26.03.2012 06:59
Flugzeugzulieferer
Luftunterstützung
Troubles mit dem chinesischen Eigentümer, unsichere Arbeitsplätze in St. Martin: Der Vorstand des Innviertler Flugzeugzulieferer FACC hält die Gerüchte für substanzlos.
Aus dem Archiv
Es war ein Schreiben von schlichter Ästhetik. Aber eins, das seine Wirkung nicht verfehlte. In einem Papier an 50 Führungskräfte des Flugzeugzulieferers FACC machte sich der Vorstand des Innviertler Unternehmens Luft. Gerüchte, wonach der chinesische Eigentümer XAC auf den Vorstand massiv Druck ausübe, hielten sich zuletzt wacker. Auch auf „Abteilungsspitzen“ werde Druck ausgeübt, „um die Zahlen zu verbessern“, schrieben die „Oberösterreichischen Nachrichten“. Eine Abwanderung der Produktion sei mittelfristig „nicht auszuschließen“. Technikvorstand Robert Machtlinger, laut Augenzeugen „sehr verärgert“ über die „haltlosen Spekulationen“, ging intern in die Gegenoffensive – per Betriebsaushang. Man fahre einen Wachstumskurs, der Standort sei gesichert, ließ der Vorstand ausrichten. Mit dem chinesischen Eigentümer laufe „alles bestens“, sagt er dem INDUSTRIEMAGAZIN: „Er sei quirlig und interessiert an einer Erfolgsbeteiligung für Mitarbeiter“, so Machtlinger.
Standortausbau
FACC fährt einen radikalen Expansionskurs. 54 Millionen Euro nehmen die Innviertler für den Ausbau in St. Martin in die Hand. Eine neue F&E-Zentrale entsteht – aber auch Fertigungsanlagen im Bereich der Flügelstrukturen und Flugzeuginteriors werden modernisiert. Für die Forschungszentrale wurde in Nähe der Werke 2, 3 und 4 ein 55.000-Quadratmeter-Areal erworben. Entwickelt werden soll dann hauptsächlich innerhalb der Flugzeugprogramme Airbus A350 XWB, Embraer und Boeing 787-9 – einer Langversion der Boeing 787-8. F&E-Personal soll in der Halle konzentriert werden, man geht von 300 neuen Jobs aus. Fertigstellungstermin ist im Dezember. „Mit der Millionen-Investition bekennen wir uns zu Österreich“, heißt es bei den Innviertlern – einerseits.
Anderseits plane man „wegen der Dollarabhängigkeit“ auch „Produktionsverlagerungen“, heißt es bei FACC in einem Nebensatz. Die so frei werdende Produktionskapazität – Hallen, Anlagen, Mitarbeiter – will der Betrieb für neue, komplexere Projekte heranziehen.
Werk in China ab 2013
Das dürfte im Innviertel einigen zu denken geben. Der Betrieb hält aber den Ball flach. „Wir treiben im Innviertel unseren projektbezogenen Ausbau voran“, versichert Vorstand Machtlinger – und erzählt von Abu Dhabi. Dort betreibt der Zulieferbetrieb schon länger ein Werk. Aufträge „von einer Milliarde US-Dollar“ bis 2026 stehen in den Büchern, sagt Machtlinger. Auch Indien laufe gut. Anfang 2013 soll die Produktion in der Nähe von Shanghai anlaufen. „Einfache Strukturkomponenten“ für Boeing und Airbus dürften dort entstehen – bisher eine Innviertler Domäne. Auch Lieferungen für das erste große chinesische Passagierflugzeug C919 will FACC bald „direkt in China fertigen“.
Ganz so entspannt dürfte es mit dem chinesischen Eigentümer XAC dann aber doch nicht immer laufen. Grobe Meinungsverschiedenheiten gibt es über die Ausstattung des Werks in China. Der Eigentümerwünsch – ein chinesisches low cost-Werk– steht im krassen Gegensatz zu den Vorstellungen des FACC-Vorstands. Der will in China eine „stark automatisierte“ Produktion hochziehen. Machtlinger schwebt eine Kopie der Innviertler Fertigung mit IT-Anbindung vor – um auch aus Österreich Maschinen ansteuern zu können. Auch ein quirliger Ansatz. Daniel Pohselt























