14.04.2011 09:00
Höhere Forschungsprämie
Neuerungen bei der Forschungsförderung 2011
Ein neues KMU-Paket, höhere Forschungsprämien und frische Landesmittel: Die wesentlichsten Neuerungen bei der Forschungsförderung 2011.
Berührungsängste gibt es am K1-Zentrum CTR nicht. Dafür ist das Forschungszentrum für Sensortechnologien zu eng mit der Industrie verzahnt. Mittlerweile umfasst das Konsortium 27 Partner – darunter Renommierbetriebe wie Infineon Technologies oder Avl List. Doch als eine zwölfköpfige, international besetzte Expertenkommission im Februar zwei Tage lang die Forschungsleistungen der Villacher unter die Lupe nahm, stockte selbst Vorstand Simon Grasser kurz der Atem: Dass sich für die Evaluierung absolute Topleute aus der Mikrosystemtechnik nach Österreich bemühten, „ist für uns schon eine schöne Anerkennung“, sagt Grasser rückblickend. Für ihn gab es auch einen zweiten Grund zur Freude. Von den Ergebnissen der kooperativen Forschung der Kärntner war die Jury besonders angetan. Das für die Jahre 2012 bis 2014 beantragte, um ein Drittel höhere Projektvolumen – immerhin 14 Millionen Euro – wurde deshalb in vollem Ausmaß genehmigt. Ein Ritterschlag, der Grasser zu weiteren guten Taten anspornt: „Wir wollen auch in Zukunft richtungsweisende Technologien erforschen und den Forschungsstandort Kärnten stärken“.
Effizientere Forschungsförderung.
In vielen Kompetenzzentren – das ergab ein INDUSTRIEMAGAZIN-Rundruf – bestehen für forschungshungrige Betriebe auch 2011 gute Chancen auf eine Teilnahme. „Wir haben noch Spielraum“, macht Betrieben auch CTR-Vorstand Simon Grasser Mut. Geforscht wird in Österreich mehr denn je. 2009 stiegen laut einer Innovationsstudie der Strategieberatung Booz & Company die F&E-Ausgaben in Österreich entgegen dem globalen Trend um 0,6 Prozent. Zahlen der Forschungsförderungsgesellschaft FFG zeigen, dass die heimischen F&E-Abteilungen auch 2010 nicht in der Hängematte lagen: Erstmals seit ihrer Gründung 2004 hat die FFG bei Förderungen für die Wirtschaft die 400-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrochen. „In der Krise zogen sich die Betriebe nicht aus der Forschung zurück“, freute sich FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth über den Auszahlungsrekord.
Mit der nun beschlossenen „Strategie für Forschung, Technologie und Innovation“ will Österreich ein Innovationsführer in Europa werden. Die Forschungsquote soll hinauf – von derzeit 2,76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,76 Prozent im Jahr 2020. „Niederschwellige“ Instrumente sollen mehr Betriebe zum forschen motivieren. Zuletzt konnte die Forschungsbasis in der Wirtschaft schon „verbreitert werden“, heißt es bei der FFG. Jeder dritte Projektantragsteller „war Neukunde“, so Henrietta Egerth.
KMU-Paket mit vier Säulen.
Laut Schätzungen sind hierzulande kontinuierlich 3.500 KMU in Forschung und Entwicklung aktiv. Im Vorjahr nahmen mehr als 1.600 Kleinbetriebe an FFG-Projekten teil – 131 Millionen Euro wurden in Summe dafür ausgeschüttet. Auch in den Basisprogrammen bilden KMU die Mehrheit – sie stellen 83 Prozent aller einreichenden Unternehmen. Im neuen KMU-Paket (siehe Kasten) sind nun vier aufeinander abgestimmte Förderangebote gebündelt. Der Innovationsscheck ist ein mittlerweile gut eingeführtes Instrument. Seit 2007 wurden über 3.700 dieser Schecks ausgestellt. Für 2011 stellen die Ministerien weitere fünf Millionen Euro zur Verfügung.
