02.07.2012 08:54

Fabrik 2012

„Es herrscht Krieg“

Rohstoffknappheit bedroht den Produktionsstandort Österreich. Am INDUSTRIEKONGRESS diskutierten Peter Untersperger (Vorstandschef Lenzing AG, IV), Franz Buxbaum (COO der RHI AG), Gerhard Falch (Vorstandschef AMAG), Ulrich Grillo (Vizepräsident BDI) und Richard Kühnel (Europäische Kommission) über die Rolle Chinas und der großen Rohstoffoligopole. Kann sich Europa aus dem Würgegriff befreien?

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Grillo, Sie sind Vizepräsident des BDI (Bundesverbandes der deutschen Industrie) und gelten doch seit Jahren als Kassandrarufer, wenn es darum geht, die Rohstoffversorgung der Industrie zu beklagen. Hört man Ihnen nicht zu?

Ulrich Grillo: Ich glaube, man hört mittlerweile sehr genau zu. Die deutsche Politik – und nur für die kann ich sprechen – hat die Problemstellung und den Handlungsbedarf mittlerweile erkannt.

Und die Problemstellung wäre ...?
Ulrich Grillo: Nun, die Weltbevölkerung und die Wirtschaft wachsen, aber andererseits sind die Rohstoffe – vor allem die metallischen – beschränkt, die wachsen nicht. Auch dann, wenn man Recycling betreibt. Wir sind als klassisch rohstoffarme Länder zudem Marktmechanismen wie Oligopolen auf gewissen Rohstoffmärkten und auch politischen Mechanismen wie Handelshemmnissen und Beschränkungen ausgesetzt. Die Politik fängt langsam an, das strategisch  anzugehen und sich angesichts der Zwangslage strategische Überlegungen zu machen.

Herr Buxbaum, Sie haben als Leiter der Division Rohstoffe und COO des Feuerfestherstellers RHI zuletzt mit Handelshemmnissen aus China Erfahrung gemacht. Welche?
Franz Buxbaum: Das ist richtig. Einer unserer Hauptrohstoffe ist Magnesia. Die größten Vorkommen dieser seltenen Erde sind in wenigen Regionen der Welt konzentriert – vor allem in China. Vor zirka 20 Jahren begann man in China, den Markt mit günstigem Magnesit zu überschwemmen und so eine gewisse Abhängigkeit der erzeugenden Industrie Europas zu schaffen. Denn teurere Produktionsmethoden, wie die Herstellung von Magnesia aus Meerwasser, wurden dadurch unrentabel. Der Boom Ende des letzten Jahrzehnts hat allerdings zu Engpässen geführt und dazu, dass China Rohstoffexporte besteuert und sogar Ausfuhrobergrenzen in Form von Exportlizenzen festlegt. Das führte in der Spitze zu einem Aufschlag von mindestens 100 Prozent des Warenwertes auf Magnesia. Wenn Sie jetzt noch wissen, dass der Rohstoffpreis fast 55 Prozent unserer Herstellkosten beträgt, können Sie sich vorstellen, was das für uns bedeutet hat.

Hier gehts weiter

leaderboard,skyscraper,rectangle_300_250,banner_234,banner_468,widget_200_100,widget_200_200
group=9,service_id=1