20.05.2011 08:29
EU-Regulierung
Umstrittener Energiesparzwang für Werkzeugmaschinen
Bis Mai 2012 erheben deutsche Forscher im Auftrag der EU das Energieeinsparpotential bei Werkzeugmaschinen. Eine verpflichtende Umsetzung von Maßnahmen für Hersteller kündigt sich an – und treibt die Maschinenverbände auf die Barrikaden.
Es lag etwas in der Luft – und ein fröhlicher Frühlingshauch war es an diesem Donnerstag mit Sicherheit nicht. Denn um die Fortschritte der Fraunhofer-Arbeitsgruppe galant zu überspringen und sich dem schönen Wetter zuzuwenden, dafür waren die Vertreter der europäischen Maschinenverbände Ende März nicht nach Brüssel gereist. Bei diesem zweiten Stakeholder-Meeting ging es ans Eingemachte. Die von der EU-Kommission mit der Studiendurchführung beauftragten Berliner Institute (siehe Kasten) präsentierten weitere Details, wie die Umsetzung der europäischen Ökodesign-Richtlinie – nach Glühbirnen oder Elektroantrieben – nun auch bei Werkzeugmaschinen ohne Bruchlandung gelingen könnte. Mehr als zwei Jahre – noch bis Mai 2012 – nehmen sich die deutschen Auftragsforscher Zeit, Energieverbrauche und sich daraus ergebende Einsparpotentiale bei Industriemaschinen aufzudecken. Die Resultate könnten die Basis eines Rechsetzungsprozesses durch die EU sein – sprich, schon Grundlage für verpflichtende Effizienzanforderungen beim Bau einer Maschine sein. Schon jetzt ist die in sieben Kapitel unterteilte Vorstudie der Berliner mehrere hundert Seiten stark. Weniger angreifbar wird sie damit nicht. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW zerpflückte als einer der ersten die Methoden und Zwischenergebnisse der Forscher. „Einige Schritte sind keineswegs nachvollziehbar“, sagt auch Martin Baminger, Referent beim heimischen Fachverband Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI). Er war dabei, als es in Brüssel Ende März etwas lauter wurde. Die Industrieseite sei von der offensichtlichen Nonchalance der Forscher genervt gewesen, „erst falsche Schlüsse zu ziehen und es hinterher herunterzuspielen“.
Selbstregulierung als Hoffnungspfad.
Mit der sogenannten MEEuP(European Commission Methodology for Ecodesign of Energy-using Products)-Methode versuchen die europäischen Ordnungshüter, den Energiespargedanken auf möglichst viele Seiten auszuwalzen. Dass es früher oder später auch Werkzeugmaschinen treffen könnte, war absehbar. Der Energiebedarf aller metallverarbeitenden Maschinen in der EU wird von Fraunhofer mit jährlich 210 bis 320 Terawattstunden geschätzt – das stellt ein schönes Einsparpotential in Aussicht. Schon 2008 zeichnete sich ab, dass Werkzeugmaschinen ein möglicher Kandidat für eine Verordnung sind. Das europäische Komitee für die Zusammenarbeit der Werkzeugmaschinenindustrien in Brüssel, kurz CECIMO, brachte daraufhin eilends einen Antrag auf „Selbstregulierung“ ein – und hofft bis heute, mit einer selber erstellten Studie durchzukommen. Auch, weil schon länger Arbeiten an einer Norm im Gange sind. Die ISO 14955 soll den Weg für eine energieeffiziente Auslegung und Gestaltung von Werkzeugmaschinen ebnen. Doch die Chancen auf Selbstregulierung – das war bald Gewissheit – sind seither nicht unbedingt gestiegen. Denn nur wenige Wochen später schrieb die Kommission die Durchführung einer unabhängigen Studie aus – und Fraunhofer kam zum Zug. „Steuerverschwendung“, murrten einige. Jetzt läuft die Bedarfserhebung auf Hochtouren – den Gegenwind seitens der Industrie haben die Forscher aber „offenbar unterschätzt“, meint ein Branchenkenner. Denn kürzlich wurde publik, dass die Laufzeit der Studie um weitere Monate auf Mai 2012 verlängert wird. Von der Spindel über die Steuerung bis zum Maschinenbett: Fünf repräsentative Maschinentypen – unter anderem eine Biegemaschine sowie eine vierachsige Fräsmaschine – werden gerade auf ihr energetisches Verhalten untersucht. „Die Befürchtung, dass hier falsche Schlüsse für die schiere Masse an verfügbaren Maschinentypen gezogen werden, liegt nahe“, sagt Timo Würz, stellvertretender Chef und Technikleiter des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW. Die Consulter hätten sich bisher nicht als „übermäßig kompetent“ in der Durchführung der Studie erwiesen, kritisiert Würz.
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