25.10.2010 09:54
Feuerfesthersteller
RHI-Chef Jensen: "WIr kaufen in Brasilien"
Henning Jensen ist Nachfolger von Thomas Fahnemann an der Spitze des Feuerfest-Herstellers RHI. Er spricht im Interview über die mühsame Suche nach weiteren Minen, die erste Dividende seit zehn Jahren und das neue Werk in Brasilien.
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INDUSTRIEMAGAZIN: Thomas Fahnemann ist Ende August überraschend als Vorstandssprecher zurückgetreten. Wie lange hatten Sie Bedenkzeit, seine Nachfolge anzutreten?
Jensen: Bedenkzeit hatte ich keine. Aber ich habe die Herausforderung gerne angenommen.
Wie gut ist Ihr Verhältnis zu den anderen Aufsichtsratsmitgliedern und insbesondere zum Kernaktionär Martin Schlaff, mit dem sich Ihr Vorgänger überworfen haben soll?
Jensen: Mir geht es jetzt darum, die RHI für die Zukunft zu positionieren. Einige Punkte liegen hier in meiner Verantwortung, einige inbesondere finanzielle Entscheidungen obliegen dem Aufsichtsrat. Es ist aber ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir hinsichtlich der weiteren Strategie die gleichen Vorstellungen haben.
In den nächsten Jahren wollen Sie 400 bis 500 Millionen Euro investieren. Wofür ist das Geld vorgesehen?
Jensen: Es können sogar deutlich mehr werden als die 400 bis 500 Millionen, die ich kürzlich genannt habe. Das hängt im Wesentlichen davon ab, wie weit die Minen entwickelt sind, die wir zukaufen wollen. Derzeit arbeiten wir an drei bis vier Projekten. Unser Ziel ist es, in vier bis fünf Jahren einen Eigenversorgungsgrad von 80 Prozent zu erreichen. Hierfür müssen wir unsere Minenkapazitäten verdoppeln. Einen Einstieg ins Handelsgeschäft – wie es unter meinem Vorgänger ein Thema war – planen wir hingegen nicht mehr. Damit würden wir unsere Wettbewerber mit Material beliefern, das halte ich nicht für sinnvoll.
In Brasilien planen Sie ein Werk auf die grüne Wiese zu setzen. Haben Sie mittlerweile ein passendes Grundstück gefunden?
Jensen: Ja, wir sind gerade dabei, ein Grundstück zu kaufen. Das Werk, das wir dort bauen wollen, soll in vier bis fünf Jahren rund fünf Prozent unserer Gesamtkapazität produzieren. Damit würden wir den Brasilien-Umsatz auf 80 Millionen Euro vervierfachen.
Gibt es einen Beschluss des Aufsichtsrates, was die Höhe des Investitionsprogramms angeht?
Jensen: Einen Beschluss gibt es nicht, aber in dem Kreis ist die Bandbreite unseres Investitionsbedarfs natürlich bekannt. Seit der letzten Hauptversammlung verfügen wir über 25 Prozent genehmigtes Zusatzkapital. Eine Kapitalerhöhung könnten wir bei passenden Deals in den nächsten zwölf bis 18 Monaten angehen. Auf diese Weise könnten wir rund 200 bis 250 Millionen Euro einspielen. Den Rest wollen wir über Kredite oder Bonds finanzieren.
Eine Finanzierung aus dem Cash-Bestand planen Sie also nicht mehr?
Jensen: 2010 ist kein Cashjahr, sondern ein Umsatz- und Ergebniswachstumsjahr…
…dann werden Sie also erstmals wieder eine Dividende zahlen?
Jensen: Das ist ein sehr emotionales Thema, das Sie da ansprechen. Wir haben zehn Jahre lang keinen Gewinn ausgeschüttet, um Eigenkapital aufzubauen und cashmäßig in die Komfortzone zu kommen. Jetzt wollen die meisten Aktionäre aber nicht mehr länger warten. Wir planen daher – vorbehaltlich des Beschlusses in der Hauptversammlung - 2011 erstmals wieder einen Teil des Gewinns auszuschütten. Es könnte eine kleine Dividende sein, eine Art ‘Signaldividende’.
Thomas Fahnemann ist nicht der erste Vorstand, der das Unternehmen nach kurzer Zeit wieder verlassen hat. Wie lange wollen Sie bleiben?
Jensen: Ich habe bis 2013 unterschrieben. Da ich mich als Gestalter sehe, ist meine Perspektive langfristig. Aber am Ende des Tages ist es eine Entscheidung des Aufsichtsrates.
Aber ein bisschen mehr Beständigkeit an der Spitze könnte RHI nicht schaden?
Jensen: Ja, wir brauchen dringend Ruhe nach den zahlreichen Wechseln auf Vorstandsebene in den vergangenen Jahren. Ich sehe meine Rolle daher auch als Klimaveränderungsbotschafter innerhalb des Unternehmens.
Interview: Vanessa Voss
Zur Person:
Henning Jensen (50)
Im Jänner 2010 kam der Norweger als Finanzvorstand zum Feuerfest-Konzern RHI, Ende August übernahm er zusätzlich den Job als Sprecher des Vorstandes von Thomas Fahnemann. Zuvor war Jensen in verschiedenen leitenden Funktionen bei internationalen Unternehmen tätig. Bevor er zu Tyco Electronics wechselte, war er Finanzdirektor bei der GeneralMotor-Tochter Delphi Electronics.
























