03.02.2010 11:12
Automobilzulieferer
Thomas Bründl, Starlim Spritzguss GmbH
Mit Voraussicht in neue Segmente.
Dass die Automobilstudien im Spätherbst 2008 immer noch auf massives Wachstum ausgerichtet waren, rang Thomas Bründl, Geschäftsführer bei Starlim Spritzguss GmbH, schon damals ein Kopfschütteln ab. Schon Ende 2005 beschließt er, sich gegen Schwankungen im Automobilsektor zu wappnen. Langsam, so die Strategie, soll sich das Unernehmen ins Segment „Life Science“ vortasten. Audit für Audit, Zertifizierung für Zertifizierung. Und doch war auch Bründl von der Schwere des Einbruchs überrascht. „Wir schätzten die Lagerbestände unserer Kunden auf vier Wochen ein und es wurden fünf Monate daraus“, sagt Bründl. Worauf man in Marchtrenk stolz war – den Umsatzanteil im Automotivesektor Anfang 2008 auf 50 Prozent gedrückt zu haben – gewann eine Eigendynamik: Mitte 2009 wird nur noch vierzig Prozent des Umsatzes von den Automobilherstellern getragen.
Dass viele seiner Kollegen jetzt ebenfalls den Absprung aus der Branche planen, kann Bründl nachvollziehen – Chancen gibt er den Bemühungen jedoch kaum. „In sechs Monaten richtet man in unserem Bereich gar nichts aus. Weder im Silicon- noch Thermoplastbereich lassen sich so schnell neue Märkte erschliessen“.
„Zu sagen, morgen produziere ich Medizintechnik – das kommt in etwa dem Beschluss gleich, ab morgen Brot zu backen“, meint auch Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria. „Heute Kotflügel zu bauen, morgen aber Kanülen, wird schwierig“, meint auch der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Es ist ja nicht so, dass etablierte Firmen kampffrei das Feld räumen“, meint auch Starlim-Chef Bründl. Ohne Zertifikate (etwa ISO 13485) falle man schon in den Voraudits durch. Geduldig lässt man in Marchtrenk deshalb Personalstrukturen in Entwicklung und Vertrieb entstehen, die 18-monatigen Entscheidungsprozesse großer Spieler wie Fresenius oder Mann nimmt man sportlich. Zum Zeitpunkt des Crashs wird Geschäftsführer Bründl dafür reich belohnt: „Wir hatten das Glück des Tüchtigen“. Unmittelbar bei Ausbruch der Krise waren sämtliche Freigabeprozedere durchlaufen und die Produktion von Babyschnullern, Spritzenkolben und Dichtungen für Beatmungsmasken konnte anlaufen. Bründl: „Wir mussten einfach nur den Schalter umlegen.“










