26.07.2012 13:04

Konjunktur

Siemens kündigt Einschnitte an

Siemens-Chef Löscher will vor allem Marktanteile hinzugewinnen.

Der aus Österreich stammende Siemens-Chef Peter Löscher macht seine Belegschaft angesichts der schlechten Auftragslage auf Einschnitte gefasst. "Unsere Strategie für profitables Wachstum Richtung 100 Milliarden Euro steht", sagte der Manager aus dem Kärntner Villach am Donnerstag. "In der Umsetzung unterlegen wir sie mit einem Programm, das den Fokus auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozesse legt."

Die Schritte würden auf dem Treffen der globalen Führungskräfte erläutert, die sich traditionell im Oktober versammeln.


Marktanteile gewinnen

Wie Siemens die Umsatzschwelle von 100 Milliarden Euro in absehbarer Zeit ohne größere Zukäufe erreichen will, ist Experten ein Rätsel. Zuletzt erlösten die Münchner im Jahr knapp 74 Milliarden Euro, im kommenden Jahr gibt Siemens den Plänen zufolge die Tochter Osram an seine Aktionäre ab und schmälert damit seinen Umsatz um rund 5 Milliarden Euro. Löscher kündigte an, Marktanteile gewinnen zu wollen. Zuletzt waren die großen Rivalen GE, ABB, Rockwell, Philips und Schneider schneller gewachsen als Siemens.

Die Abkühlung der Weltwirtschaft hat Siemens unerwartet hart getroffen. Der Auftragseingang von Europas größtem Elektrokonzern fiel im abgelaufenen dritten Quartal um 23 Prozent, der Gewinn blieb mit 850 Millionen Euro weit unter den Erwartungen, und der zum Jahresende geplante Osram-Börsengang wurde abgeblasen. Vorstandschef Peter Löscher sagte, es werde schwieriger, das bereits im April gesenkte Gewinnziel von 5,2 Milliarden Euro für dieses Jahr noch zu erreichen, und kündigte ein Sparprogramm an. Ob das auch Stellenabbau heißt, blieb zunächst offen.

Abkühlung in Sicht


In allen Sektoren "arbeiten wir gezielt an Kostensenkungen", sagte Löscher am Donnerstag in München. Siemens erwarte keine Erholung, sondern eine weitere Abkühlung der Weltwirtschaft. Deshalb lasse er jetzt ein Programm ausarbeiten, "das den Fokus auf die Verbesserung von Kosten, Produktivität, Effizienz und Prozessen legt", sagte Löscher. Siemens werde "aus dieser Krise schlanker, schneller und agiler" herauskommen. Heute beschäftigt Siemens in Deutschland rund 119.000 Mitarbeiter - 3.000 mehr als vor einem Jahr.

Den von 2011 bereits auf das Jahr 2012 verschobenen Plan für einen Börsengang von Osram gab Siemens jetzt auf. Löscher verwies auf die schwachen Börsen. Stattdessen will Siemens die Osram-Aktien nächstes Jahr als Teil der Dividende an die Siemens-Aktionäre ausgeben.

Investitionszurückhaltung

Vor allem in den beiden wichtigsten Geschäftsfeldern Energie und Industrie läuft es bei Siemens schlechter. "Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung bei unseren Kunden und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind", sagte Löscher und warnte: "Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen." Erst im April hatte er das Gewinnziel von 6,0 auf 5,2 Milliarden Euro gesenkt.

Die Industrie bestellte weniger Industriemotoren und Automatisierungstechnik, und die Stromversorger orderten deutlich weniger Gaskraftwerke, Windparks und Stromnetze. Der Auftragseingang brach um 23 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro ein. Nicht nur in Europa, "auch global wird das Terrain schwieriger", sagte Löscher. In Brasilien sinke die Produktion, und in China erwarte er erst im nächsten Jahr wieder bessere Wachstumszahlen.

Auftragspolster sicherte Umsatz

Dank eines noch dicken Auftragspolsters steigerte Siemens seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal zwar um zehn Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Aber der Gewinn lag mit 850 Millionen Euro deutlich unter den Erwartungen. Er wurde durch Abschreibungen von 443 Millionen Euro bei Osram belastet, die die Lichttochter in die roten Zahlen rutschen ließen. Im Vorjahresquartal hatte Siemens trotz einer Belastung von 1,1 Milliarden Euro durch den Ausstieg aus der Atomkraft-Partnerschaft mit Areva und in der Medizintechnik noch 501 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Wichtigste Säule von Siemens ist der Energiesektor. Mit dem Bau von Gaskraftwerken, Stromnetzen und Windrädern erwirtschaftete das Unternehmen ein Ergebnis von 683 Millionen Euro, nachdem der Sektor im Vorjahresquartal wegen der Areva-Strafzahlung noch rote Zahlen geschrieben hatte. Im Industriegeschäft fiel das Ergebnis von 708 auf 523 Millionen Euro.

Siemens hält an dem Ziel fest, den Umsatz in dem im September endenden Geschäftsjahr moderat zu steigern. Der Auftragseingang soll aber nicht mehr darüber liegen. (APA/dpa/Reuters)

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