31.03.2010 10:54
Logistik
Speditionskartell: Wie geheim war die "SSK" wirklich?
Die Bundeswettbewerbsbehörde hat ein Kartell in der Speditionsbranche aufgedeckt. Das als Spediteurs-Sammelladung-Konferenz (SSK) agierende Gremium soll über Jahre Preise und Kunden vereinbart haben. Doch wie geheim war die SSK wirklich? Die offiziellen Preistabellen befanden sich zu tausenden im Umlauf – und ihre Erstellung wurde vom WU-Institut für Transportwirtschaft und Logistik unterstützt.
Ein kleiner Lieferwagen war notwendig, um die ganzen Unterlagen überhaupt transportieren zu können. Über 30.000 Seiten hat die Bundeswettbewerbsbehörde in den vergangenen zwei Jahren mit Hilfe eines Kronzeugen zusammengetragen. Am 18. Februar 2010 wurden die mit Preislisten, Sitzungsprotokollen und Kundenprofilen gefüllten Kartons dann in den Laster gepackt. Das Ziel der Fuhre: der Schmerlingplatz 16 im ersten Wiener Gemeindebezirk, dort hat das Kartellgericht seinen Sitz. Ihm soll das umfangreiche Material als Beweis dienen, dass die Speditionsbranche jahrelang hinter verschlossenen Türen Preise und Kunden abgesprochen hat. „Wir haben beim Kartellgericht Anträge gegen 42 Unternehmen eingebracht“, sagt Stefan Keznickl, Sprecher der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Die Absprachen legten ein „Hardcore-Kartell“ nahe. „Dauer , Teilnehmerzahl und ein besonders hoher Organisationsgrad auf derselben Stufe der Produktions- und Vertriebskette", so die BWB, verursachten einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden, der „noch nicht quantifizierbar“ ist.
Doch wie ging das große Mauscheln und Packeln vor sich, an dem sich praktisch alle Spediteure mit Rang und Namen beteiligten?
Gründerzeit.
Wer die aktuellen Ereignisse nachvollziehen will, muss mehr als sechzig Jahre zurückschauen. Damals, einige Jahre nach Kriegsende, organisierten sich erstmals Stückgut-Spediteure innerhalb des Zentralverbandes Spedition & Logistik. Sie gaben sich – entsprechend ihrer Spezialisierung - den sperrigen Namen „Spediteurs-Sammelladung-Konferenz“ und meldeten sich bei Gericht als Kartell an. Dieser Zusammenschluss bestand bis zum EU-Beitritt Österreichs, also mehr als 40 Jahre. Danach änderte sich die Rechtslage – und fortan waren Kartelle auch hierzulande verboten. Eine Ausnahme bildeten Bagatellkartelle. Dabei handelt es sich um Zusammenschlüsse, bei denen die Teilnehmer nur einen kleinen Anteil am regionalen oder nationalen Markt besetzen. Im Jahr 1995 erfolgte die Anmeldung der Spediteurs-Sammelladung-Konferenz als Bagatellkartell beim Kartellgericht Wien. Die aktuellste Mitgliederliste dieser SSK (Stand November 2004) finden Sie hier.
Zu den Veröffentlichungen und dem universitären Beistand der SSK geht es hier.
























