06.08.2012 06:00
Motoreneffizienzrichtlinie
Asynchrontanz
Ausnahmeregeln sollen fallen, neue Antriebstypen in die umstrittene Motoreneffizienzverordnung aufgenommen werden: Bis 2015 will die EU-Kommission der Industrie noch schärfere Richtlinien für Antriebe verordnen. Bei Maschinen- und Anlagenbauern wächst die Sorge.
Gerulf Moll kann es immer noch nicht glauben. Aber sein italienischer Motorenlieferant Bonfiglioli hat es dem Chef des Stockerauer Antriebshändlers Moll-Motor schulterzuckend bestätigt: Die EU-Kommission ist drauf und dran, die Verordnung für den umweltgerechten Einsatz von Elektromotoren zu verschärfen.
Der Zeitplan dafür? Äußerst straff. Und das trifft die Branche unvorbereitet. Noch knabbert sie an der letzten Zwangsverordnung. Nur langsam wird die Industrie mit der Verordnung 640/2009, die seit 16. Juni des Vorjahrs die Inverkehrbringung von Motoren des Effizienzniveaus IE2 in der EU vorschreibt, warm. Zwar amortisieren sich Hochwirkungsgradantriebe in der Regel schnell. Aber in der Anschaffung sind sie spürbar teurer als IE1-Antriebe. Nicht wenige Maschinen- und Anlagenbauer flüchten sich deshalb in den Graubereich der Verordnung. Etwa zu Antrieben für Umgebungstemperaturen über 40 Grad, „die von der Verordnung ausgenommen sind“, weiß Moll.
Ein Schlupfloch, das die Kommission nun stopfen will – wie auch andere. Nicht mehr nur für Niederspannungs-Asynchronmotoren könnten die strengeren Effizienzklassen ab 2015 gelten. Auch asynchrone Servomotoren bis zehn Kilowatt – typische Positionierantriebe bei Werkzeugmaschinen – seien „ein Kandidat für eine schärfere EU-Reglementierung“, fand Gerulf Moll heraus. Seine Befürchtung: Dass Antriebe im Aussetzbetrieb – also Motoren mit wenigen Betriebsstunden – erstmals nicht ausgenommen seien. „Das wäre sehr töricht“, meint er.
Brüssels Gegenschlag
Seit gut einem Jahr – seit 16. Juni 2011 – dürfen in Europa nur mehr energieeffizientere, im Einkauf bis zu 30 Prozent teurere IE2-Antriebe in den Markt gebracht werden. Wieso, verstand nicht jeder auf Anhieb. Deshalb fuhren Hersteller und Verbände über Monate Aufklärungskampagnen. Mit – wie sich heute zeigt – durchwachsenem Erfolg. Energieeffizientere Antriebe werden zwar heute stärker nachgefragt. „Aber den ganz großen Durchbruch sehen wir nicht“, erzählt Klaus Bernhardt, F&E-Leiter Energie beim heimischen Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Und offenbar auch nicht der Gesetzgeber.
























