24.01.2011 07:39

OMV

Insider-Prozess: Ruttenstorfer am Donnerstag vor Gericht

Kommenden Donnerstag muss sich OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Wiener Straflandesgericht wegen Verdachts auf Insider-Handel im Zusammenhang mit einem von ihm getätigten Kauf von Aktien des eigenen Unternehmens im März 2009 verantworten. Damals hat sich der börsenotierte österreichische Ölkonzern von seiner 21,2-Prozent-Beteiligung an der ungarischen MOL getrennt. Als Höchststrafe drohen bei dem Delikt fünf Jahre Haft, es ist aber auch eine Diversion möglich, ein außergerichtlicher Tatausgleich. Der Chef des börsenotierten Ölkonzerns hat die Vorwürfe stets bestritten.

OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer energie Öl erdöl
© APA

Kommenden Donnerstag muss sich OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer am Wiener Straflandesgericht wegen Verdachts auf Insider-Handel im Zusammenhang mit einem von ihm getätigten Kauf von Aktien des eigenen Unternehmens im März 2009 verantworten.

Wenige Tage vor dem Verkauf des MOL-Pakets für 1,4 Mrd. Euro an den russischen Konkurrenten Surgutneftegaz, der laut OMV sehr kurzfristig und überraschend zustande kam, hatte Ruttenstorfer OMV-Aktien für knapp 632.000 Euro erworben. Am selben Tag erschien im Nachrichtenmagazin "profil" ein Interview, das der Konzernchef in der Woche davor gegeben hatte. Darin sagte er, dass die OMV ihren MOL-Anteil bis Ende 2009 "durchaus behalten" werde. Hinter den Kulissen hatten die Russen aber schon Tage davor vorgefühlt. Und einen Tag, ehe das Interview geführt wurde, faxte die OMV am 17. März 2009 ihre Preisvorstellungen an die Investmentbank JPMorgan.

Strafantrag

Seit November 2010 liegt die Anklage gegen den OMV-Chef in Form eines Strafantrages vor. Die Höchststrafe für missbräuchliche Verwendung von Insiderinformationen liegt bei fünf Jahren Haft, es ist aber auch eine Diversion denkbar. Ein solcher außergerichtlicher Tatausgleich kann auch von einem Verdächtigen selbst beantragt werden. Möglich ist eine Diversion etwa durch die Zahlung eines Geldbetrages, wie dies - erstmals in Österreich bei einem Spitzenmanager eines börsenotierten Unternehmens - bei einem früheren Voest-Chef (Franz Struzl, Anm.) der Fall war.

Rückendeckung aus der Industrie

Nach der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft wurde OMV-Chef Ruttenstorfer in etlichen Solidaritätsbekundungen der Rücken gestärkt. Aufsichtsratschef und Noch-ÖIAG-General Peter Michaelis sowie der übrige OMV-Gesamtvorstand und auch der OMV-Betriebsratschef stellten sich im Herbst rasch hinter ihren Konzernchef, und der Aufsichtsrat bestätigte Ruttenstorfer trotz der Insider-Anklage in seiner Position als Generaldirektor. Dass Ruttenstorfers Vertrag Ende März 2011 ausläuft und ihm dann der bisherige Vize Gerhard Roiss an der Konzernspitze nachfolgt, war vom Aufsichtsrat bereits im März 2009 fixiert worden. (APA/red)

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