14.09.2011 08:33

Österreichischer Großhändler wird Vertriebsbüro

Maschinenbau-Mammutehe zwischen DMG und Mori Seiki

Nach der gesellschaftsrechtlichen Verschränkung der Maschinenbauriesen DMG und Mori Seiki übernehmen die Japaner: Der ehemals unabhängige Stockerauer Großhändler CNC Profi wird zur Konzerntochter – und zum Vertriebsbüro der Japaner.

Hermann Hulak kann aufatmen. Als Chef des Stockerauer Maschinenhändlers CNC Profi hatte er zuletzt ereignisreiche Wochen erlebt – an denen der Maschinenbauer Mori Seiki nicht unbeteiligt war: Wie berichtet (INDUSTRIEMAGAGAZIN 2/2011), feilen Mori Seiki und DMG seit Monaten an einer Zusammenlegung ihrer europäischen Vertriebs- und Serviceaktivitäten. Im Juni musste Hulak – bisher exklusiver Mori-Vertriebspartner für Österreich – noch um seine Vertretung bangen. Dann endlich war die Katze aus dem Sack: Im neuen Gemeinschaftsunternehmen DMG / Mori Seiki Europe mit Sitz in der Schweiz wollen die Konzerne künftig ihre Aktivitäten bündeln. Die Holding wird – mit Ausnahme von Deutschland – alle europäischen Vertriebs- und Servicemärkte zentral bearbeiten. Mitte Juli fiel damit auch der Vorhang für den Stockerauer Handelsbetrieb. Doch für Hulak und seine Mitarbeiter gibt es Entwarnung – denn es geht in die Verlängerung. „Wir führen unsere Geschäftstätigkeit innerhalb des Mori-Konzerns weiter“, erzählt Hulak. Per 20. Juli wurden Geschäft und Mitarbeiter in den japanischen Konzern eingebracht, der in Österreich künftig als Mori Seiki Austria auftreten wird. Hulak musste zwar andere Vertretungen abgeben. Dennoch ist er überglücklich: „Wir konnten alle Mitarbeiter halten und der Standort hat eine Zukunft“, sagt er.

Umwälzungen.

2009 segneten die Japaner eine Kooperation mit Gildemeister ab – eine Überkreuzbeteiligung war das Ergebnis. Seit April hält Mori Seiki 20,1 Prozent an den Deutschen, DMG 5,1 Prozent an den Japanern. Gemeinsam beackern die beiden Konzerne schon Märkte wie Asien, USA und Japan. Nun legen sie in Europa nach: In der DMG / Mori Seiki Europe werden künftig 17 Ländergesellschaften – zuständig für 37 europäische Märkte – gebündelt. Die Kooperation in Deutschland und Europa soll Anfang September mit mehr als 1.300 Mitarbeitern anlaufen. Die Integration der deutschen Vertriebs- und Servicefunktionen von Mori Seiki in die neue DMG / Mori Seiki Deutschland wurde bereits abgesegnet. Auch in Österreich kommt es damit zu Umwälzungen. Die gemeinsame Holding – die Deutschen werden 60 Prozent der Anteile halten – erwirbt von Mori Seiki nicht nur alle Vertriebstätigkeiten in Österreich. Auch alle Anteile an der DMG Austria GmbH werden eingebracht. In Polen und Russland lag der Zusammenschluss Anfang Juli noch bei den Kartellwächtern – wie auch in Österreich. Seit dem 29. Juli gibt es hierzulande aber „grünes Licht“, heißt es seitens der Bundeswettbewerbsbehörde.

Einfacherer Maschinenkauf.
Nun steigt die Spannung in der Branche, wie weit die Maschinenbauer ernst machen: Denn neben dem Vertrieb sollen auch alle technischen Dienstleistungen – der Kundendienst, Trainingsmaßnahmen oder der technische Support – unter ein Dach gepackt werden. Damit, so Gildemeister, bringe die Kooperation europäischen Kunden „hohen Nutzen“. 31 Technologiezentren würden die lokale Präsenz „sichern“. Mit dem Gildemeister-Marketing im Rücken könnten die Japaner „einiges bewegen“, meint ein Branchenkenner. „Maschinen von Mori seien aber beratungsintensiver“, bezweifelt ein anderer, dass sie ohne weiteres im Dmg-Vertrieb mitbetreut werden könnten. Die Schweizer Holding komme „irgendwann“, aktuell ändere sich „nichts“, stellt Hermann Hulak klar. DMG-Maschinen mitzuvertreiben sei für ihn derzeit „völlig unrealistisch“. Er kümmere sich um die Mori-Produktschiene: Der Informationsfluss werde bald „schneller“ und die Abwicklung „einfacher“ – denn die Stockerauer könnten nun voll auf die Konzernressourcen „zugreifen “, so Hulak.


Überkreuzbeteiligung: DMG und Mori Seiki
Der deutsche Maschinenbauriese hält derzeit rund 5,10 Prozent am japanischen Werkzeugmaschinenhersteller Mori Seiki. Die Japaner halten zeitgleich  20,1 Prozent an Gildemeister (DMG) – und sind damit größter Einzelaktionär.  Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Gildemeister AG mit 5445 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 1,3768 Milliarden Euro, das Unternehmen kommt damit derzeit auf eine Marktkapitalisierung von gut 800 Millionen Euro. Mori Seiki hattte 2010 einen Umsatz von rund 1,062 Milliarden Euro und konsolidiert 4107 Mitarbeiter, die Marktkapitalisierung liegt im Augenblick bei gut 1 Mrd. Euro.

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