10.05.2012 14:48

Reederei

Hapag-Lloyd fährt in die roten Zahlen

Trotz Umsatzsteigerung fährt die deutsche Containerlinie in die Verlustzone. Hauptverantwortlich dafür sind die gestiegenen Treibstoffkosten. Preiserhöhungen sind angekündigt oder umgesetzt, dürften sich aber erst im zweiten Quartal auswirken.

Hapag-Lloyd
© Hapag-Lloyd AG

Mehr Umsatz, mehr transportierte Container: Hohe Treibstoffpreise lassen Hapag-Lloyd dennoch in die Verlustzone fahren.

Kaum ist der ruinöse Preiskampf auf den Weltmeeren beendet, da macht der dramatisch gestiegene Ölpreis Deutschlands größter Containerlinie Hapag-Lloyd einen Strich durch Rechnung. Weil der Preis für Schweröl, von dem die Containerschiffe während der Fahrt große Mengen verbrennen, zu Jahresbeginn um fast ein Drittel stieg, fuhr die Hamburger Traditionsreederei tiefer in die roten Zahlen. Der Nettoverlust summierte sich nach Angaben von Donnerstag von Jänner bis März auf 132 Millionen Euro, sechsmal so viel wie vor Jahresfrist, und das, obwohl der Umsatz stieg.

Preiserhöhungen noch nicht wirksam

Die von Hapag-Lloyd seit Anfang März durchgesetzten beziehungsweise angekündigten Preiserhöhungen schlagen erst im zweiten Vierteljahr im Ergebnis zu Buche. Daher konnte die weltweit viertgrößte Containerlinie die hohen Energiekosten trotz einer um elf Prozent auf über 1,3 Millionen Standardcontainer gestiegenen Transportmenge nicht wettmachen. Der Umsatz kletterte von Jänner bis März um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr hatte ein heftiger Preiskampf zwischen den beiden führenden Containerreedereien Maersk und MSC der gesamten Branche zugesetzt und die Frachtraten purzeln lassen. Inzwischen klettern die Raten wieder auf breiter Front.

Keine Entlastung in Sicht

Auf rasche Entlastung kann Hapag-Lloyd allerdings nicht hoffen: Der Vorstand machte deutlich, dass die bisherige Erhöhung der Frachtpreise nicht ausreichen werde, um die Mehrbelastungen durch die höheren Transportkosten auszugleichen. Daher gab die Reederei für Juni eine weitere Erhöhung um 400 Dollar (309 Euro) je Standardcontainer für die wichtige Asien-Europa-Route bekannt.


Weil die Schiffe auf dieser Strecke bis zu 30 Tage unterwegs sind, können die höheren Preise erst im dritten Quartal verbucht werden. Dann entscheidet sich auch, wie Hapag-Lloyd im Gesamtjahr abschneiden wird, da große Handels- und Kaufhausgesellschaften wie Otto, Metro oder Walmart und Home Depot in diesem Zeitraum ihre Ware für das Weihnachtsgeschäft ordern.

Wichtig werde zudem, wie sich der Ölpreis in den nächsten Monaten entwickle, sagte ein Hapag-Lloyd-Sprecher. Seit Anfang 2009 hat sich der Preis für Schweröl auf rund 700 Dollar je Tonne verdreifacht.

Keine Detaillierte Prognose möglich

Eine detaillierte Prognose für das Gesamtjahr wagte der Vorstand nicht. Das Ergebnis werde positiv sein, hieß es lediglich. Zur Begründung für die Zurückhaltung verwies das Management neben der unsicheren Konjunktur auf die von dem Unternehmen begebenen US-Anleihen, durch die Hapag-Lloyd bei Vorhersagen wie ein börsennotiertes Unternehmen handeln müsse. Marktforscher gehen davon aus, dass der weltweite Containerverkehr im laufenden Jahr um 4,3 Prozent und 2013 um 5,4 Prozent zulegen wird. Im Schnitt rechnen die Experten bis 2016 mit einem jährlichen Wachstum von 5,6 Prozent. (APA/Reuters/red)

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