13.08.2012 10:08

Frachtenbörsen

Drei, zwei, eins – deins!

Sie verschärfen den Preisdruck für Spediteure, gewähren unerwünschten Einblick ins Geschäft und leiden noch immer unter Sicherheitsmängeln. Trotzdem gehört Frachtenbörsen die Zukunft.

Im Jänner platzte ihm der Kragen. „Große Abzocke über die Frachtenbörsen“ beklagt ein „Fuhrparktreiber“ mit dem Usernamen „Paul Panther“ in einem der zahlreichen Transportforen im Internet. „Asoziale Frachtanbieter“ würden ihre Transporte zu Frachtraten weit unter dem Kostendeckungsbeitrag anbieten. Im Schutz der Anonymität gehen die Wellen höher als unter Klarnamen, doch Frachtenbörsen haben offenbar beträchtliches Potenzial für Emotionen.

Was angesichts des Geschäftsmodells nicht unbedingt naheliegt. Frachtenbörsen bündeln, was in Offline-Zeiten über stundenlange Telefonate abgewickelt werden musste: Sie vermitteln den Kontakt zwischen jenen, die Ware transportieren wollen, und jenen, die Frachtraum anbieten können. Die Geschäftsabschlüsse erfolgen weiterhin zwischen den beiden Partnern, die Frachtenbörsen bekommen dafür pauschalierte Beträge oder rechnen pro verbrachter Fracht ab. Dabei geht es mittlerweile um ungeheure Mengen: TimoCom, nach Eigenangaben europäischer Marktführer, verbuchte im vergangenen Jahr den bisherigen Rekord von knapp 416.000 Fracht- und Laderaumangeboten an einem einzigen Tag.

Die solcherart versammelte Marktmacht lässt die Angebotslage in der Frachtenbörse sogar zum Indikator für die Transportkonjunktur werden. Branchenmedien wie die „Deutsche Verkehrszeitung“ veröffentlichen das „Transportbarometer“ der TimoCom als wöchentlichen Messfühler der Branchenentwicklung.

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