24.06.2010 09:08

Chemie

BASF-Chef Hambrecht im Interview: "Cognis ist konjunkturrobuster"

Jahrelang hat BASF-Chef Jürgen Hambrecht gezögert, nun greift er zu: Im seinem letzten Jahr als Lenker des weltgrößten Chemiekonzerns hat der Manager die Übernahme des kleineren Wettbewerbers Cognis unter Dach und Fach gebracht. Durch den 3,1 Mrd. Euro schweren Zukauf will BASF das renditeträchtige Geschäft mit Spezialchemikalien ausbauen.

Hambrecht BASF
© BASF

Im seinem letzten Jahr als BASF-Lenker hat Hambrecht die Cognis-Übernahme unter Dach und Fach gebracht.

 

"Mit dem Erwerb von Cognis stärken wir unser Portfolio mit konjunkturrobusten und ertragsstarken Geschäften und bauen unsere Position als das weltweit führende Chemieunternehmen weiter aus", sagte Hambrecht, der im Mai nächsten Jahres das Ruder beim Ludwigshafener Konzern abgibt. BASF übernimmt im Zuge der Transaktion die Schulden von Cognis. Die bisherigen Eigentümer des Unternehmens, die Beteiligungsgesellschaften Permira, Goldman Sachs und SV Life Sciences, erhalten 700 Mio. Euro. Sie hatten bereits mehrere Anläufe genommen, um die ehemalige Tochter von Henkel loszuschlagen.

Dritter Milliardenzukauf in fünf Jahren

Für BASF-Chef Hambrecht ist der Cognis-Deal bereits der dritte Milliardenzukauf binnen fünf Jahren. 2009 übernahm das Unternehmen den Schweizer Ciba-Konzern für rund 3,8 Mrd. Euro, 2006 den US-Katalysatorenhersteller Engelhard für ebenfalls 3,8 Mrd. Euro. Nach dem Ciba-Kauf, den BASF unmittelbar vor dem Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers angekündigt hatte, war Hambrecht wegen des hohen Kaufpreis kritisiert worden. Deshalb verhandelte er in den monatelangen Gesprächen über den Cognis-Kauf Kreisen zufolge besonders hart. Er habe seinem Nachfolger, dem derzeitigen Finanzchef Kurt Bock, keine Risiken zu überlassen wollen. Auch der US-Konzern Lubrizol hatte um Cognis gebuhlt.

Konkunjurfester Betrieb

Cognis setzte 2009 mit 5500 Mitarbeitern rund 2,6 Mrd. Euro um und erwirtschaftete dabei einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 322 Mio. Euro. Das Unternehmen aus Mohnheim bei Köln war Ende 2009 mit rund 1,9 Mrd. Euro verschuldet. BASF erweitert mit dem Cognis-Kauf, der spätestens bis November abgeschlossen werden soll, sein Geschäft mit Kosmetik-Inhaltsstoffen und Substanzen für Wasch- und Reinigungsmittel. Es ist weniger konjunkturanfällig und wirft höhere Renditen ab als Massenchemikalien. Zudem spürt BASF in der Grundstoffchemie zunehmenden Druck von Konkurrenten aus dem Nahen Osten, die billiger produzieren können. Auch Rivalen wie der US-Chemieriese Dow Chemical haben ihr Spezialchemiegeschäft deshalb zuletzt massiv ausgebaut.

Synergien

BASF rechnet im Zuge der Cognis-Übernahme bis 2013 mit Synergien von rund 130 Mio. Euro. Die Kosten der Integration bezifferte das Management bis Ende 2012 auf 200 bis 250 Mio. Euro. Ab 2012 soll der Zukauf den BASF-Gewinn erhöhen. Cognis soll in den Unternehmensbereich Performance Products eingebaut werden, zu dem auch die frühere Ciba gehört. Das Segment umfasst das Geschäfte mit Papierchemikalien, Dispersionen und Pigmenten, Substanzen für Reinigungsmittel, Pflege- und Hygieneprodukte wie Lichtschutzmittel für Sonnencremes. 2009 setzte die Sparte 9,4 Mrd. Euro um, knapp ein Fünftel des BASF-Konzernumsatzes. (APA/red)

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