11.12.2009 18:03
Konjunktur
Wie wird 2010?
Überraschend pessimistisch schätzen Industrievorstände die Konjunkturaussichten für 2010 ein. Im INDUSTRIEMAGAZIN-Konjunkturpanel: Johann Marihart (Agrana AG), Hanno Baestlein (Constantia AG) und Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung.
Industriemagazin: Derzeit herrscht Optimismus, was die Aussichten für das kommende Jahr betrifft. Die Eurozone soll, so die Statistiker, um 0,7 Prozent wachsen, Österreich sogar um 1,1 Prozent.Teilen Sie diesen Optimismus?
Hanno Baestlein: Die Projektionen zum Wirtschaftswachstum waren in den vergangenen Monaten nicht gerade akkurat. Hat man den Abschwung noch im Herbst vergangenen Jahres unterschätzt, so waren die Vorhersagen vom Frühjahr offenbar zu vorsichtig. Ich teile die Euphorie, die derzeit herrscht, nicht. Wenn sich das Jahr 2010 gesamtwirtschaftlich so darstellt wie 2009 können wir m. E. zufrieden sein. Problematisch werden auch die in der Krise von den Regierungen richtigerweise zur Verfügung gestellte Liquidität und die damit verbundenen steigenden Staatsverschuldungen.
Johann Marihart: Ich glaube, wir können uns alle darauf einigen, dass wir im Sommer den konjunkturellen Talboden erreicht haben. Die Frage ist, wie flach oder steil wir in den kommenden Monaten wachsen werden. Wir werden im kommenden Jahr jedenfalls einen erheblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit sehen – wenn auch möglicherweise einen weniger dramatischen, als noch im Frühjahr befürchtet.
Veit Sorger: Was mir für kommendes Jahr Sorgen macht, ist, dass selbst die optimistischen Prognosen von über einem Prozent Wachstum eigentlich eine schlechte Nachricht sind. Nach einem Rückgang von fast fünf Prozent sind – gehen wir davon aus, dass es eintritt – 1,1 Prozent Wachstum viel zu gering. Bei solch einem Plus würden wir bis tief ins nächste Jahrzehnt brauchen, um wieder dort anzuschließen, wo wir uns Mitte 2008 befunden haben. Und ein Wachstum von rund einem Prozent bedeutet natürlich auch, dass keine neuen Jobs geschaffen werden – dazu braucht es zumindest zwei Prozent.
























