08.02.2011 11:35

Rockwell-Automation CEO Keith Nosbusch

"Wozu multiple Netze?"

Keith Nosbusch, Vorstand und CEO des Industrieautomatisierers Rockwell Automation, und Technologiechef Sujeet Chand über die geplante Expansion in Europa, neue Energiestandards – und was Rockwell von Intel lernen will.

INDUSTRIEMAGAZIN: Früher verliefen die Fronten zwischen diskreter Automation und Prozessautomation relativ klar. Mittlerweile erwirtschaftet Ihr Unternehmen – in der diskreten Automation zuhause – schon mehr als 30 Prozent in der Prozessautomation. Wollen Sie hier weiter zulegen?

Keith Nosbush: Die Gewichte werden sich weiter verschieben. In den Schwellenländern sind Aufholprozesse im Gang, die zunächst die Schwerindustrie erfassen – deshalb erwarten wir uns in der Prozessautomation Steigerungen um zehn Prozent.

Zehn Jahre lang ging es vorrangig um die Frage Feldbus oder Ethernet. Jetzt ist in der Automatisierungswelt die Energiespardebatte entbrannt. In Deutschland etwa sorgt Profienergy, ein auf dem Kommunikationsprotokoll Profinet aufsetzendes Profil für das Energiemanagement in Produktionsanlagen, für Aufsehen. Arbeiten Sie auch an neuen Standards?

So ist es. Wir haben vor etwa acht Monaten bei der ODVA (Open DeviceNet Vendor Association, Anm.) ein CIP (Common Industrial Protocol)-Energie-Objekt eingebracht. Die Spezifikation ist bereits abgesegnet. Mit derartigen Produkten wird der Anwender Informationen über Energieflüsse sammeln und kontrollieren können – egal ob im laufenden Vollbetrieb oder im Standby-Betrieb. Die Informationen werden in der zentralen Steuerung aufbereitet.

Wann werden wir die ersten Produkte sehen?

Noch heuer soll es soweit sein.

Derzeit erwirtschaftet Ihr Konzern außerhalb den USA etwas mehr als 50 Prozent vom Gesamtumsatz. Wo wollen Sie hin, oder sind Sie schon angekommen?

Wir wollen unseren Auslandsumsatz bis  spätestens 2015 auf zwei Drittel anheben.

Ein drittel Asien, ein drittel EMEA, ein drittel USA - ist das erstrebenswert?

Nein, am Heimmarkt werden wir immer stärker liegen. Aber EMEA und Asien sollen in etwa gleich  starke Erträge bringen.

Wird das nicht schwer angesichts der Wachstumsdynamik in Asien - speziell in China?

Auch in Europa sehen wir Wachstumsmärkte – etwa die Türkei oder Russland.

Auf der von Ihrem Konzern ausgerichteten Automatisierungsmesse Automation Fair zeigte Ihr Unternehmen Muskeln. Der hierorts verteilte Katalog mit Neuheiten war fingerdick. Auf welches Produkt sind sie besonders stolz? 

Hervorzuheben ist der speicherprogrammierbare Controller Micro800. Der wurde zur Gänze in Asien entwickelt und gebaut. Sehr kosteneffizient. 

Wie lange dauert so eine Entwicklung?

In diesem Fall anderthalb Jahre.

Gibt es hier Vorbilder oder ist Time-to-market schon auf Spitzenniveau?

Wir benchmarken natürlich. Intel etwa ist bei den Produkteinführungszeiten in sehr guter Position.

Für sehr schnelle Kommunikation gibt es EtherCAT oder beispielsweise Ethernet Powerlink. Keine Bedenken, hier keinen Fuß in der Tür zu haben?

Die genannten Lösungen sind bestenfalls Spezialnetze. Wir sind viel weiter. Standardisiertes, unmodifiziertes 100 Gigabit-Ethernet ist schnell. Anderseits lässt sich damit vieles in einem Netzwerk realisieren. Wozu soll der Kunde multiple Netze installieren, wenn es einfach auch geht?

Interview: Daniel Pohselt

Zur Person Keith Nosbusch:

Seit 2004 ist Nosbusch CEO und Vorstand des von Lynde Bradley und Dr. Stanton Allen 1903 gegründeten Automatisierungstechnikanbieters Rockwell Automation.

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