10.05.2010 11:12
Quelloffene IT-Anwendungen
Übersicht: Quelloffene Business-Anwendungen
BUSINESS INTELLIGENCE Quelloffene Anwendungen für die Sammlung, Auswertung und Darstellung von Unternehmensdaten haben sich schnell weiterentwickelt. Langsam aber sicher werden sie zur kostengünstigen Alternative.
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Die IT-Welt liebt Grundsatzdebatten. Etwa wenn es um Open Source, also Software mit offenem Quellcode gegen herkömmliche Proprietärlösungen geht. Für die Anwender in den Unternehmen werden solche dogmatischen Grabenkämpfe aber erst dann relevant, wenn die Neulinge in Sachen Kosten und Funktionalität an die alteingesessenen Anbieter herankommen und zu einer veritablen Alternative werden. Im Fall von Business Intelligence (BI) dürfte dieser kritische Punkt erreicht sein: Weltweit zusammenarbeitende Entwicklergemeinden haben einige Open-Source-Lösungen in diesem Bereich mit erstaunlichem Tempo in die Nähe dessen gebracht, was die etablierten Anwendungen zu leisten imstande sind – mit dem interessanten Zusatz: Sie sind deutlich günstiger zu haben.
Schnuppern über Gratisvarianten.
Den Grundsätzen der Open-Source-Bewegung entsprechend gibt es von allen Lösungen kostenlose Community-Versionen zum Download. Für den wirklich professionellen Einsatz sind diese Programme ohne Garantien, Wartung und Service nicht relevant. Allerdings besteht so eine Möglichkeit für Interessierte, auf unbürokratischem Weg schon einmal einen Blick auf Potential und Eignung der jeweiligen Anwendung für die eigenen Zwecke zu werfen. Darüber hinaus eröffnen sich so für manches Kleinunternehmen Möglichkeiten, einen Teil der BI-Möglichkeiten der Großen ohne Kosten in die eigenen Abläufe zu integrieren, um beispielsweise in Verhandlungen mit Banken mit ausgefeilten Berichten zu punkten. (Einen Überblick über Quelloffene Programme für Ihre Geschäftsanalyse finden Sie im PDF zum download links.)
Umfangreiche Angebote.
Mittlerweile existieren aber von allen wichtigen Open-Source-Lösungen umfangreiche Bezahlversionen. Über die sogenannten Enterprise Editions kann man sich die volle Palette aus professionellem Support, verschiedene Profi-Dienstleistungen und zusätzliche Funktionen einkaufen, etwa bessere Gestaltungs- und Designmöglichkeiten in der Aufbereitung der Informationen. 360-Grad-BI-Anwendungen wie Jaspersoft oder Pentaho kann man sich schon ab etwa 10 000 Euro jährlich ins Haus holen – womit sie zu einer echten Alternative werden. Einzelne Spezialtools gibt es sogar schon deutlich günstiger.
Ritterschlag für die Neulinge.
Am großen Branchenbeobachter geht diese Entwicklung nicht vorbei: Im renommierten „Magic Quadrant“ für Business Intelligence, einer in der IT-Welt international beachteten Marktanalyse, nannten die Gartner-Experten zu Jahresanfang die beiden bekanntesten Open-Source-Plattformen von Jaspersoft und Pentaho erstmals „brauchbare Alternativen“ zu den deutlich teureren proprietären Anwendungen. Im Ranking, wo die Großen wie IBM, Oracle oder SAS dominieren, auf diese Weise genannt zu werden, ist so etwas wie ein kleiner Ritterschlag für die Open-Source-Anwendungen.
Das Beste aus mehreren Welten.
„Im BI-Bereich ist Open Source durchaus schon wettbewerbsfähig“, sagt Michael Kalaus, Regionalmanager für Österreich und Osteuropa beim Berater- und Dienstleistungsunternehmen IT-Novum, das zu den wenigen gehört, die hierzulande schon maßgeschneiderte BI-Lösungen auf Basis einiger Open-Source-Programme anbieten. Auch bei Aschauer EDV ist man auf den langsam anrollenden Zug aufgesprungen und sieht sich mit einer eigenentwickelten Komplettlösung aus Pentaho und Palo sogar als europäischen Vorreiter. „Die Funktionsbreite dieser Produkte ist den proprietären Lösungen schon sehr ähnlich, in der Funktionstiefe sind sie schon fast so weit“, sagt Geschäftsführer Bernd Aschauer. Neben Kostenvorteilen überzeugt vor allem die Kombinierbarkeit der einzelnen Modelle. Hier können Dienstleister und Anwender auf die Offenheit der Software bauen und sich für die eigenen Bedürfnisse das Beste aus verschiedenen Welten holen.
