18.10.2011 14:32
Neue Signal-Übersetzung
Werkzeugmaschinen: Hundert Mal schnellere Roboteranbindung
Eine simple Übersetzungstabelle für Signale lässt Maschinenbauer aufhorchen: Sie könnte für eine hundertmal schnellere Roboteranbindung bei Werkzeugmaschinen sorgen. Einziger Schönheitsfehler: Nur deutsche Hersteller tun (bislang) mit. Von Daniel Pohselt
Die Roboterintegration ein Honigschlecken? „Nicht immer“, schallt es einem aus der Branche entgegen. Denn der Maschinenbauer pocht auf eine Blitzintegration – und natürlich auch der Produktionsbetrieb, der endlich loslegen will. Dauert die Anbindung des Roboters ein paar Stunden länger, „drückt man noch ein Auge zu“, heißt es in der Industrie. Tief in der Tinte sitzt der Integrator aber bei wochenlangen Verzögerungen. Dann hagelt es Beschwerden. Einzelfälle sind das nicht. „Jedes dritte Automationsprojekt läuft zeitlich aus dem Ruder“, meint Ulrich Götz, Gruppenleiter beim Maschinenbauer Liebherr Verzahntechnik. „Verzögerungen bei der Anbindung sind nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel“, sagt auch Andreas Schuhbauer. Dem Werkzeugmaschinenprofi von Kuka Roboter fielen ein Dutzend Beispiele ein, wo es, wie er sagt, zu „Missverständnissen“ kommt.
Denn meist sind es tatsächlich banale Verständigungsschwierigkeiten, die zur Misere führen. Schuld daran sind die Schnittstellen. Jeder Hersteller hat meist seine eigene. „Deshalb herrschen eklatante Unterschiede“, so Schuhbauer. Für Integratoren, die es heute mit einem Roboter von Kuka und morgen mit einem von Stäubli zu tun haben, steigt die Komplexität. Doch sie dürfen Hoffnung schöpfen: Dank eines 20-seitigen Schriftstücks (VDMA-Einheitsblatt 34180), das Maschinen- und Roboterbauer wie Kuka, DMG oder Chiron gemeinsam erarbeiteten, soll die Roboterintegration bald massiv einfacher sein. Von einer hundertmal schnelleren Anbindung wird gemunkelt. Die Publikation ist schmal, ihr Inhalt wuchtig: Erstmals ist man an einer „einheitlichen Sprachregelung für Signale“ dran. Schuhbauer: „Für Integratoren sei das Blatt eine „extrem praktische Übersetzungshilfe in Tabellenform“.
Interpretationsfrage.
Der wenig verhaltene Jubel bei Herstellern ist nachvollziehbar. Schon in den Anfängen kochten viele lieber ihr eigenes Süppchen, als Mitbewerbern ins Messer zu laufen. Hinzu kommt die Verschwiegenheit der Branche. „Maschinenbauer reden generell nicht miteinander, wenn es nicht sein muss“, so der Branchentenor. Deshalb hat jeder „seine eigenen Signale und Signalbelegungen ausgetüftelt“, bestätigt Schuhbauer. Und deshalb können Integratoren ordentlich ins Straucheln kommen. „Die Roboterintegration dauert manchmal zu lange“, schildert ABB Robotics Österreich-Businessunitleiter Manfred Gloser. „Integratoren müssen mit den Hausstandards der Hersteller kämpfen“, sekundiert Michael Strahlberger von der Siemens-Antriebssparte. Und da übertreibt er nicht: Bevor es zum Kunden geht, bekommen sie vom Maschinenbauer die Schnittstellenspezifikation, die für die Auslegung des Roboters entscheidend ist – meist in Form einer Excel-Tabelle. „Signal 528 heißt ‚Maschine beladen’“, ist solchen Tabellen etwa zu entnehmen. Klingt einfach, doch der Teufel steckt im Detail. Der Integrator muss den Befehl erst „richtig interpretieren“, schildert Kuka-Mann Andreas Schuhbauer.
Simulationen unzureichend.
Das gelingt freilich nicht immer – wie auch jene Maschinenhersteller feststellen mussten, die im Arbeitskreis des Verbands Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken VDW das Einheitsblatt ausarbeiteten. Zwei Entwicklungsleiter, so die Überlieferung, stritten stundenlang über das Signal „Maschine beladen“. Dann erst stellte sich heraus: Der eine spricht von „manuellen Handlingaktionen an der Maschine“, der andere von der „Beladung der Maschine mit Werkstücken“, erinnert sich Schuhbauer mit einem Lächeln. Die Hersteller tappten – wenn man so will – also in ihre eigene Falle. In der Praxis schmerzen solche Hoppalas doppelt. Zwar werden automatisierte Werkzeugmaschinen bei verminderter Geschwindigkeit sehr wohl auf Herz und Nieren durchgetestet, bevor sie beim Kunden stehen. Doch je mehr Spannstellen und Zuführungen, umso größer der Testaufwand. Da können Fehler durchschlüpfen: Dann läuft die Maschine beim Käufer zwei Wochen lang super – aber plötzlich nicht mehr. „Nicht alle Situationen sind simulierbar“, meint auch Schuhbauer.
Auch mangelnde Dokumentation ist mitunter ein Problem. Manche Hersteller ändern plötzlich ihre Spezifikationen, ohne dass es für den Integrator auf dem Papier ersichtlich ist. Signale sind bei einem Umstieg von einer Siemens 840D-Steuerung auf die 840DSL dann aber „möglicherweise anders deklariert“, sagt ein Experte.
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