KMU werden dabei – je nach Bedarf – Leistungen bis zu einer Höhe von 5.000 Euro refundiert. Wegen der großen Nachfrage wurde das Programm bis 31. Dezember 2011 verlängert. Förderbar sind unter anderem Ideenstudien und vorbereitende Arbeiten für Innovationsprojekte. Die Feldkircher Medizintechnikfirma Ami ließ bei V-Research etwa die Einsatzmöglichkeiten der Oberflächenanalytik für medizintechnische Produkte untersuchen. „Wir konnten so auch die Lieferantenqualität optimieren“, sagt Ami-Entwicklungsingenieur Mathias Wirbel.
Mehr Geld für Machbarkeitsstudien.
Als „sehr positiv“ beurteilt Profactor-Leiterin Andrea Möslinger die Neuerungen bei den KMU-Machbarkeitsstudien. Die Förderobergrenze wurde hier im Zuge des KMU-Pakets auf 30.000 Euro angehoben – vorher lag sie bei 10.000 Euro. „Jetzt können Marktrecherchen mit einer Sorge weniger in Auftrag gegeben werden“, sagt Möslinger.
Erforderlich ist nur eine Idee, die untersuchenswert erscheint – und ein Angebot eines externen Studienerstellers mit der nötigen fachlichen Kompetenz. Laut FFG werden die Anträge „mit Priorität“ behandelt.
Bessere Projektstarts.
Von der dritten Säule des KMU-Pakets – dem neuen Programm „Projektstart“ – berichtet Profactor-Managerin Möslinger ebenfalls nur gutes. Erstmals wird die vorbereitende Arbeit für ein konkretes Forschungsprojekt unterstützt. „Für viele Betriebe ist dieser Schritt mit Sorge verbunden“, weiß Möslinger aus der Praxis. Oft fehlen die Ressourcen im Betrieb, ein Projekt in Angriff zu nehmen. „Wie soll ein kleiner Lohnfertiger selber einen FFG-Antrag schreiben?“, fragt Johann Jäger, Chef der auf KMU-Forschung spezialisierten ACR, rhetorisch. Nun werden interne Vorbereitungskosten und externe Aufwände für eine fachliche, projektspezifische Unterstützung bis zu einer Höhe von 3.000 Euro gefördert (maximal 50 Prozent der Gesamtkosten).
Bleibt die vierte Säule des KMU-Pakets – der Forschungscoach. Reichen kleine Betriebe bis zu 50 Mitarbeiter und maximal zehn Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme ein Projekt im Basisprogramm der FFG ein, werden erstmals auch externe Kosten für die Projektmanagementunterstützung „bis zu 6.000 Euro pro Jahr gefördert“, heißt es bei der FFG.
Forschungsprämie Neu.
Unterdessen weggefallen für forschende Betriebe sind die Freibeträge in Höhe von 25 Prozent der Aufwendungen. Mit der Anhebung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent sieht Josef Schachner-Nedherer, stellvertretender Chef der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich, aber eine seit langem artikulierte Forderung erfüllt. Die Steuergutschriften können allerdings nur für Aufwendungen in Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Wirtschaftsjahr geltend gemacht werden. „Wir fordern weiterhin die Anhebung der Höchstgrenze auf fünf Millionen Euro“, so Schachner-Nedherer.
Innovationsoffensive der Länder.
Offensivgeist bei der Verbreiterung der F&E-Förderschienen zeigen auch die Länder. In Tirol etwa wurde das KMU-Initiativprogramm von Clusterbetrieben auf „sämtliche Unternehmen ausgeweitet“, erzählt Harald Gohm, Chef der Standortagentur Tirol. Betriebe werden dabei speziell in der Frühphase innovativer Projekte unterstützt – durch Zuschüsse von maximal 5.000 Euro pro Projekt (bis zu 75 Prozent der Gesamtaufwendung) für Personalkosten, externe Dienstleistungen, Reisekosten oder sonstige Projektkosten. Um die F&E-Quote im Burgenland von derzeit 0,6 Prozent bis 2020 zu verdoppeln, „stellen wir Betriebe einen Innovationsberater zur Seite“, berichtet unterdessen WIBAG-Vorstand Peter Schmitl. Mit viel Schwung forschen heuer – last but not least – auch die Kärntner weiter. Nach der positiven Evaluierung startete die CTR im März ein im Programm „Neue Energien 2020“ gefördertes Projekt zum Thema neuartige Photovoltaik-Messmethoden auf Terahertzbasis. Berührungsängste geben wird es auch hier nicht.











