21.03.2012 08:49

Automobilzulieferer

Autozulieferer Schaeffler bleibt auf Schuldenberg sitzen

Trotz florierender Geschäfte kommt der deutsche Auto- und Industriezulieferer Schaeffler nicht von seinem mehr als 12 Mrd. Euro schweren Schuldenberg herunter. "Wir verfolgen eine Wachstumsstrategie, der Schuldenabbau hat nur die zweite Priorität", sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt.

Galvanik
© Schäffler KG

Trotz florierender Geschäfte kommt der deutsche Auto- und Industriezulieferer Schaeffler nicht von seinem Schuldenberg herunter.

Die Verschuldung werde auch in diesem Jahr nicht deutlich zurückgehen, die Kredite und Anleihen werden größtenteils erst am Ende der Laufzeit getilgt - die ersten davon 2015, die letzten Anfang 2019. Der Wälzlager-Spezialist war mit der Übernahme von Continental in den Strudel der Finanzkrise geraten und hätte seine Schuldenlast ohne Zugeständnisse der Banken nicht mehr bewältigt.

Im vergangenen Jahr übertraf Schaeffler mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von fast 1,7 Mrd. Euro - einem Plus von zwölf Prozent - die eigenen Zielsetzungen. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf den Rekordwert von 10,7 Mrd. Euro. Der Erfolg werde sich nicht wiederholen lassen, erklärte Vorstandschef Jürgen Geißinger. Der Umsatz werde 2012 nur noch um etwa fünf Prozent steigen, nachdem sich das Wachstumstempo bereits zum Jahresende verlangsamt habe. "Damit werden wir in unseren Kernmärkten auch weiterhin stärker wachsen als der Markt", sagte Geißinger. Im Automobilgeschäft setzt er in diesem Jahr vor allem auf Nordamerika und die aufstrebenden Märkte, China, Russland und Indien, wo verstärkt auch produziert werden soll. Daneben soll das Industrie-Geschäft für Stabilität sorgen. Die Zahl der Mitarbeiter, die Ende 2011 um 6500 auf 74.000 wuchs, soll 2012 um weitere 3.500 steigen.

Mit der angepeilten operativen Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 13 Prozent käme der Konzern damit in diesem Jahr auf ein Ebit von knapp 1,5 Mrd. Euro. Der Nettogewinn schoss 2011 auf 889 (2010: 63) Mio. Euro, 324 Mio. Euro davon steuerte der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental bei. An dem MDax-Unternehmen aus Hannover hält Schaeffler 60 Prozent, wovon aber nur 36 Prozent bei der AG liegen. Weitere 14 Prozent hält die Holding der Eigentümer Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler, seit die Schulden im vergangenen Jahr auf die Obergesellschaft und die operative AG aufgeteilt sind. Zehn Prozent sind bei Banken geparkt. Im Jänner hatte die Schaeffler AG ihre 8 Mrd. Euro Schulden umfinanziert und die Last auf acht von vier Banken verteilt. Die Zinsen seien dabei auf 7,5 Prozent von 8,5 Prozent gesunken, sagte Rosenfeld. Nun soll ein Teil bei weiteren Banken platziert werden. Vor allem aber sei die AG auf Druck der Banken nun finanziell gegen die Schaeffler-Holding abgeschottet. Diese bekommt im Jahr künftig maximal 350 Mio. Euro Dividenden aus der AG, 2012 sollen es 210 Mio. Euro sein. Daneben kann sie die Ausschüttung auf ihre Conti-Aktien zur Bedienung ihrer 4,85 Mrd. Euro Schulden verwenden. Die Schaefffler AG will ihre schwache Eigenkapitalquote von 13 Prozent mit den erhofften Gewinnen 2012 "in Richtung 20 Prozent" aufstocken.

Geißinger hielt sich bedeckt, wie sich die Konzernstruktur entwickeln könnte. Man habe der Familie Optionen aufgezeigt, entscheiden müssten aber die Gesellschafter. Schaeffler hat von der kommenden Woche an das Recht, weitere Conti-Aktien über die Börse zu platzieren. Auch einen Börsengang wollte Geißinger auf lange Sicht nicht ausschließen. "Diskutieren tun wir über alles", sagte er. (APA/red)

 

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