Rundum-Lösungen.
Hinter den beiden bis dato prominentesten BI-Lösungen stehen Unternehmen aus den USA. Pentaho bietet eine vollwertige BI Suite, die Tools für ETL, OLAP, Data Mining, Berichtswesen und fertige Kennzahlen-Cockpits (Dashboards) bietet. Unterschiedliche Entwicklerprojekte wurden hier zu einer durchaus homogenen Gesamtlösung zusammengefasst, die sich dank modularem Aufbau auch für Einzelbereiche verwenden und um andere Anwendungen erweitern lässt. Ähnlich verhält es sich mit Jaspersoft, der populärsten Open-Source-Anwendung aus dem BI-Bereich mit der größten Entwicklergemeinde. Jaspersoft besticht vor allem durch das hervorragende Reporting-Modul: JasperReports inklusive des Werkzeugs iReport bietet im Vergleich zu anderen Lösungen den meisten Spielraum in Aufbau und Gestaltung von Berichten. Die übrigen Module hinken hier aber hinterher und fügen sich zu keiner echten Suite sondern vielmehr einer heterogenen Plattform aus separaten Anwendungen zusammen.
Profi-Planungstool.
Abseits der gebündelten Anwendungen ist die Palette bei Einzeltools aus dem BI-Bereich schon relativ breit gefächert. Mit Palo, hinter dem das deutsche Unternehmen Jedox steht, liegt beispielsweise eine professionelle Einzelanwendung für Analyse und Finanzplanung vor. Der speicherbasierte OLAP-Server eignet sich sehr gut zur Festlegung von Planzahlen und besticht durch ein Add-In, mit dem Benutzer über die gewohnte Umgebung von Microsoft Excel auf die Daten zugreifen können.
Integratoren wie Aschauer und IT-Novum müssen bei potentiellen Kunden noch oftmals Überzeugungsarbeit leisten. „Natürlich gibt es noch immer Skepsis. Die Kunden fragen sich: ‚Muss ich dafür Linux können? Muss ich am Quellecode programmieren? Wer erledigt mir den Support? Steht ein gestandenes Unternehmen dahinter?“, sagt Kalaus. Hinter den bekannteren BI-Lösungen stehen aber durchwegs seriöse, teils sogar börsennotierte Unternehmen, die eben ein besonderes Vermarktungsmodell verfolgen und bei der Entwicklung mitunter riesige Open-Source-Gemeinschaften anzapfen können. Die JasperSoft-Community etwa zählt mehr als 120 000 Nutzer weltweit. Erst wer diese Dimensionen kennt, kann nachvollziehen, wie die Funktionalität der Anwendungen derart schnell zunehmen kann. Zudem bleibt die breite und teure Vielfalt an Funktionen, die proprietäre Lösungen bieten, oft ungenutzt. „Auch in Großunternehmen fragen sich IT-Leiter, warum sie ein teures Produkt kaufen sollen, wenn sie nur fünf Prozent davon nutzen“, sagt Aschauer.
Probieren kostet nichts.
Ein Blick nach Deutschland und Frankreich, einem traditionell Open-Source-freundlichen Markt, zeigt, dass dort bereits eine Vielzahl von Dienstleistern begonnen hat, mit die BI-Produkte zu integrieren. Grundsätzlich liegen die Open-Source-Varianten vor allem bei der Anwenderfreundlichkeit noch hinter den Marktführern zurück. Aber auch in Sachen Funktionalität müssen die Entwicklergemeinden noch einige Meter machen, um vollständig aufzuschließen. Wer mit dem Gedanken spekuliert, neue BI-Lösungen einzukaufen oder zeitgemäße BI überhaupt zu etablieren, kann zumindest einen Blick auf die Möglichkeiten der Anwendungen werfen, indem er die kostenfreien Community-Versionen herunterlädt, und dann entschieden. Wenigstens auf diese Weise kann man schon einmal vom Prinzip der Offenheit profitieren, das in der Open-Source-Gemeinde herrscht.










