07.08.2012 15:55
Industriekonjunktur
D: Industrie mit Auftrags-Minus
Nicht nur die Nachfrage aus den Euro-Ländern schwächelt, sondern auch die globale Konjunkturabkühlung bremst wichtige Absatzmärkte.
Konjunkturflaute und Schuldenkrise haben der deutschen Industrie das größte Auftragsminus seit November eingebrockt. Die Firmen sammelten im Juni 1,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet. Auch wenn die Aufträge im Frühjahr rund 0,6 Prozent über dem Vorquartal lagen, dürfte die gesamte Wirtschaft im zweiten Quartal kaum noch gewachsen sein. Andere Konjunkturbarometer wie das Ifo-Geschäftsklima deuten sogar auf noch düstere Zeiten hin. "Es muss befürchtet werden, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal schrumpft", sagte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf.
Globale Abkühlung
Die exportorientierte Industrie kämpft zunehmend mit der Flaute. Denn nicht nur die Nachfrage aus den Euro-Ländern schwächelt, sondern auch die globale Konjunkturabkühlung bremst wichtige Absatzmärkte. Dies spürt etwa der Chemiekonzern Lanxess: "Die Verunsicherung gerade in der von der Schuldenkrise beeinflussten Eurozone wirkt sich negativ auf das Bestellverhalten aus", sagte Konzernchef Axel Heitmann. Jüngst hatte auch Siemens-Chef Peter Löscher nach einem Auftragseinbruch Investoren und Belegschaft auf härtere Zeiten eingestimmt. Experten gehen davon aus, dass die gesamte deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal nur um 0,2 Prozent gewachsen ist, nach dem kräftigen Plus von 0,5 Prozent zu Jahresanfang.
Stahl und Chemie mit stärkstem Minus
Die Inlandsnachfrage der Industriebetriebe ging im Juni um 2,1 Prozent zurück, die Auslandsaufträge sanken um 1,5 Prozent. Das Geschäft mit der Euro-Zone schrumpfte im Juni um knapp fünf Prozent, nach einem kräftigen Plus im Mai von fast acht Prozent. Der Auftragseingang tritt nach Ansicht des Ministeriums derzeit auf der Stelle: "Die Bestellungen in der Industrie weisen derzeit keinen eindeutigen Trend auf." Am stärksten fiel das Auftragsminus im Juni bei den Produzenten von Vorleistungsgütern wie Stahl oder Chemie mit 3,2 Prozent aus. Maschinenbauer und Hersteller von anderen Investitionsgütern verbuchten ein Minus von 1,0 Prozent. Das Neugeschäft bei Produzenten von Konsumgütern fiel nur leicht um 0,1 Prozent.
Noch stärker als Deutschland ächzen Spanien und Italien unter der Schuldenkrise. Beide Länder rutschten im zweiten Quartal noch tiefer in die Rezession. In Italien schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt bereits zum vierten Mal in Folge und mit 0,7 Prozent stärker als erwartet. (APA)
























