05.05.2011 08:45
Exklusiv
AMAG-Chef Gerhard Falch über den Ausbau in Ranshofen und Preiserhöhungen
AMAG-Vorstandsvorsitzender Gerhard Falch über sein Verhältnis zu den ehemaligen Mehrheitseignern OEP und Constantia, die Preisrunde im Herbst und wie sehr es beim Börsegang Spitz auf Knopf stand.
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Dazu müssen Sie allerdings ihre Kapazitäten stark erweitern. Sie fahren im Walzwerk derzeit mit 150.000 Jahrestonnen am Limit. Geplant ist bis 2014 ein neues Walzwerk, das rund 120 bis 150 Millionen Euro kosten soll. Wie bewältigen Sie die steigende Nachfrage bis dahin?
Falch: Wir fahren an der Kapazitätsgrenze. Und zwar sowohl im Walzwerk in Ranshofen als auch im kanadischen Alouette, bei unserer Primäraluminiumerzeugung. In Ranshofen wird in einem ersten Schritt durch eine Kette von Maßnahmen der Output der bestehenden Linien von 150.000 auf 186.000 Tonnen erhöht. Bis 2014 – wenn das geplante, neue Walzwerk aus der Anlaufphase draussen ist – werden so jährlich fünf Prozent Wachstum drinnen sein. Neben der laufenden Errichtung einer Passivierungslinie für Automobilaußenhautteile und neuen Scherenlinien beschleunigen wir etwa das Coilhandling und verkürzen Rüstzeiten. Spätestens 2014 wären wir wieder am Kapazitätslimit. Daher müssen wir heuer den Bau des neuen Walzwerkes beschliessen, das dann 2014 den Betrieb aufnimmt.
Freuen Sie sich auf diese Aufgabe, als ehemaligem Anlagenbauer?
Falch: Ich fühle mich wohl, meine ehemaligen Kollegen und Mitbewerber zu sehen und ihnen gegenüberzusitzen.
Ist der Zeitplan, bis 2014 ein voll funktionstüchtiges, neues Walzwerk auf die grüne Wiese zu stellen, nicht sehr optimistisch?
Falch: Nein, im Gegenteil. Wir können das Werk auf dem eigenen Gelände bauen, wir haben hier alles gewidmet und glücklicherweise viel Platz ohne Beschränkungen bauen zu können. Mit Ende des Jahres – das ist die Zielstellung - soll der Vertrag stehen. Dann haben wir eine Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Sollte es kapazitätsmäßig eng werden, könnten wir, das weiß ich aus meiner langjährigen Anlagenbauerfahrung auch die Errichtungszeit des Walzwerkes auf unter 2 Jahre herunterschrauben.
Im der ersten Ausbaustufe soll das Werk zusätzlich rund 60.000 Tonnen Aluminium walzen…
Falch: Ja, aber hier geht es nicht nur um neue Kapazität. Die Walzanlage kann auch grössere Breiten und Dicken produzieren. Bisher konnten wir 1680 Millimeter breite Bleche walzen – zukünftig werden auch 2300 Millimeter möglich sein. Damit erschliesst sich ein neuer Markt bei gleichen Kunden – breites Vormaterial für Kühlerhauben können wir somit künftig liefern. In einem ersten Schritt planen wir 60.000 Tonnen im neuen Werk – dass wir jedoch für weiteren Ausbau planen, ist klar. Ab 2015 – also ein Jahr nach Hochlauf, steht eine theoretische Kapazität von 250.000 Tonnen zur Verfügung.
Für den Ausbau der Elektrolyse im kanadischen Alouette wurden bisher 200 Millionen Euro veranschlagt. Woher soll dieses Geld nach der Megainvestition in das neue Walzwerkes kommen?
Falch: Der aus dem Jahr 2008 stammende Schätzwert unseres Investitionsanteiles an Alouette betrug rund 200 Millionen Euro. Ich erwähne das, weil im Boomjahr 2008 die Preise sehr hoch waren – und es gut möglich ist, dass das derzeit günstiger geht. Wenn unsere Pläne, Anfang bis Mitte kommenden Jahres mit dem Ausbau zu beginnen aufgehen, sollte einer Finalisierung bis 2016 nichts im Wege stehen.
Wie soll dieser 200-Millionen Euro-Ausbau – zusätzlich zum neuen Walzwerk, das 120 bis 150 Millionen Euro kostet – finanziert werden?
Falch: Im Falle einer positiven Investionsentscheidung gemeinsam mit unseren Partnern müsste die Finanzierung bis zum Jahr 2014 stehen. Wir verfügen derzeit mit einer Eigenkapitalquote von knapp 50 Prozent über eine wohl gefüllte Kasse – und hatten alleine im Jahr 2010 ein EBITDA von 140 Millionen Euro. Ich darf ihnen nicht mehr sagen als dass auch die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr ´äußerst zufriedenstellend ist. Wir könnten den Ausbau von Alouette finanziell sogar aus dem operativen Ertrag stemmen. Entschieden ist da allerdings noch nichts: Wir könnten natürlich auch abermals auf den Kapitalmarkt gehen oder mit den Banken eine Projektfinanzierung vereinbaren.
Abschlussfrage: Einer Ihrer Mitbewerber, Novelis, hat im April Preiserhöhungen angekündigt. Die Preise für Spezialaluminium steigt je nach Produkt um bis zu 120 Euro pro Tonne. Haben Sie im Herbst ähnliches vor?
Falch: Wir verhandeln unsere Jahresverträge im Spätherbst. Aber – wenn Sie auf die Aluminiumpreise anspielen – diese sind in Ranshofen von unseren Preisen abgekoppelt. Wir verhandeln nur die Umarbeitungskosten, die Rohstoffpreise sind LME gebunden und durch Hedging völlig neutralisiert. Unsere Preisverhandlungen richten sich nach Angebot und Nachfrage aber unter Berücksichtigung des von uns gelieferten Qualitätsniveaus. Und: Wir sind uns der Qualität, die wir liefern, durchaus bewusst.
Interview: Rudolf Loidl
























