16.04.2012 06:43

Frachtraten

Seefrachtraten: Rasant nach oben

Die Seefrachttarife von Asien nach Europa haben sich seit Februar verdreifacht – trotz dramatischem Kapazitätsüberhang.

Die vielen Krisen der letzten Jahre haben alles durcheinandergebracht. Selbst das fundamentale Gesetz der Marktwirtschaft von Angebot und Nachfrage. In der weltweiten Schifffahrt findet gerade eine Veränderung statt, die Logistikkalkulationen wie Luftblasen platzen lassen: Die großen Schiffahrts-Reedereien haben nach einem beispiellosen Preissturz zuvor seit Februar die Raten für den Container-Transport zwischen Asien und Europa verdreifacht – trotz dramatischen Überangebots an Schiffskapazität und nur noch leicht wachsendem Güteraufkommens.

Preissteigerung gegen rote Zahlen

Die letzte Preisanhebung erfolgte am 1. März. Da haben große Reedereien die Preise pro Containertransport von Asien nach Europa laut World Container Index (WCI) zwischen 700 und 800 US-Dollar pro TEU beziehungsweise zwischen 1400 und 1600 US-Dollar für einen 40 Fuß-Container angehoben. TEU heißt Twenty Foot Equivalent Unit und meint den 20-Fuß-Standardcontainer. Daraufhin schossen die linienbezogenen Indizes wie der WCI Shanghai-Rotterdam-Index von 1276 US-Dollar pro 40-Fuß-Container binnen sieben Tagen auf 2732 US-Dollar. Seit April sind es 3500 Dollar – nahezu das Dreifache des Preises von vor zwei Monaten. Davon ist praktisch der gesamte europäische Import aus Fernost betroffen. Was Importeure auf dem falschen Fuß zu erwischen droht – immer mehr Güter werden auf dem Spotmarkt und nicht mehr auf Basis langer Verträge verschifft -, macht Exporteuren weniger Kopfzerbrechen: Heimische Unternehmen berichten von einem geringen zehn bis 15prozentigen Preisanstieg für die Seetransporte nach Japan und China. Es ist für die Transporteure wesentlich schwieriger, die Container auf der Hinfahrt als auf der Rückfahrt aus Asien nach Europa zu füllen.

An Preissprünge gewohnt

In der Speditionsbranche werden diese Nachrichten mit Gleichmut aufgenommen. Unter Insidern gilt der Seefrachtpreis als „Flipper“, der schon immer extreme Fallhöhen und Klettertouren durchlief Reinhard Lange, Vorstandschef von Kühne + Nagel, meinte Anfang März anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Zürich dann auch verständnisvoll: "In der Seefracht gab es immer schon starke Schwankungen, aber jetzt können die Reedereien offensichtlich ihren Preiskampf nicht länger durchhalten". Langes Meinung dazu ist nicht belanglos. Kühne + Nagel ist mit einem Marktanteil von 1,9% in der Seefracht der weltweit führenden Anbieter in diesem Segment, wobei 95% der global gehandelten Güter auf dem Seeweg transportiert werden. Er ist zuversichtlich, so scheint es, die neuen Preise an seine Kunden weitergeben zu können. Für Importeure und Endkunden werden diese Entwicklungen nicht so leicht zu schlucken sein.

 

 

 

Mehrseitiger Artikel
Seefrachtraten: Rasant nach oben
leaderboard,skyscraper,rectangle_300_250,banner_234,banner_468,widget_200_100,widget_200_200
group=17,service_id=1