14.04.2012 06:46

Banken-Interview

Erste Bank-Firmenkundenvorstand Peter Bosek: „Viel gelernt“

Warum Erste-Bank-Firmenkundenvorstand Peter Bosek nicht mehr über die neuen Eigenkapitalvorschriften raunzt – und heimische Unternehmen deutlich krisenresistenter geworden sind.

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Bosek, das vergangene Jahr war wieder ein extrem schwieriges für die Finanzbranche. Wie hat sich ihr Geschäft mit heimischen Unternehmensfinanzierungen entwickelt?

Peter Bosek: Erfreulich gut. Wir wollten doppelt so stark wie der Gesamtmarkt wachsen und das ist uns gelungen.


Welches Wachstumsziel haben Sie sich für heuer gesetzt?

Bosek: Wir können die Kreditnachfrage nicht beeinflussen sondern nur bedienen. Die Investitionsfreudigkeit der Betriebe ist sehr stark von der Konjunkturentwicklung abhängig und derzeit sind viele Unternehmer abwartend positioniert. Wir erwarten für heuer ein Marktwachstum bei Kommerzkrediten von 1 bis 1,5 Prozent und wollen unsere eigenen Ausleihungen zumindest um über 2 Prozent steigern.
 
Die neuen gesetzlichen Bankregulatorien fördern nicht unbedingt ein exzessives Finanzierungswachstum. Könnte die Erste Bank heuer überhaupt eine Ausleihungssteigerung von angenommen 10 Prozent im Kommerzgeschäft verkraften?


Bosek: Definitiv ja und auch sehr gerne. Soferne natürlich unser Ertrag mitwächst, also der Preis stimmt. Wenn uns der Gesetzgeber zu 9 Prozent Eigenkapital zwingt müssen wir das natürlich am besten über Gewinnzuführungen entsprechend sicherstellen. Die notwendige Liquidität ist über die hohen Primäreinlagen der Sparkassengruppe jedenfalls vorhanden.
 
Was halten Sie von Ihren neuen Eigenkapitalvorschriften?


Bosek: Ich denke wir müssen endlich aufhören zu raunzen und das bestmögliche aus den neuen Rahmenbedingungen machen. Persönlich denke ich, dass nachhaltige Liquidität für eine Bank wichtiger ist als ein Prozent mehr Eigenkapital. Letzteres wird ein Kreditinstitut im Ernstfall wohl auch nicht wirklich retten können.
 
Kann man die Auswirkungen der Kapitalmarktkapriolen auf Unternehmensfinanzierungen von 2008/2009 mit 2011/2012 vergleichen?


Bosek: Keinesfalls. Es haben sowohl Banken als auch Unternehmen aus den Ereignissen nach der Lehmann-Pleite viel dazugelernt und sich auf neue Marktverwerfungen um einiges besser vorbereitet. Insbesonders was die längerfristige Sicherung von Liquiditätslinien anbelangt.
 
Auf Unternehmensseite heißt bzw. hieß das weg von Bankkrediten und hin zu längerfristigen Kapitalmarktfinanzierungen?


Bosek: Das kann man so nicht sagen. In Krisenzeiten ist das oberste Gut Liquidität. Und diese haben viele Unternehmen als Konsequenz aus der letzten Krise rechtzeitig sichergestellt. Ein völlig anderes Thema ist, dass viele österreichische Betriebe im internationalen Vergleich atypisch einseitig über Bankkredite finanziert sind und hier definitiv ein gewisser Handlungsbedarf gegeben ist.
 
Welche Alternativen zu Bankkrediten sehen Sie im Kommen?


Bosek: Für große und bekannte Unternehmen sicherlich Corporate Bonds. Hier gab es zwar bereits viele erfolgreiche Neuemissionen in den letzten drei Jahren. Die Nachfrage von Investoren würde aber sicherlich auch noch höhere Volumina vertragen.

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