16.04.2012 06:22
Hannover Messe International
Technologiemesse HMI: Schau oder Show?
Die Hannover Messe (23. bis 27.4.) ist die industrielle Leitmesse Europas und Kulminationspunkt vieler Hoffnungen – doch nicht allen wird sie gerecht. Ein Pro- und Contra.
Hannover Messe: Ein Pflichttermin!
Ein echtes Trademark der HMI: Ihr F&E-Schwerpunkt. „Der ist vom Feinsten“, erzählt Markus Dibold vom Linz Center of Mechatronics (LCM). Schon sechs Mal war er auf der Hannover Messe – noch jedes Mal sorgte das Angebot für Unis und Technologieinstitute für Festtagsstimmung bei ihm. Denn Techno-Schmieden haben hier einen Ehrenplatz. Zwischen produktüberquellenden Herstellerständen „wirken wir manchmal spielerisch“, weiß Dibold. Doch auf der HMI ist die Halle 2 – eine Halle mit fast kosmischem Raumgefühl – für die internationale Forschergemeinschaft reserviert. Selbst die Weltraumagentur ESA fehlt nicht. Produktmarketing? Hat hier wenig bis nichts verloren. Auch Messehostessen haben Hallenverbot. Statt des optischen Aufputzes gibt es Thesen, Prototypen und Projekte. Und am Abend des ersten Messetags erlebt die Forscherszene einen besonderen Kitzel – die „Nacht der Innovation“. Sind die anderen Hallen längst dunkel, geht es hier abseits des Tagesgeschäfts zur Sache: Dann kommt die Industrie „in Strömen“ angelaufen, nimmt LCM-Mann Dibold dafür 700 Kilometer Anreise in Kauf.
Pro: China-Connection
International war die HMI schon immer. Und „Partnerländer“, die der Messe ihren Stempel aufdrücken, sind Standard. Diesmal aber gelang der Messeleitung ein Husarenstück: Sie konnte die Volksrepublik China als Partner der HMI gewinnen. „Ich bin gespannt, ob sie sich überzogen präsentieren werden“, rätselt ein Aussteller schon Wochen vor dem Messestart. „Wir freuen uns außerordentlich über die Zusage“, machte Wolfram von Fritsch, Boss der Deutschen Messe AG, dem Mitveranstalter schöne Komplimente. Und tat gut daran. Chinas (Zuliefer-)Unternehmen unter die Lupe zu nehmen ist eine Jahrhundertchance für die alte Welt. Die Spannung ist schon im Vorfeld knisternd zu spüren: Der Salzburger Kunstoff-Halbzeugehersteller Senoplast Klepsch ist heuer zum ersten Mal auf der HMI – und freut sich auf gute Kontakte nach Asien: „Es ist natürlich interessant, dass China dabei ist – wir haben ja mittel- bis langfristige Pläne für den Markt“, sagt Marketingleiterin Claudia Pichler. Ein Rundruf ergab: Keine singuläre Sicht.
Pro: Dorado für Drahtzieher.
Auf manchen Messen weiß man gut um sein Risiko. Die Gefahr, von einem Schülerkonvoi niedergewalzt zu werden, ist dort groß. Denn Schulklassen sind ein bis zur Meisterschaft erprobtes Mittel, um Messehallen zu füllen. Nicht immer geht die Rechnung auf – wie gelangweilte Teenagergesichter zeigen. Auf der HMI ist ein Generationenkonflikt aber beinah verunmöglicht. Zwar gibt es auch hier eine Nachwuchs-Initiative („TectoYou“). Sie soll das Jungvolk neugierig auf Technilk machen. Aber jeder dritte Besucher der HMI ist nun mal eben auch Führungskraft – ein Spitzenwert. Das macht die Messe für viele konkurrenzlos. „Die Mischung aus Top-Führungskräften und praktischen Anwendern ist hier einmalig“, sagt FerRobotics-Chef Ronald Naderer.
Pro: Show-Gene
Kollektive Ekstase: Die liefert die Hannover Messe verlässlich. Denn so viele Live-Demos von Neuentwicklungen bekommt man sonst nirgendwo zu sehen. Ins Gehirn gebrannt hat sich das Bild des „Titan“. Aber nicht nur Kukas stärkster Roboter ließ auf der HMI die Muskeln spielen. Für Aktionsmoment sorgte auch die Foodpicker-Zelle des Roboterherstellers Fanuc – und viele weitere Exponate. Ein schillernder Veranstaltungsbogen hält all das zusammen. Erneut kann man sich heuer in der „Roboter-Akademie“ einschreiben. Die wissenstechnischen Mitnahmeeffekte sind groß – aber auch für Firmenchefs, die netzwerken wollen, spielt hier die Musik: „Alle Persönlichkeiten der Industrieautomation tummeln sich rund um die Akademie“, weiß FerRobotics-Chef Ronald Naderer.























