16.02.2011 21:04

Fortbildung

Seminaranbieter-Ranking: Mit Pauken und Trompeten

Bundesweit buhlen geschätzte tausend Anbieter von Fort- und Weiterbildungsseminaren um Kundschaft. INDUSTRIEMAGAZIN hat die 80 größten Seminaranbieter an 412 Führungskräften getestet – mit durchaus überraschenden Resultaten.

Zugegeben, die Zahlen sind geschätzt. Allerdings von durchaus kompetenter Seite: Geht es nach Experten vom Branchenverband Incite (der WKO-Fachorganisation für Unternehmensberatung) dann tummeln sich in der Alpenrepublik um die 25.000 Wirtschaftstrainer und Managementcoaches. Rund eintausend Seminarveranstalter  (viele davon Ein-Mann-Unternehmen) mit ebenso vielen Ausbildungskonzepten buhlen um die Gunst der Kundschaft. Und dutzende Gütesiegel stehen für die Qualität  von Tainern  und deren Didaktik.  Genauere Daten existieren nicht  – auch nicht beim zuständigen Branchenverband . Dieser beschreibt die heimische Weiterbildungslandschaft als „breit gefächert“. Eine Einschätzung, der die werte Kundschaft nicht folgt: Den von INDUSTRIEMAGAZIN im Rahmen einer Qualitätsumfrage kontaktierten Führungskräfte  fallen mit „inhomogen“ und „intransparent“ durchwegs weit  weniger schmeichelhaftere Prädikate ein. 

Das Ranking.

Und doch haben sich 412 tapfere Teilnehmer durch den INDUSTRIEMAGAZIN-Fragebogen  zur Qualität  der österreichischen Fortbildungslandschaft gekämpft. Mitte Januar wurden 5000 Geschäftsführer, Vorstände und Personalentscheider gefragt: „Haben Sie persönliche Erfahrungen mit einem dieser 80 Seminaranbieter? Und: Welchen Eindruck haben Sie von der Qualität der Inhalte und deren Vermittlung?“ (Details zum Design der Umfrage lesen Sie auf Seite 2.) Das Resultat  der Befragung ist überraschend:  Führungskräfte, die persönliche Erfahrung mit Seminaranbietern gemacht haben, stellen den  großen Marken der heimischen Fortbildungslandschaft durchwegs nur mittelmäßige  Zeugnisse aus. Und: Obwohl die Mehrzahl der Befragten die Unübersichtlichkeit der heimischen Fortbildungslandschaft beklagt, schätzen sie die Spezialisten-Qualitäten kleiner Nischenanbieter.

Die Generalisten.

Abgefragt wurden insgesamt  80 Anbieter von Fort- und Weiterbildungsseminaren in neun Kategorien (alle Resultate lesen Sie hier). In der Gruppe der Generalanbieter, die mit einem breiten Spektrum an Fachseminaren aufwarten, konnten drei Marken punkten:  Der Gewinner, das WIFI Wirtschafts Förderungs Institut liegt  mit 181 Bewertungen  von Absolventen und einer Durchschnittswertung von 3,602  knapp vor dem Anbieter ARS - Akademie für Recht und Steuern.  Die Personal-, Rechts- und Strategiefortbildner  erreichten mit 117 Bewertungen eine Qualitätsnote  von  3,59 und liegen ihrerseits nur knapp vor dem ÖPWZ (Österreichisches Produktivitäts  und Wirtschaftlichkeitszentrum),  dem 102 Führungskräfte die Note 3,584 verliehen. Knapp über der Durchschnittsbewertung von 3,0 liegt  das Wiener IIR (Institute for International Research) sowie das BFI (Berufsförderungsinstitut). Deutlich abgeschlagen landeten Euroforum Austria und die FAA Finanzakademie Austria auf den hinteren Rängen.

Die Spezialisten.

Ob das österreichische Controllerinstitut im Finanzbereich, die Strategiefortbildner von Malik MZSG, die Verkaufscoaches  der Sales Manager Akademie, oder Berlitz  im Fremdsprachenbereich: Die Gewinner der einzelnen Fachkategorien räumten mit durchwegs zweistelligen Bewertungszahlen  fast  immer das Prädikat „exzellent“ ab. Mit dem Spitzenwert von 4,333 von  immerhin 11 Führungskräften (Kategorie: „Produktion“) sind die Seminare von Six Sigma Austria die Gewinner des heurigen Rankings. Kein anderer Anbieter konnte seine Absolventen so nachhaltig überzeugen wie  die Null-Fehler-Manager. 

Die exzellenten Qualitätsnoten der Spezialisten (allesamt rund um die Note 4) sind keine gute Nachricht für die Generalisten: Denn die Spezialisten  liegen mit in der Qualitätseinschätzung ihrer Kunden  weit über jenen der breit aufgestellten Seminaranbieter. Mehr noch: Selbst in den Kerngebieten können sich die Generalisten nur bedingt durchsetzen:  Zwar schaffte das WIFI im Bereich Logisitk den ersten Platz, der Veranstalter  ARS – immerhin Platz 2 in der Kategorie Gesamtanbieter –  schaffte in seinen Kernbereichen „Führung und Strategie“ und „Finanzierung“ mit den Plätzen 8 und 3keine Spitzenbewertung. 

Image versus Realtität.

Sind Spezialisten also besser als Generalisten?  Die 412 Teilnehmer der heurigen Umfrage haben ein klares Urteil gesprochen. Und sie haben uns ein interessantes Detail  zur öffentlichen Wahrnehmung der Anbieter verraten: Nämlich jenes, dass das Image  der 80 Anbieter – zum Teil deutlich – über der wahrgenommenen Qualität der Absolventen  liegt. In fast allen Fällen fallen die Imagewerte (Qualitätsnote aller Befragten)  weitaus besser aus als die tatsächlichen Qualitätsnoten (Bewertung  der Befragten, die angaben, Erfahrungen mit dem Anbieter gemacht zu haben). Am Beispiel der beiden führenden Gesamtanbieter  wird das deutlich: Während die Gesamtheit aller Führungskräfte, die das WIFI und ARS bewerteten (251 und 187 Personen), eine durchschnittliche Imagenote  von  3,905 und 3,892 vergaben – wurde von den tatsächlichen Teilnehmern  durchschnittlich nur 3,602 und 3,590 vergeben. 

Lesen Sie auf Seite 2 alle Details zum Design der Umfrage.

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