06.04.2010 09:12

Klaus Woltron

Ein Tag im Leben der Frau Mag. Ehrlich

Schon in fünf Jahren könnten Elektrofahrzeuge so alltäglich sein wie heutige Autos. Ein Blick in eine nahe Zukunft.

Klaus Woltron
© Industriemagazin

Klaus Woltron: „Je nach Tarifmodell holt sich das E-Werk am Tag wieder die Energie aus dem Akku zurück und bezahlt dafür auch einen höheren Preis.“

Die letzten fünf Jahre waren nicht leicht. Erst die hohe Inflation, die ab 2011 drei Jahre lang andauerte. Dann der große Wirbel mit dem Iran, der trotz stagnierender Wirtschaft die Ölpreise wieder über 100 Dollar pro Barrel hinauftrieb. Seit Mitte 2014 ist wieder etwas Ruhe eingekehrt. Deshalb, und auch weil es mittlerweile ein großes Angebot an pfiffigen Modellen gibt, hat sich Frau Mag. Ehrlich im Mai 2016 ein Elektroauto angeschafft. Frau Ehrlich, 28 Jahr alt, Mutter zweier Kinder, ist Steuerberaterin. Sie wohnt in Schwechat bei Wien, ihre Kanzlei befindet sich im ersten Wiener Gemeindebezirk, etwa 20 Straßenkilometer von ihrer Wohnung entfernt.

Nach dem Frühstück werden die Kinder zusammengepackt und ins Elektroauto verfrachtet. Es ist eine fünfsitzige Limousine, ähnlich einem VW Golf, die man per Leasing angeschafft hat. Die Batterie – ein Lithium-Ionen - Akku neuester Bauart – hat das E- Werk zur Verfügung gestellt. Man bezahlt pro Monat einen Fixbetrag für die Anschaffung, nach vier Jahren nimmt das E- Werk den nunmehr schon etwas behäbigen Akku wieder zurück. Er wird im Ausgedinge, zusammen mit ´zig tausenden anderen Batterien, zur Speicherung von Windstrom verwendet, was er durchaus noch einige Jahre lang schaffen wird.

Frau Ehrlich hat sich, nach eingehender Beratung mit ihrem technisch versierten Mann, für das ihr passend erscheinende Tarifmodell des E-Werkes entschieden. Sie kann ihr Fahrzeug sowohl in der eigenen Garage als auch in der Tiefgarage ihres Bürohauses oder an einer Stromtankstelle „betanken“. Das geschieht vorzugsweise bei Nacht und meistens in der privaten Garage. Ihr Haushalt ist mit einem Smart Metering–Zähler des E-Werks ausgerüstet. Er misst die entnommenen Energiemengen, den Zeitpunkt des „Tankens“, insbesondere aber auch die von der Familie Ehrlich ins Netz zurückgespeiste Energiemenge (aus der Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach und – im Falle der Nicht-Nutzung – auch aus der Batterie des Elektroautos). Je nach Entnahme– und Rückspeisungszeitpunkt werden unterschiedliche Stromtarife verrechnet, sodass die Familie auch einen Überschuss aus ihrer „Energiewirtschaft“ erzielen kann.


Die Kinder sind am Rücksitz verstaut.  Frau Ehrlich zieht den Stecker vom „Tank“ ab und lässt den Deckel zuschnappen. Nach Umdrehen des Startschlüssels meldet der Bildschirm 100 Prozent Ladezustand und eine Reichweite von 220 Kilometern. Der Kontostand beträgt ein Guthaben von 20 Euro.
Schnurrend gleitet das Fahrzeug aus der Garage, nach dem Zwischenstopp im Kindergarten fährt man etwa 30 Minuten bis zur Tiefgarage im Bürohaus. Das geht schneller als mit dem Benziner, denn man darf die Busspur benutzen. In der Tiefgarage hängt der für Fr. Ehrlich reservierte Ladestecker aus der Wand.  Sie verbindet ihr Fahrzeug mit der Energienabelschnur und beginnt ihr Tagewerk.
Um 10.00 Uhr betätigt das E- Werk per GSM - Funk einen Schalter an der Batterie des geparkten Fahrzeugs und holt sich über einen Zeitraum von drei Stunden etwa die Hälfte der über Nacht gespeicherten Energie wieder zurück. Das ist möglich, weil der Anschluss in der Tiefgarage ebenfalls mit Smart Metering  ausgestattet ist. Da der Preis elektrischer Energie tagsüber bis zu zehnmal höher ist als jener zur Nachtzeit, kann man mit einem schönen Gewinn rechnen, den das E–Werk teilweise seinen Kunden gutschreiben wird. Dasselbe kann auch geschehen, wenn das Fahrzeug, etwa am Wochenende, in der Garage steht und nicht benutzt wird. Wenn Frau Fröhlich um drei Uhr nachmittags das App auf ihrem Smartphone aufruft, welches den Zustand des Fahrzeugs meldet, findet sie folgende Informationen: Der Ladezustand beträgt 40 Prozent, die Reichweite 90 Kilometer und am Konto sind 22 Euro.

In der Regel erfolgt die Energieabsaugung durch das E-Werk  unbemerkt zu einem vorher programmierten Zeitpunkt und vollautomatisch. Hat man im einen oder anderen Falle nicht die Möglichkeit, dies zuzulassen, kann man die Fehlmenge an einem anderen Tage nachliefern; stimmt die Monatsbilanz dennoch nicht, wird man mit einem geringen Pönalebetrag belastet. Gesteuert wird dies entweder über den Touch – Screen im Fahrzeug oder einfach durch nicht - Ankoppeln an einen Smart-Metering-Ladepunkt.

Hin und wieder erhält Frau Fröhlich eine SMS: „Sie haben vergessen, Ihre Batterie zu laden“ oder: „Ihr Auto steht in sehr starker Hitze“ . Derart automatisierte Informationen dienen dazu, die Batterien optimal zu pflegen und sichern so den Besitzstand des E- Werks. Zu Ende jeden Monats wird per Telebuchung abgerechnet. Das E – Werk sendet sodann eine elektronische Quittung, aus der Fr. Fröhlich diesmal ersehn kann, dass ihre Energiekosten nicht negativ, sondern positiv zu Buche geschlagen haben.

Man hat ja schließlich nicht vergebens Betriebswirtschaft studiert – und einen Ingenieur zum Mann.

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