30.08.2012 15:41

Fachhochschulen

Fisch oder Fleisch?

Das Angebot an praxisnaher Spezialausbildung wächst: Im Herbst gehen an den Fachhochschulen neue Industrie-Studiengänge an den Start. Ein Überblick.

Das Angebot wächst. Mehrere neue Fachhochschul-Studiengänge im Industriebereich rittern ab Herbst um Studierende, und die Frage, wie viele davon die Welt, sprich: die Industrie, noch braucht, liegt nahe. „Der Bedarf ist nach wie vor groß“, meint Martin Tschandl. Als Studiengangleiter eines seit 1995 etablierten Studiums – Industriewirtschaft an der FH Joanneum – ist er unverdächtig, Werbung für ein jüngstes Kind machen zu müssen. „Wir brauchen mehr Ausbildungsangebote“, sagt der FH-Professor, „und da wir in Zukunft mehr Techniker und Wirtschaftsingenieure benötigen, wird es für solche Absolventen sehr gute Jobchancen geben.“

Wichtig sei dabei, dass sich neue Angebote klar voneinander unterscheiden: Zu ähnliche Studienrichtungen führten zwangsläufig zu Konkurrenz über den Standort. „Unterscheidbare Angebote wirken aber additiv und konkurrenzieren einander nicht.“

Volle Bandbreite


Unterscheidbar sind die Neuen zweifelsohne. Die Bandbreite reicht vom Bachelor-Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen“ an der FH Kärnten bis zu den Master- Studien „Aerospace Engineering“ und „Regenerative Energie-Systeme & technisches Energie-Management“ an der FH Wiener Neustadt. Die FH Vorarlberg bietet ab Herbst ein neues Bachelorstudium „Maschinenbau“, in Salzburg startet der Masterstudiengang „Applied Image and Signal Processing“ (gemeinsam mit der Uni Salzburg).

Die FH Campus Wien bringt „Clinical Engineering“ auf den Markt (Bachelor), das Innsbrucker MCI den neuen Bachelor-Studienzweig „Mechatronik-Elektrotechnik“. An der FH Oberösterreich wird ab Herbst der bisherige Diplomstudiengang „Mechatronik/Wirtschaft“ als Bachelorstudium berufsbegleitend angeboten – weitere, „komplett neue Themen“ seien derzeit in der Beantragungsphase.

Ein langer Steg

Die neuen Angebote werden sich nicht nur der notorischen Konkurrenz mit den universitären Studien stellen – sie haben auch, meint Martin Tschandl, ein grundlegenderes Problem: „Alle industriell orientierten FH-Studien müssen um das Interesse der Jungen kämpfen – da haben es Studiengänge wie Physiotherapie, Journalismus oder Sozialarbeit schon leichter. Das Problem ist, dass ,Industrie´ immer noch weitgehend als monolithisch empfunden wird: die Industrie als Institution.“

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