02.02.2012 08:38
Gewerbeimmobilien
Aufschieberitis bei Industrieneubauten
Unternehmen verschieben Bauinvestitionen – nur wer sich vor Aufträgen nicht mehr retten kann, investiert in neue Werksflächen. Dabei gibt es durchaus Schnäppchen.
„Wintercamping hat etwas sehr Romantisches. Wir zelten noch.“ Rudolf Mark, Eigentümer des Zulieferers Mark Metallwarenfabrik in Spital/Pyhrn, ist vorsichtig. Obwohl etliche seiner Kunden aus der Automobilindustrie angekündigt haben, heuer bis zu 20 Prozent mehr einkaufen zu wollen als 2011, zögert der Chef des Tiefzieh-Spezialisten noch mit dem Bau einer neuen Halle im Werksgelände in Spital am Phyrn. Wegen des Nachfragebooms im vorigen Jahr hat er lieber seine Logistik ins alte Firmengelände im Ortszentrum ausgelagert und ein paar Zelte auf dem neuen Werksgelände gebaut, als das Risiko einer Bauinvestition samt neuen Fixkosten einzugehen.
Nur keine neuen Fixkosten.
Marks Vorsicht ist symptomatisch, beobachtet Lukas Richter, Industrieimmobilien-Experte beim Makler Colliers International. „Es wird bis zum Geht-nicht-mehr adaptiert, bevor man den Schritt zum Neubau macht.“ Ob sich die Behelfslösungen rechnen, sei eine andere Frage. Die Rentabilität eines Neubaus hängt von Zeithorizont ab, findet Richter:„Ein Familienunternehmer, der keine AG führt, bleibt über 30 bis 40 Jahre am Standort und kann die Kosten auf diese Zeit aufteilen.“ Bei einer international ausgerichteten Kapitalgesellschaft ist das anders: „Da zählt jeder Cent – die se Unternehmen mieten sich für einige Jahre ein, weil sie nicht wissen, wie lange der Standort und der Produktionszyklus halten.“
Homeshoring schlägt Auslagerung.
Dabei ist in Österreich wieder ganz gut bauen. „Produktionsstandorte in Europa werden wieder interessanter“, glaubt Ilias Manoukas vom Makler CBRE. Stark steigende Nebenkosten in Fernost lassen viele Produzenten und Logistiker lokale Niederlassungen neu bewerten. Industriebetriebe wie Kapsch CarrierCom holten zum Teil ausgelagerte Produktionsteile nach Österreich, vor allem weil sie damit ihre Reaktionszeit verkürzen können. "Früher wurde oft blind verlagert", kommentiert Daniel Palm, Leiter des Geschäftsbereichs Produktions- und Logistikmanagement bei Fraunhofer Austria. "Da waren Lohnkostenvorteile vordergründig so attraktiv, dass die Standortauswahl nicht mehr Teil einer objektiven Planung war. Oder man hat sich den Niedrigkostenstandort einfach schön gerechnet.“ Jetzt wird wieder mehr vor der eigenen Haustür geplant und gebaut. Die neue Nüchternheit kommt oft sehr spät: "Einer unserer Kunden hatte bereits ein Grundstück in Osteuropa gekauft, doch nach der Planung hat der Spatenstich zum Bau des neuen Werks in Österreich stattgefunden", sagt Christian Morawetz, Leiter der Gruppe Produktionsstrukturen bei Fraunhofer Austria.
Logistik-Schnäppchen.
Flauer dümpelt der Markt für Logistikflächen dahin - Industrieunternehmen binden sich immer kurzfristiger an ihren Logistik-Dienstleister, was deren Investitionsfreude nicht eben steigert. Also versucht man nach Möglichkeit mit bestehenden Hallen das Auslangen zu finden. Unter Druck gekommen sind in die Preise dennoch – im Wiener Umland sind die Quadratmetermieten in Großlagern, so genannten „Big Box“-Immobilien, zuletzt unter die Fünf-Euro-Schwelle gesackt, beobachtet Manoukas. Mehr Platz nach unten sieht der CBRE-Experte allerdings nicht, solange Grundstückpreise und Baukosten nicht sinken. Auch Lukas Richter von Colliers rechnet bei Mieten für Logistik- und Büroflächen mit einer Konsolidierung auf dem derzeit niedrigen Niveau. Eine Markteinschätzung, die auch Österreichs größter Immobilienentwickler Immofinanz für das Segment Commercial teilt, sagt Sprecherin Sandra Bauer: „Wir gehen davon aus, dass sich die Leerstände auf dem Büromarkt – vor allem in Wien – durch die aktuell laufenden Bauaktivitäten und die schleppende Nachfrage nicht reduzieren werden. Wir planen daher aktuell keine Entwicklungsprojekte in diesem Bereich. Im Einzelhandel gehen wir von einer weiteren Konsolidierung aus.“
Sonnige Zeiten sieht Lukas Richter dagegen für bauwillige Industrielle abrechen. „Die Preise für Betriebsgrundstücke könnten um bis zu 20 Prozent sinken.“ Rudolf Mark wird demnächst wohl doch Geld für eine Erweiterung seines Werks in die Hand nehmen: „Wenn das erste Halbjahr stabil bleibt, werden wir wahrscheinlich anfangen zu bauen. Wir planen schon ein bisschen.“
Maike Seidenberger
Alles inklusive
Wenn Betreibsansiedler geschmeidig bleiben, gelingt es ihnen schon mal, eine drohende Abwanderung zu verhindern.
Veit Schmid-Schmidsfelden, Eigentümer des Automobilzulieferers und Armaturenherstellers Fertinger wollte eigentlich schon vom zu klein gewordenen Wolksdorfer Stammsitz nach Tschechien umsiedeln. Doch nun lässt er sein 20.000 m2 großes und zehn Millionen teures neues Werks- und Bürogebäude doch im Wolkersdorfer Wirtschaftspark bauen. Ein süßer Deal der niederösterreichischen Betriebsansiedlungsagentur ecoplus ließ ihn umschwenken: Ein eigener Sektor in der Erweiterung des Wirtschaftsparks und eine Option auf eine Verdoppelung des Geländes. Um für diese Eventualität gerüstet zu sein, kaufte ecoplus eigens einige Hektar Grund als Reservefläche an. “Wir begleiten den Ansiedlungsprozess von Anfang bis zum Ende“, beschreibt ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki die All inclusive-Philosophie der niederösterreichischen Investoren-Betreuer.
Ein anderes Konzept verfolgt die oberösterreichische Ansiedlungsagentur TMG. Ihr Boss Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl will jetzt, wo das Land flächendeckend mit kleinen Gewerbegebieten (Inkobas) versorgt ist, in einer größeren Liga spielen. Er plant fünf große Wirtschaftsparks, die auch internationale Strahlkraft entfalten sollen: „Wir starten damit in eine neue Dimension der Betriebsansiedlung. Mit unseren Interkommunalen Betriebsbaugebieten haben wir bereits eine gute Basis, um Betriebe in allen Regionen ansiedeln zu können." Die ersten beiden Großprojekte werden in Machland/Perg und in Wels-Land realisiert.























