27.04.2010 14:16

Meinung

Klaus Woltron: In Sack und Asche

Den Staatsfinanzen droht der Kollaps. Wenn nicht bald mutitg reagiert wird, finden wir uns in drei Jahren in der gleichen peinsamen Lage wie Griechenland.

Klaus Woltron
© Industriemagazin

Klaus Woltron: „Ich zweifle daran, dass der Staat auch nur den Staat selbst besser führen kann als seine Betriebe.“

Der Eyafjallajökull hat dafür gesorgt, dass hunderttausende Reisende strandeten, die Airlines horrende Verluste erleiden und Fertigungsbänder zum Stillstand kamen, weil Bauteile fehlten – solche, die aus Taiwan, Korea oder den USA kamen und per Luftfracht leicht verfügbar waren. Plötzlich aber stand das ganze internationale Werkel fast still. Über die weltweite Logistikkette hatte sich die Wolke aus Island gelegt und daran erinnert, dass das gigantische Uhrwerk immer empfindlicher wird, je vernetzter es ist. Die Asche hatten wir also schon. Der Sack kommt bald. 

Vergleichbares bahnt sich auf einer ganz anderen Ebene an. Das internationale Finanzsystem ist mindestens ebenso interaktiv wie die  globale Arbeitsteilung. Auch über diesem Getriebe schwebt eine finstere Wolke – jene des Auseinanderklaffens zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen realen Werten und solchen, die vermittels Schecks, Aktien, Papiergeld, Schuldverschreibungen, Haftungserklärungen, Anleihen und Sparbüchern von irgendjemandem garantiert sind. Nun ist mir aus teilweise leidvoller Erfahrung bei der Sanierung von Pleitebetrieben und  der mühevollen Aufzucht von klapprigen StartUps bekannt, dass ab einem gewissen Verschuldungsgrad Banken und sonstige Fremdkapitalgeber unerwartet von einem brutalen Anfall heimgesucht werden: Sie ersuchen kühl um einen Beitrag des Eigentümers zur weiteren Finanzierung. Dieser, gewohnt, umsorgt und bedient zu werden, versteht die Welt und seine Betreuer bei der Bank nicht mehr und versucht, den eigenen Beutel zu retten. Jedoch, um Schillers Bürgschaft (sic!)  abzuwandeln: „Zu spät, Du rettest Dein Geld nicht mehr.....

In solcher peinsamen  Lage befinden sich gegenwärtig z.B. die Bürger Griechenlands.  Sie können nicht verstehen, dass ohne Eigenleistungen das Füllhorn nicht mehr spendet, dass niemand mehr schlechtem gutes Geld nachwerfen will. Auch die Briten und manche Südeuropäer müssen sich auf massive Eigenleistungen (3S: Sparen, Steuern, Schulden tilgen) gefasst machen, wollen sie eine Kollaps vermeiden. Wir, auf der angeblichen Insel der Seligen, werden uns in drei Jahren in der gleichen Lage finden wie jene, wenn nicht drastisch und mutig reagiert wird.

Nach diesem Exkurs setzt wieder mein persönlicher Erfahrungsschatz ein: Der österreichische Staat hat sich, gleich unter welcher Regierung,  als Eigentümer impotent erwiesen. Die allermeisten seiner Betriebe -  Banken, Verlage, Eisenbahnen, Bergwerke, Luftlinien etc. - prosperierten nur solange, bis sie von ungeschützter, vitalerer Konkurrenz auf den Verlustpfad gedrängt wurden. Der Staat zeigte sich unfähig, proaktiv auf notwendige Restrukturierungs- Maßnahmen zu reagieren. Erst als die Insolvenz drohte, reagierte man – immer zu spät, wie Erfahrung beweist. Es erhebt sich nun die bange Frage, ob der Staat als Ganzes sich nicht in einer ähnlichen Lage befindet wie seine dahingeschiedenen Firmen. Solange man Kredit bekam, wurde das Füllhorn ausgeschüttet. Die Schulden stiegen kontinuierlich  an, die Zinsbelastung ist mittlerweile höher als die Neuverschuldung: Wir leben von der nackten Substanz. Erstmals müsste den Menschen insgesamt etwas weggenommen werden, sollte das immer fragilere Gebilde der Finanzen nicht in jene Lage kommen, die viele Staatsbetriebe in den Untergang getrieben hat. Würde ein Kleinbetrieb mit einem Businessplan proportional zu dem aktuellen des Staates zur, beispielsweise, Kreditgarantiegesellschaft (KGG) kommen, würde man ihm – zu Recht – mit dem Hinweis auf eine nicht gesicherte Fortführungsprognose, nach höflicher Bewirtung mit Kaffee und Kuchen,  die Türe weisen.

Aus gemachter Erfahrung und gemäß Beobachtung des aktuellen Geschehens zweifle ich daran, dass der Staat auch „nur“ den Staat selbst besser führen kann als seine Betriebe.  Er musste es zumindest bis dato in Lagen, die wirkliche Führung erfordern, noch nie beweisen. Den Sack werden wir und unsere Nachkommen zu tragen haben. Samt der Asche. 

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