25.06.2012 05:27
Schweißen
Schweißtechnik: Gut kombiniert!
Ein neues Schweißverfahren vereinigt zwei alte Techniken – und sorgt für Taktzeitrekorde im Dünnblechbereich.
Andreas Millinger hält den Ball flach. Schweißversuche beim Kunden auf der Suche nach den richtigen Prozessparametern seien „nichts Ungewöhnliches“. Das sagt der CMT-Experte bei Fronius – und man glaubt es ihm. Auch dass die Entwickler der Welser auf Kundenwunsch vereinzelt nachbessern, komme vor. Dass sie, wenn sie anstehen, aber gleich ein neues Schweißverfahren aus der Taufe heben, sei doch ziemlich „einzigartig“, gibt Millinger zu.
Genau das geschah Anfang des Vorjahrs. Ein Automobilbauer stellte dem oberösterreichischen Schweißtechnikhersteller bei einer Anwendung im Achsbereich die Rute ins Fenster: 2,5 Millimeter dicker Stahl sollte mit einer Taktzeit von mindestens 2,5 Meter pro Minute zu schweißen sein, sonst komme man nicht ins Geschäft. Die Situation schien vertrackt: Weder mit dem Kaltschweißprozess CMT noch dem Impulslichtbogen erreichte man annähernd die erforderlichen Geschwindigkeiten (CMT: 1,2; Puls: 1,5). Doch die Entwickler hatten so ein Bauchgefühl, dass die beiden Prozesse füreinander bestimmt sind. Und Experimentierlaune, die sich bezahlt machte.
Nur Wochen später schlug sich der ausgetüftelte Kombiprozess beider Verfahren beim Kunden mehr als wacker – er übertraf die Taktzeitvorgaben des Automobilisten sogar deutlich: 2,8 Meter pro Minute ergaben die Messungen. Seit heurigem April ist das Schweißverfahren mit dem Namen CMT Twin nun auch offiziell erhältlich – ein in der Schweißtechnik unüblich schneller Produktlaunch, den Millinger so kommentiert: „Wir waren sportlich.“
Neuer Brenner
Grund für die schnelle Entwicklung, bei der „einmal auf Anhieb alles passte“, waren die gut vertrauten Einzelprozesse, betont Fronius-Mann Andreas Millinger. Den Kaltschweißprozess gibt es bereits seit einem Jahrzehnt, den Pulsprozess „noch länger“, weiß er. Beste Voraussetzungen für eine Kombination. Der Hersteller kombiniert bei seinem – robotergestützten – Zwillingsverfahren zwei Stromquellen. Jede Stromquelle bedient einen Draht, die im „neu entwickelten Brenner“ zusammengeführt werden, so Millinger. Die Antriebseinheit direkt am Brenner ist der ganze Stolz der Welser: Sie realisiert die Vor- und Rückwärtsbewegung des Schweißdrahts – und zwar bis 100 Hertz (Frequenz des Stromnetzes: 50 Hertz). So sei eine „hochexakte Drahtführung“ möglich, erklärt der Fronius-Experte.
























