05.05.2011 08:45

Exklusiv

AMAG-Chef Gerhard Falch über "grünes Aluminium" und Wachstumsphantasie

AMAG-Vorstandsvorsitzender Gerhard Falch über sein Verhältnis zu den ehemaligen Mehrheitseignern OEP und Constantia, die Preisrunde im Herbst und wie sehr es beim Börsegang Spitz auf Knopf stand.

Die AMAG weist nach dem Börsegang eine Eigenkapitalquote von knapp 50 Prozent auf. Einige Analysten würden zynisch meinen, die AMAG sei keine Bank. Sie sei überkapitalisiert...

Falch: Die hohe Kapitalquote ist für die AMAG in vielerlei Hinsicht notwendig. Erstens werden wir in den nächsten Jahren stark ausbauen. So laufen bereits Maßnahmen zu Engpassbeseitigungen  in Ranshofen. Die Planungen für das neue Walzwerk wurden schon in Angriff genommen. Weiters verfolgen wir gemeinsam mit unseren Partnern Pläne zum Ausbau der kanadischen Elektrolyse. Andererseits wollen wir die hohe Eigenkapitalausstattung, um am volatilen Aluminiummarkt unsere Preise möglichst effizient sichern zu können. Diese Sicherung können wir heute -  dank unserer Kapitalquote – nicht wie viele Wettbewerber durch Cash, sondern durch Avallinien darstellen. Ich glaube, Analysten honorieren das...


Sie positionieren sich im Zuge ihres Börseganges als strategisch exzellent aufgestellter, “grüner” Aluminiumerzeuger. Können Sie das näher erläutern?

Falch: Wir sind ein „grüner“ Aluminiumerzeuger. Am Standort mit unserer Gießerei sind wir der größte Aluminiumrecycler an einem Standort in Europa. Wir verarbeiten derzeit 200.000 Tonnen Schrott pro Jahr – und zwar Schrott aller Qualitäten, was uns jedenfalls von unseren Mitbewerbern unterscheidet, die zumeist nur ausgewählte Schrottqualitäten verarbeiten können.  Mit diesem Recycling decken wir etwa 75 bis 80 Prozent unseres gesamten Materialbedarfs in Ranshofen ab. Damit sind wir weltweit einzigartig aufgestellt.

Im Gegensatz zu Ihren Mitbewerbern, die versuchen, über so genannte “Dedicated Plants”, also Werke, die sich auf einzelne Produktgruppen spezialisieren, über Menge zu gehen, sehen Sie sich als hochqualitativer Nischenanbieter, der viele Produktgruppen und Branchen serviciert. Das mag in Krisenzeiten ein Vorteil sein – aber ist es da auch in Boomzeiten?

Falch: Mitbewerber, die mit so genannten Schwerpunktwerken arbeiten, haben ein Problem, wenn die Nachfrage aus einer Branche nachlässt. Wir sind der einzige Produzent weltweit, der an einem Standort, alle Legierungsfamilien herstellt. Von der 1000er Legierung bis zur 8000er Legierung. Wir können alle Produkte. Und wir haben ein ausgewogenes Branchenportfolio: von unseren Walzprodukten geht ungefähr 15 PRozent an Premium OEMs der Automobilindustrie für Anwendungen in Strukturbauteilen, Karosserie und Beleuchtungs- und Zierteile. Dazu kommen noch Flüssigaluminiumlieferungen aus unserer Gießerei. Weitere etwa 20 Prozent geht als Folienvormaterial an die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Ein weiteres Viertel geht in den Bereich Engineering & Construction – für Wärmetauscher in Klimaanlagen bis hin zu Fassadenpanelen. Darüber hinaus sind wir mittlerweile über höchst anspruchsvolle Qualifizierungsmaßnahmen von allen namhaften Flugzeugherstellern als Lieferant anerkannt. Wir sind damit von Volatilitäten einzelner Branchen relativ unabhängig.

Aber viele der von Ihnen genannten Branchen – etwa die Automobilindustrie – hat doch in unseren Breiten keinerlei Wachstumsphantasien mehr…

Falch: Selbst wenn die Produktion von Automobilen innerhalb unseres derzeitigen Lieferradiusses stagnieren würde, bedeutet das nicht, dass auch der Aluminiumbedarf stagniert. Im Gegenteil. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein namhafter deutscher Premiumhersteller, den wir beliefern, ersetzt mit kommendem Jahr eines seiner älteren Modelle. Das alte Modell hatte zwei Prozent Aluminiumanteil, das neue hat 20 Prozent. Ähnliches gilt für den fortschreitenden Leichtbau bei Nutzfahrzeugen. Mit jeder Tonne Gewichtseinsparung im Fahrzeug kann die Nutzlast entsprechend erhöht und somit Kosten gespart werden.

Wie hoch schätzen Sie die Wachstumsraten für Ihre Branche?

Falch: Der Aluminiumbedarf wächst, so Studien, in den nächsten 10-12 Jahren um rund 100 Prozent. So dringt Aluminium durch fortgeschrittene Legierungsentwicklung und thermomechanische Behandlung in immer mehr Anwendungsbereiche ein. Dazu kommt noch ein geografisches Ungleichgewicht in der Nachfrage – so wird in den nächsten Jahren der Bedarf in Schwellenländern wie China und Indien überproportional zunehmen. In Westeuropa wird das Wachstum auf 4,5 Prozent im Jahr geschätzt – kaum ein anderer Wirtschaftszweig hat solch gute Aussichten. Und die AMAG wird – wie schon in der Vergangenheit – natürlich über dem Branchenschnitt wachsen.

Fortsetzung auf Seite 3

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