30.11.2010 23:16

Meinung

Klaus Woltron: Kovats, Pleiten und die Bienen

Der Ablauf von Pleiten ist stets derselbe. Schade, dass die Wirtschaft so wenig Anleihe nimmt an dem erfolgreichen Organisationsmodell eines Bienenstocks.

Klaus Woltron
© Industriemagazin

„Die Bienen leben mit ihren Partnern, den Blüten, ein Kunden-Lieferanten-Verhältnis par excellence.“

Wehmut ergreift mich, betrachte ich das, was aus der von meinen ehemaligen Youngsters (Rabitsch, Anzengruber, Sernetz&Co) und mir in der Blüte unserer Jugend aufgebauten Energie- und Umwelttechnik (der ehemaligen SGP) geworden ist. Wir haben sie 1988, mit einer Mitgift von einigen hundert Millionen Schilling samt entwickeltem modernem Portfolio, der VOEST überlassen (müssen). Seitdem ging’s steil bergab: Über VA zu Babcock hinunter zu Kovats in den Orkus. 

Bevor ich zu den unerreichten Vorbildern für jeden Manager – den Bienen, insbesondere jenen aus Kärnten (Apis mellifera carnica) –  komme, noch ein paar Worte zum Bauchfleck Kovats’ und kolossaleren Pleitemodellen – Griechenland, Irland et al. Ablauf und Mitspieler ähneln sich frappant:


Auf die Bühne treten ein oder mehrere „charismatische“ Selbstverwirklicher, die mit Glück und fremdem Geld marode Firmen (auch Staaten) über Wasser halten. Eine wegen leicht blendbarer JournalistInnen krass lobhudelnde Presse verhilft zu glänzendem Schein, die Anlage-getriebenen Banken ergießen ihr Füllhorn über das Kunstgebilde. Die Selbstverwirklicher lassen sich in den Olymp der Selbstüberschätzung heben, es folgt die schnelle Expansion bei gleichzeitiger Überdehnung der Management- und Finanzierungskapazität. Langsam treten erste sichtbare Verfallserscheinungen zu Tage. Sie legen den Grundstein für ein raffiniertes Lügengebäude, das mit lautem Krach irgendwann einstürzt und dabei die Fundamente der umliegenden Bauten zum Erschüttern bringt. Nun ist das Desaster gar schrecklich, die Unschuldigen werden bestraft und zu hören ist nur mehr das Triumphgeheul all jener, die es hintennach immer schon vorher gewusst haben wollen.

Von der alten VOEST über die AMAG-Pleite bis hin zu noch grauslicheren Beispielen konnte man diesen Vorgang oft beobachten. Er greift nunmehr auch auf den staatlichen Bereich über und wird dazu führen, dass die EU-Trophallaxis (imkerliche Erklärung folgt) auf große Widerstände stoßen wird. Dazu Hinweise eines Wirtschafts-treibenden und Imkers auf ein seit 20 Millionen Jahren erfolgreiches Organisationsmodell – den Bienenstock.

Bienen sorgen vor und teilen. Unabhängig von Mangel oder Überfluss im Sommer sammeln sie Vorräte (bis zu 50 kg!) für die fünfmonatige Kälteperiode – niemals gibt’s Vorgriffe auf die Zukunft. Herrscht Mangel, teilen sie die Vorräte peinlich genau auf alle Individuen auf. Sind sie aufgebraucht, darben alle gemeinsam (Trophallaxis; das aktuelle EU-Modell). 

 

... weiter auf Seite 2

 

Mehrseitiger Artikel
Klaus Woltron: Kovats, Pleiten und die Bienen
leaderboard,skyscraper,rectangle_300_250,banner_234,banner_468,widget_200_100,widget_200_200
group=16,service_id=1