19.01.2012 10:03

Ein Steher

Mirko Kovats feilt an seinem Comeback

Der A-Tec-Abverkauf ist im vollem Gang, doch Mirko Kovats hat schon ganz andere Pläne: Schuldenfrei und mit Verlustvorträgen, die zukünftig riesige Steuergewinne versprechen, soll die leere Firmenhülle A-Tec Industries schon bald wieder mit Leben gefüllt werden. Von Rudolf Loidl

Es ist fünf Minuten nach zwölf – und es herrscht Endzeitstimmung. Als am Mittag des 30. September Mirko Kovats, sein Aufsichtsrat, ein Heer von Anwälten und der Sanierungsverwalter Matthias Schmidt in den Räumlichkeiten in der Wiener Wächtergasse eintreffen, ist die Rettung der A-Tec Industries bereits gescheitert.

Nur noch 12 Stunden, bis Mitternacht, bleiben Mirko Kovats an jenem sonnigen Septembertag, um über einen Einstieg von Investoren eine Summe von rund 200 Millionen Euro aufzubringen – und damit die Insolvenzquote zu erfüllen. Doch im letzten Augenblick hat der tschechische Investor Penta sein Angebot zurückgezogen. Mehr noch: Mit einer Klage gegen Details des Verkaufsprozesses und der drohenden Rechtsunsicherheit verschreckt Penta die anderen Interessenten, die daraufhin ihrerseits ihre Angebote platzen lassen.
In der Sitzung im nüchternen großen Besprechungsraum in der Wächtergasse kursieren Verschwörungstheorien: Gibt es Absprachen zwischen Gläubigerbanken und dem tschechischen Investor? Soll etwa die Erfüllung des Sanierungsplans gezielt hintertrieben werden, um ihn, Mirko Kovats, zu entmachten? Das Gremium empört sich kollektiv über die Klage von Penta: Sie sei sachlich unrichtig, chancenlos vor Gericht – hätte das Verkaufsverfahren aber doch so nachhaltig gestört, dass es die Erfüllung des Sanierungsplanes verhinderte.
Langsam weicht die wütende Verzweiflung einem nüchternen Blick auf die Realität. Der Vorsitzende von Kovats’ Aufsichtsrat, Freimut Dobretsberger, fragt – fast ein wenig schüchtern –, wie sich denn jetzt die rechtliche Situation der A-Tec Industries darstelle. Unwidersprochene Antwort eines der Kovats- Advokaten: „Das Unternehmen A-Tec Industries besteht rechtlich zumindest bis 29. Dezember 2012 weiter. Aber mit heute Mitternacht ist das gesamte Vermögen der A-Tec Industries dem Sanierungsverwalter treuhändig zur Verwertung zu übergeben.“ Der Abverkauf ist in vollem Gang (INDUSTRIEMAGAZIN berichtete).

Auf London-Tour.

Das ganze Vermögen der A-Tec Industries? Nicht ganz. Denn selbst die leere Firmenhülle hat einigen Wert für den schillernden Investor. Noch hat A-Tec außerhalb Österreichs im Maschinenbau einen klingenden Namen – und beeindruckende Anlagenbau-Referenzprojekte vorzuweisen. Sollte es Insolvenzverwalter Matthias Schmidt gelingen, mit dem Verkauf der Einzelunternehmen der A-Tec Industries mehr als 30 Prozent der Gläubigerforderungen zu erfüllen, dann ist Kovats im Besitz einer völlig schuldenfreien Unternehmenshülle (Details aus Seite 2). Mehr noch: Mit der Entschuldung weist die leere A-Tec zumindest buchhalterisch einen riesigen Bilanzgewinn auf. Kovats’ zukünftige operative A-Tec müsste über Verlustvorträge für Jahre keinen Steuer-Cent an den Fiskus
abführen.
Wen wundert es, dass Mirko Kovats angesichts dieser Gemengenlage längst an seinem Comeback feilt? Personen, die dem konkursverfangenen Unternehmer noch immer nahe stehen, berichten, dass er erst im November eine ausgedehnte Tour durch das Londoner Finanzzentrum und den Mittleren Osten gemacht hat. Mit mehreren potenziellen Geldgebern sollen da Anlagenbauprojekte in Übersee besprochen worden sein. Und der Rückkauf des Maschinenbauers Emco aus der Konkursmasse. Über seine Stiftung besitzt Kovats persönlich immerhin noch rund ein Prozent an Emco – und, nach seiner eigenen
Rechtsauffassung, auch ein Rückkaufsrecht auf den Salzburger Maschinenbauer.

Höchststrafe: 10 Jahre.

Einen Strich durch die Rechnung kann Kovats letztlich nur die Staatsanwaltschaft – die seit März gegen den Investor ermittelt – machen. Und eine kleine, aber bedeutsame rechtliche Änderung, die vor wenigen Jahren just vom späteren Rechtsvertreter des A-Tec-Aufsichtsrates, dem FPÖ-Justiziminister Dieter Böhmdorfer, in Kraft gesetzt wurde:
Hatten bis 2004 in Wirtschaftsstrafsachen nur jene Beweise vor Gericht Gültigkeit, die von den Ermittlern aufgrund von konkreten Verdachtsvorwürfen gefunden wurden, darf heute alles Material, das Anhaltspunkte für strafbares Verhalten birgt, zu weiteren Ermittlungen führen und letztlich in eine Anklage münden.
Und Material haben die Ermittler der Abteilung Wirtschaftskriminalität zur Genüge gesammelt: 120 Kisten mit Akten und Festplatten wurden im Juni in Kovats Privatanwesen und den Büroräumlichkeiten der A-Tec bei Hausdurchsuchungen sichergestellt. Die Unterlagen – mit der Aktenzahl 605 St 18/11b versehen – werden noch bis Januar 2012 von Werner Hallas, dem Gerichtssachverständigen der Staatsanwaltschaft, ausgewertet. „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen, nicht nur jene in den Medien dargestellten“, sagt Michaela Schnell, erste Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Wien. „Von Untreue, betrügerischer Krida, grob fahrlässiger
Benachteiligung von Gläubigerinteressen bis zu Bilanzfälschung ist da alles dabei.“ Die Höchststrafe der vorgeworfenen Delikte, so Staatsanwältin Schnell: „Bis zu zehn Jahre Haft.“

Fortsetzung auf Seite 2: Kovats, Kredite und BZÖ.

Mehrseitiger Artikel
Mirko Kovats feilt an seinem Comeback
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