27.02.2012 18:21

Preisentwicklung

Prognose 2012: Rohstoffe ziehen an, Zinsen tauchen ab

Die Rohstoffpreise legten zu Jahresbeginn extrem zu, Analysten zweifeln derzeit allerdings an der Nachhaltigkeit. Die Leitzinsen dürften noch länger auf sehr niedrigem Niveau verharren.

Für Ost-Devisen dürfte heuer ein gutes Jahr werden, für die Entwicklung von Euro zu US-Dollar gibt es höchst unterschiedliche Prognosen. Relativ unspektakulär verschoben sich zum Jahresauftakt 2012 die Relationen der Haupthandelswährungen. Trotz der nun im Raum stehenden Ausgrenzung Griechenlands aus der Eurozone konnte die Gemeinschaftswährung heuer zu Dollar, Pfund und Yen sogar leicht zulegen. "Wir gehen für die kommenden Monate von starken Schwankungen aus, vor allem weil der Euro weiterhin sehr sensibel auf Neuigkeiten aus der Staatsschuldenkrise reagieren dürfte. Unserer Einschätzung nach wird sich der Dollar im Jahresverlauf seinem fairen Wert von EUR/USD 1,25 annähern", sagt Mildred Hager, Analystin der Erste Group.

Wechselkürse.

Während sich Experten bei der weiteren Entwicklung von Euro zu US-Dollar völlig uneinig sind (siehe Prognosekasten), rechnen Analysten dagegen unisono, dass sich der fulminante Aufwärtstrend der Ostwährungen weiter fortsetzten wird. Nicht weniger als 10 Prozent legte der ungarische Forint gegenüber dem im Jänner 2012 markierten historischen Tiefstand zum Euro wieder zu. "Kurzfristig sehen wir kaum Potenzial für eine weitere Aufwertung unter EUR/HUF 290. Auch wenn derzeit keine negativen Impulse wahrnehmbar sind, rechnen wir als nächste markante Bewegung wieder mit einer Abschwächung auf Niveaus von über EUR/HUF 300", sagt Wolfang Ernst, Analyst von Raiffeisen Research. Bis zum Jahresende 2012 haben aber fast alle Experten steigende Ostwährungen auf Ihren Prognosezetteln. Fast 4 Prozent Kursplus gegenüber dem Euro trauen Analysten dem polnischen Zloty und der tschechischen Krone zu. Mit kleinem Abstand zum Forint zählt der Zloty mit einem Kursplus von knapp 7 Prozent zum Euroheuer auch zu den großen Gewinnern an den Devisenmärkten.

Zinsen.

Hinsichtlich der Zinsentwicklung sind sich momentan fast alle Analysten atypisch einig. Das historisch niedrige Niveau beim wichtigsten Schlüsselzinssatz - dem 3-Monats-Euribor - wird über den Jahreswechsel hinaus weiter bei rund einem Prozent liegen.

Rohstoffe.

Nicht sehr verheißungsvoll verlief der Start ins Jahr 2012 bei der Preisentwicklung von Industriemetallen. Wie an den Aktienmärkten trieb eine unverhoffte Kursrallye die Notierungen heuer um durchschnittlich fast 10 Prozent nach oben. "Die Kursentwicklung im Jänner lässt statistisch betrachtet auf ein sehr gutes Jahr für die Rohstoffpreisentwicklung schließen", sagt Jochen Hitzfeld, Analyst der UniCredit Bank. Mit noch fulminanteren Zugewinnen als die Buntmetalle startete Rohöl in das Jahr 2012. Mit Notierungen von über USD 120 legte der Energierohstoff in den ersten Wochen des heurigen Jahres um mehr als 12 Prozent zu. "Die Gerüchte um einen Lieferstopp iranischen Öls in einige europäische Länder und die gesunkene Risikoaversion haben den Rohölpreis auf ein 8-Monats-Hoch getrieben", sagt Eugen Weinberg, Leiter Commodity Research in der Commerzbank. Auf Jahressicht rechnen Analysten allerdings wieder mit rückläufigen Preisen für das schwarze Gold.

Industriemetalle.

Bei den Industriemetallen sticht besonders der satte Wertzuwachs von über 10 Prozent des höchst konjunktursensiblen und von Spekulanten am liebsten gehandelten Kupfers heraus. "Bei Kupfer sehen wir für 2012 ein namhaftes Angebotsdefizit. Sollte die Nachfrage aus China stärker zunehmen als derzeit noch erwartet, könnte das den Preis noch weiter nach oben treiben", sagt Jochen Hitzfeld, Analyst der UniCredit Bank. Insgesamt hält sich die Euphorie von Analysten für weitere Preissteigerungen am Markt für Industriemetalle derzeit allerdings noch in Grenzen. Tendenziell werden mit Ausnahme von Blei sogar im Verhältnis zu den aktuellen Niveaus rückläufige Notierungen prognostiziert. Inflationären Aufwertungsdruck für Rohstoffe sollte es in absehbarer Zeit jedenfalls nicht geben.

 

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