10.05.2012 13:31
Baustoffe
Zement: Immer noch Sand im Getriebe
Die heimische Zementindustrie erholt sich nur schleppend von den Krisenjahren 2008 bis 2010. Zwar stiegen Umsätze und Produktion 2011 wieder moderat an, doch für die kommenden Jahre scheint eher Stagnation anzustehen. Ein Hoffnungsmarkt könnte der Einsatz von Beton als Energiespeicher sein.
Die österreichische Zementindustrie hat noch immer an den Folgen der Krise zu nagen. Zwar stiegen Umsatz und Produktion 2011 gegenüber dem Vorjahr um etwa vier Prozent, allerdings liegt man noch immer weit unter den Ergebnissen von 2008. Auch für 2012 blickt man in eine trübe Zukunft. Im ersten Quartal gab es einen Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund zum Hoffen geben innovative Heiz- und Kühlsysteme, die mit Beton funktionieren.
Leichte Erholung 2011
Die Zementindustrie bekam die Krise in den vergangenen Jahren besonders stark zu spüren. Zwischen 2008 und 2010 sank die Produktion um 20 Prozent, von 5,3 Millionen Tonnen auf 4,3 Millionen Tonnen. Der Umsatz fiel von 457 Millionen Euro auf 378 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr kletterte die Produktion schließlich wieder auf 4,43 Millionen Tonnen, ein Plus von 4,1 Prozent. Der Umsatz stieg auf 394 Millionen Euro, so Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag. Verantwortlich für das geringe Wachstum seien besonders die letzten Monate des Vorjahres gewesen. Bis November hatte es nach einem Minus ausgesehen. Ein guter Winter und ein überraschend starker Wohnungsneubau haben das Ruder schließlich herumgerissen.
Lieber keine Prognosen
Eine Prognose für das laufende Jahr traute sich Zrost nicht zu machen. Er rechne allerdings damit, dass das Produktionsvolumen zwischen 4,3 und 4,5 Millionen Tonnen in den nächsten Jahren relativ stabil bleiben wird. Laut Wifo verringern sich 2012 die Baubewilligungen um ein Prozent. 2013 sogar um drei Prozent. Auch das Sparpaket bekomme man zu spüren. "Wir rechnen heuer mit einer Kürzung der Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen um bis zu 25 Prozent", so Zrost.
Hoffnung auf Beton als Energiespeicher
Einen Hoffnungsmarkt sieht die VÖZ mit dem Einsatz von Beton als Energiespeicher. Durch thermisch aktivierte Betonbauteile an den Wänden, Decken und Böden könne man ganze Gebäude gleichmäßig beheizen und kühlen, ohne zusätzliche Heizkörper oder Klimaanlagen. Möglich sein soll das durch ein Leitungssystem zwischen den Bauteilen. Je nach Jahreszeit soll darin kaltes oder warmes Wasser fließen und so gleichmäßig für angenehme Temperaturen sorgen. Eine Fläche von 600 Quadratmetern könne man so für 60 Euro im Monat beheizen. Einfamilienhäuser hätten Heizkosten von 300 bis 400 Euro im Jahr. Die Errichtungskosten nicht höher als bei herkömmlichen Heizsystemen, sagte Felix Friembichler, Geschäftsführer der VÖZ. In einigen Supermärkten sei das neue System bereits im Einsatz. "In fünf bis zehn Jahren wird das zur Standardbauweise", so Friembichler. Er sieht besonders in der Möglichkeit zu Kühlen einen Vorteil. Notwendig seien allerdings moderne Dämmungen.
Kritik an der Regierung
Kritisch kommentierte die VÖZ den aktuellen Entwurf zum Energieeffizienzgesetz vom Wirtschaftsministerium. Dieses würde keine Einsparungen bringen, dafür aber höhere Kosten und mehr Bürokratie verursachen. Die Regierung sollte zuerst die EU-Richtlinie abwarten, ehe ein eigenes Gesetz entworfen wird. Im aktuellen Gesetzesentwurf sieht Zrost "planwirtschaftliche Eingriffe in die unternehmerische Freiheit" und eine "Verschlechterung der Standortbedingungen". (APA/red)























