21.05.2012 06:16

Konkurrenzbeobachtung

Produktanalyse: Feind baut mit

Volatile Lieferketten, steigender Wettbewerbsdruck: Da kommen neue Strategien zur Konkurrenzbeobachtung gerade recht. Auf Kundenwunsch zerlegen Berater Produkte von Lieferanten und Konkurrenten. Doch es geht auch ohne fremde Hilfe.

Volker Drost Kerkhoff
© Helene Waldner

Volker Drost, Kerkhoff Cost Engineering, analysiert die Kostentreiber eines Pneumatikzylinders: "Genaues Wissen führt in eine deutlich bessere Verhandlungsposition."

Volker Drost, 52, ist ein grundsympathischer Mann. Und er ist der Mann mit dem Schraubenzieher. Sein Chef nennt ihn deshalb flachsend „Doktor Drost“. Drost ist Fertigungsspezialist beim Beratungsunternehmen Kerkhoff Cost Engineering – auch in der Wiener City haben die Düsseldorfer eine Niederlassung. Heute macht Drost auf Show – für INDUSTRIEMAGAZIN zerlegt er einen faustgroßen handelsüblichen Pneumatikzylinder (Listenpreis in Österreich: rund 80 Euro).

Ob Toaster oder Pneumatikzylinder: Die Deutschen zerlegen Artikel in Einzelteile und analysieren sie. Um Lieferanten mit überteuerten Produkten „nicht schutzlos ausgeliefert zu sein“, sagt Drost. Aber auch ein Mitbewerber, der wissen will, zu welchen Konditionen die Konkurrenz Pneumatikzylinder produziert, könnte Auftraggeber der Analyse sein.

Drost legt los. Zuallererst entfernt er die vier Zuganker des Zylinders. Bald liegen Aluminiumgehäuse, Dichtungen und Schrauben vor ihm – jetzt wird es spannend. Penibel vermisst der Kerkhoff-Mann die Teile und beginnt zu rechnen: Lohnkosten, Materialkosten, Fertigungskosten – die Kostenstruktur jedes noch so kleinen Teils interessiert ihn.

Die Optik des Zylinder-Endstücks sei tadellos, meint er dann. „Die Aludruckgussteile wurden ziemlich sicher in einem Zweikammerwerkzeug hergestellt – sehr effizient“, findet er. Auch das Alurohr ist mit zweieinhalb Millimeter Stärke „Massenware, die dem Hersteller günstig kommt“, lobt der Experte. Dichtungsringe? Sind ebenso handelsübliche Ware – um Mengenvorteile zu generieren, „wurde sogar auf einheitliche Dimensionen geachtet“, staunt Drost. Die Kalkulation, die in der unternehmenseigenen Software erfolgt, gibt dem Mann Recht: Nur 15,591 Euro würde die Herstellung des Pneumatikzylinders laut Drost in Oberösterreich kosten – damit macht der Hersteller einen schönen Schnitt. Für die Konkurrenz eine brisante Information: „Sie kann das Fremdprodukt kostenmäßig gezielt bekämpfen“, heißt es bei Kerkhoff.

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