aus gutem Grund: Im Sauseschritt montieren die Niederösterreicher heute Hauptscheinwerfer. Zwölf Mitarbeiterinnen bauen an einer Linie Frontlichter für den Mercedes SL und SLK zusammen – hochprofessionell im sauberen Zweitschichtbetrieb. Und fast ganz ohne Hilfe von Automatisierungstechnik.
Ein Tabubruch in der Fertigungswelt, wo es für fast jeden Handgriff Maschinen gibt, die schneller arbeiten als der Mensch. Doch Produktionsvorstand Wolfgang Vlasaty, alles andere als ein eingefleischter Automatisierungsgegner, übernimmt Dogmen in der Industrie nicht ungefragt. 2008 rechnete er einfach nach – und kam zu einem verblüffenden Resultat. Selbst bei großen Serien bis 100.000 Fahrzeuge fahre der Betrieb mit einer „konsequenten Deautomatisierungsstrategie um bis zu einem Drittel günstiger als wenn wir weitermachen wie bisher“, so Vlasaty.
Aufbruchstimmung
Man kann sich die Gesichter bei ZKW lebhaft vorstellen, als Wolfgang Vlasaty eines schönen Morgens sein Konzept für eine personalintensivere Montage auf den Tisch knallte. Denn Industrieautomation kennt bei Automobilbauern und Zulieferern nur einen Status: Übermacht. Noch immer sind im Automatisierungsgeschäft die Wachstumsraten enorm: Der internationale Roboterverband IFR geht davon aus, dass sich die Roboterverkäufe 2011 auf einen neuen Spitzenwert von rund 150.000 Stück erhöht haben. Wie schon 2010 war auch im Vorjahr die Automobilindustrie „der Motor für das starke Wachstum“. Die Automobilbranche sei wieder in Aufbruchsstimmung, heißt es auch beim steirischen Industrieautomatisierer M&R Automation.
Der Betrieb zog „nach Inbetriebnahme einer großen Produktionslinie für BMW“ wenig später auch bei VW „einen Großauftrag im Getriebebereich“ an Land, heißt es bei M&R. Ähnlicher Optimismus beim Sensorhersteller Sick: Das Segment Fabrikautomation habe sich 2011 speziell „in der Automobilindustrie wachstumsstark gezeigt“, heißt es bei den Deutschen. Wie eine Ohrfeige für die Branche mutet dagegen die Strategie bei ZKW an. „An bisher acht Linien haben wir deautomatisiert“, sagt Vlasaty. INDUSTRIEMAGAZIN sah sich die neuen Montagelinien an – und erfuhr mehr über die Motive der Prozessumstellung. Eine Chronik der Ereignisse.
























