03.02.2012 08:45
Bundesländer-Vergleich
Standortdebatte: Wie gut ist Österreich?
Die Alpenrepublik ist heterogener, als sie auf den ersten Blick scheint: Hoch verschuldete, strukturschwache Länder stehen im Wettbewerb mit sparsamen, dynamischen Wachstumsregionen. Das Triple-A-Bonitätsrating sind selbst letztere Länder jetzt los – doch was bedeutet das für die lokale Industrie? Von Maike Seidenberger
Mit 3183 Euro steht jeder Kärntner – zusätzlich zu seinem Anteil an den Bundesschulden – in der Kreide. Das ist mehr als doppelt soviel wie der Bundesschnitt und rund 15 Mal so viel wie das Schuldenpackerl, das Oberösterreicher oder Vorarlberger zu tragen haben. Auch auf den niederösterreichischen Schultern lastet einiges: Mit 2484 Euro pro Kopf liegt die Verschuldung des Bundeslandes am unrühmlichen Rang zwei. Schlimmer noch: Neben dem hohen Schuldenstand von Kärnten, Niederösterreich aber auch Wien explodiert auch die Neuverschuldung – um über 50 Prozent in Kärnten und fast 24 Prozent in Niederösterreich. Kein gutes Zeichen an die ohnehin nervösen Finanzmärkte, die letztlich die Neuschuldenaufnahme der Gebietskörperschaften finanzieren. Am oberen Ende der Neuschuldenliste ereilte Oberösterreich 2011 die Tücke der Statistik: Das Land, das im Jahr 2010 jeden Einwohner mit fast lächerlichen 65,2 Euro Schulden belastete, langte 2011 kräftig zu: Der Schuldenstand hat sich fast verdreifacht – allerdings auf fast noch immer moderate 256 Euro. Trotzdem: Das Triple A-Rating von Österreichs Power-Industrieland bei Standard & Poor’s ist demnächst Geschichte. Schuld ist der Bund: Kein Bundesland kann nach den internen Regeln der Analysten kreditwürdiger sein als der Staat, zu dem es gehört.
Industrie auf Berg- und Talfahrt.
So unterschiedlich wie die Verschuldung entwickelte sich auch die Industriekonjunktur in den österreichischen Regionen. Traditionelle Kraftpakete spielten 2011 bis zum Sommer ihre Stärken voll aus: „Die Industrie-Bundesländer Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und Vorarlberg profitierten am stärksten von der anziehenden Exportnachfrage“, sagt Jürgen Bierbaumer-Polly, Mitautor des Wifo-Berichts „Wirtschaft in den Bundesländern“. Sie spürten allerdings – wie schon in der Krise 2009 – in der zweiten Jahreshälfte auch als Erste die Konjunkturabkühlung. Die stärker binnenorientierten Bundesländer im Osten und das tourismuslastige Salzburg glänzten mit weniger dynamischen Wachstumsraten – dafür wird auch ihre Delle weniger tief ausfallen.
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