11.06.2012 11:49
Interview
LogServ: "Saubere Trennung"
LogServ-Chef Christian Janecek über die Entlassung der CargoServ in die Eigenständigkeit und den Lobbyingbedarf für die heimischen Anschlussbahnen.
INDUSTRIEMAGAZIN: Die CargoServ ist seit April eine 100-Prozent-Tochter der LogServ und als eigenständiges Unternehmen tätig. Warum haben Sie diesen Schritt getan?
Christian Janecek: CargoServ wurde gleichzeitig mit LogServ im Jahr 2001 gegründet. Die CargoServ war bisher selbst nicht mit Personal aktiv, über sie erfolgte nur die Abrechnung. Für Personal und Abwicklung war die LogServ zuständig. Für die Überführung in die CargoServ gab es rechtliche und betriebswirtschaftliche Gründe. Einerseits wollten wir die Betriebsführung von Anschlussbahnen – speziell hier am Standort Linz für die voestalpine – und andererseits das Fahren auf freier Strecke – sprich: die EVU-Verkehre – sauber voneinander trennen. In beiden Bereichen kommen unterschiedliche Richtlinien und Regeln zur Anwendung. Wenn Sie beide Bereiche in einem Unternehmen vereinen, sind die gewissermaßen stärkeren Regeln – also die Regelungen des Eisenbahnverkehrsunternehmens – auch auf den Bereich Anschlussbahnen anzuwenden. Hier geht es etwa um die Ausbildung der Lokführer oder um die Zulassungsbedingungen.
Und der betriebswirtschaftliche Unterschied?
Janecek: Der zweite Hintergrund war, dass wir für die Mitarbeiter, die in der CargoServ zum Einsatz kommen, auch den entsprechenden Kollektivvertrag anwenden wollten. Wir wollen den Leuten hier ganz bestimmt nicht Geld wegnehmen. Aber unsere Mitarbeiter, die nach dem Stahl-KV bezahlt werden, haben normalerweise ja einen fixen Arbeitsplatz und sind nur in Ausnahmefällen auf Dienstreise. Wenn der Arbeitsplatz aber die Lok ist, so ist das schon etwas befremdlich: In seinem Arbeitsplatz kann man schließlich nicht auf Dienstreise sein, und das wollten wir einfach richtigstellen.
LogServ ist seit einiger Zeit im noch jungen Verband für Anschlussbahnunternehmen aktiv. Worum geht es Ihnen da?
Janecek: Zielsetzung des VABU ist eine gemeinsame Interessenvertretung aller Anschlussbahnen gegenüber dem Gesetzgeber, den Behörden, aber auch gegenüber den EVUs. Unser Prokurist Markus Schinko ist da sehr aktiv und auch Präsident des Vereins. Es gilt in diesem Bereich viele Einzelheiten zu klären: Wenn Sie etwa eine Anschlussbahn mit einer freien Strecke verknüpfen, gibt es eine „Anschlussweiche“, und die Frage, wer für diese zuständig ist, ist ja nicht irrelevant. Wir haben in den vergangenen Monaten miterlebt, dass die Rail Cargo unter wirtschaftlichem Druck auch im Bereich der Anschlussbahnen Optimierungen erwägt.
Anschlussbahnen bedürfen also stärkeren Lobbyings?
Janecek: Genau so ist es, ja. Das betrifft vielleicht nicht so sehr die voestalpine. Aber ein kleines Sägewerk mit einem Anschlussgleis für drei Waggons braucht eine gute Vertretung. Kleinere Betriebe sagen immer häufiger: Es ist schwierig mit den Behörden, man braucht einen Anschlussbahnbetreiber und einen qualifizierten Vertreter gegenüber der Behörde – tu ich mir das alles noch an, oder lege ich das Gleis einfach still und transportiere auf der Straße? Das ist in den vergangenen Jahren immer wieder passiert, und dass die Straße auf dem untersten Preisniveau grundelt, lässt für viele eine Verlagerung attraktiv erscheinen. Das läuft aber natürlich allen politischen und ökologischen Intentionen zuwider. Gegen diese Macht des Faktischen braucht es tatsächlich Lobbying. Die LogServ kann solche Überlegungen logischerweise nicht anstellen – wir können nicht 13 Millionen Tonnen Rohstoffe auf der Straße befördern.
Ändert dieses Engagement etwas an Ihrem Verhältnis zu den ÖBB?
Janecek: Aber nein, die ÖBB sind ja genauso daran interessiert, dass das System funktioniert. Anschlussbahnen sind die Voraussetzung für Umsatz auf der Bahn. Natürlich gibt es auch Berechnungen der ÖBB, wonach sich gewisse kleine und kleinste Anschlussbahnen betriebswirtschaftlich nicht rechnen. Dass dann jemand auf die Idee kommt, hier müsse man irgendwann die Preise erhöhen, ist ja auch verständlich. Wenn Verkehre unter Wasser stehen, muss man auf ein betriebswirtschaftliches Kalkulationsniveau hochgehen.
Interview: Bernhard Fragner
Zur Person
Der studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschafter Christian Janecek leitet das Unternehmen seit 2001. Janecek war zuvor Marketingleiter der Internorm-Fenster AG, Marketingleiter und Leiter des Geschäftsfeldes Dämmprodukte der Funder Industrie Ges.m.b.H. sowie, von 1997 bis 2001, Projektleiter Cluster Bau, Vertriebscontrolling und Leiter Geschäftsfeld Logistik Service der voestalpine Stahl Linz GmbH.
Zum Unternehmen
Die Logistik Service GmbH (LogServ) wurde 2001 als Tochter der voestalpine Stahl GmbH gegründet. Das Unternehmen bietet Kontraktlogistik, Zolldienstleistungen, Speditionslogistik, Fuhrparkmanagement, Werkstättendienste und interne Logistik. LogServ kooperiert sowohl mit Industriebetrieben als auch mit Werks- und Anschlussbahnen, privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen und Privatgüterwagenvermietern.
























