25.06.2012 05:39

Holz

Holzindustrie: Stiller Umbruch

Knappe Rohstoffe, neue Technologien und Billigkonkurrenz aus Osteuropa: Die Holzindustrie steht vor enormen Herausforderungen. Eine Bestandsaufnahme.

Hans Michael Offner Holz Holzindustrie
© Helene Waldner

Holzindustrieller Hans Michael Offner: Mit Vorwärtsintegration und Diversifikation in die Zukunft.

Betritt man die kleine Bürohütte der Firma Heinrich Tretter am Rand von Mistelbach in Niederösterreich, muss man zuerst einmal dem Spielzeug ausweichen, das vereinzelt auf dem Boden liegt. In dem fast behaglich eingerichteten Raum stehen drei Schreibtische samt Bürogeräten. Eingezwängt in der Mitte befindet sich eine Gehschule.

„Manchmal arbeitet meine Tochter hier und bringt den 15 Monate alten Enkel mit“, erklärt Heinrich Libal. Vor dem Haus stehen Reihen gestapelten Schnittholzes. „Und da draußen bauen wir gerade eine hölzerne Gehschule für den Kleinen.“ Das grau melierte Haar trägt der Mitfünfziger zu einem Rossschwanz zusammengebunden. Libal unterbricht das Gespräch. Ein Anruf. Eine kurze Preisverhandlung beginnt. „Der Preis muss sich auf 17 Euro einpendeln“, spricht Libal ins Telefon.

Das Telefonat ist nach einigen Minuten beendet. Die Botschaft offenbar angekommen. Jedes Quartal werden die Preise für Energieholz verhandelt. Dazu gehören so feine Holzsachen wie Hackgut, Faserholz, Späne und Waldhackgut. Seit rund einem halben Jahr sei die Nachfrage gering, das Angebot hoch, erklärt Libal. Denn die Auslastung der Papier- und Plattenindustrie sei schlecht, die Heizsaison vorbei. Er sei nicht bereit, mehr als 17 Euro pro Schüttraummeter zu zahlen.

Strukturwandel

„Ich bin 40 Jahre im Geschäft“, erzählt der Seniorchef, der den Familienbetrieb in der sechsten Generation führt. „Der Preis ist immer gestiegen und gefallen. Seit einigen Jahren bewegt er sich aber massiv hinauf.“ Der Energieholzindex, den es seit 1972 gibt, sei bis 2002 um ein Prozent gestiegen. Seither aber habe sich der Preis um 59 Prozent nach oben bewegt. Rundholz habe im Preis ähnlich angezogen; seit 2007/2008 um rund 40 Prozent, erzählt der Unternehmer aus seinem Alltag. Holz werde einfach knapper.

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