09.07.2012 10:03

Serie Mobilität der Zukunft

ITS: Lückenschluss

Auf einer Autobahn im Süden Wiens werden ab Herbst Visionen Probe gefahren. Im Testfeld Telematik untersucht die ASFINAG die Praxistauglichkeit von Verkehrsinformationsdiensten, die in wenigen Jahren Straßenalltag sein sollen.

Wien Inzersdorf, Montag früh. Im ASFINAG-Glaswürfel direkt am Autobahnknoten beobachten die Operatoren an ihren Bildschirmen den Berufsverkehr, der mittlerweile voll eingesetzt hat. Es ist ein ganz normaler Tag in Inzersdorf. Und zu einem ganz normalen Tag gehört auch der eine oder andere Unfall. Um 7 Uhr 30 ist es so weit. Ein Anruf aus der Polizeieinsatzzentrale an der Roßauer Lände geht ein – Auffahrunfall Knoten Favoriten, Fahrtrichtung Prater, rechter Fahrstreifen blockiert. Der für diesen Straßenabschnitt zuständige Operator schaltet auf die Videokameras am Verteilerkreis und erkennt, dass sich im zähen Verkehr bereits ein zweiter Auffahrunfall ereignet hat.

Megastau droht

Jetzt sind zwei Fahrspuren blockiert – damit es nicht zu einem Megastau kommt, ist rasches Handeln angesagt. Die Wege in Wien sind kurz – um 7:36, neun Minuten nach dem Unfall, treffen die ersten Einsatzkräfte an der Unfallstelle ein. 30 Minuten, viel länger sollte die Beseitigung der Unfallfolgen nicht dauern. Auf der Südosttangente, mit 170.000 Fahrzeugen pro Tag die meistbefahrene Straße Österreichs, zählt jede Minute. Inzwischen hat der Operator in Inzersdorf die Wechseltextanzeigen entlang der Strecke mit dem Text „A23 Favoriten Stau“ bestückt und den Kooperationspartner Ö3 informiert, der im Verkehrsfunk berichtet und dazu eine TMC-Meldung absetzt. Über den Traffic Message Channel gelangt die Stauwarnung in moderne Navigationsgeräte.

Sieben Minuten nach dem Unfall, um 7:34, erreicht Franz Fahrer auf dem Weg nach Wien den Knoten Vösendorf. Die großgeschriebene Stauwarnung auf den Wechseltextanzeigen beachtet er nicht, auch den Verkehrsfunk verfolgt er nicht. Trotzdem ist er im Bilde, denn Herr Fahrer nimmt am ASFINAG-Projekt Testfeld Telematik teil. Er verfügt drei Monate lang über ein TomTom-Navigationsgerät, das dank seiner besonderen Software die aktuellen Verkehrsinformationen direkt aus Inzersdorf bezieht. Und sein Navi hat ihm gerade geraten, die A2 zu verlassen und über S1 und A4 auszuweichen. Fahrer folgt dieser Empfehlung und setzt den Blinker.

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