06.07.2012 10:52
Serie Mobilität der Zukunft
„Wir sind Trendsetter“
Martin Russ, Geschäftsführer der AustriaTech, über den Stellenwert von intelligenten Verkehrssystemen in Österreich – und woher sein Wagen bald wissen wird, dass es an der nächsten Kurve rutschig ist.
INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Russ, welches Potenzial haben intelligente Verkehrstechnologien angesichts steigender Verkehrsbelastung und knapper öffentlicher Mittel?
Martin Russ: Prinzipiell geht es geht nicht darum, Verkehr zu verhindern, sondern darum, Mobilität zu gewährleisten. Die intelligenten Verkehrs- oder Transportsysteme, also ITS, sollen gewährleisten, dass wir auch in Zukunft Mobilität leistbar und hochwertig anbieten können. Dank intelligenter Lösungen müssen wir nicht mehr Infrastruktur bauen, um mehr Kapazität zu schaffen. Eine niederländische Studie zeigt, im suburbanen Gebiet kostet der Einsatz von ITS nur ein Sechstel im Vergleich zu einem Straßenneubau.
Werden uns ITS bevormunden, damit wir die richtigen Entscheidungen treffen?
Russ: Nein. Die Intelligenz in den Verkehrssystemen der Zukunft ist die Intelligenz des Nutzers. Der hat dann sogar erstmals volle Wahlfreiheit. Denn wählen kann nur, wer alle Vor- und Nachteile kennt. Ohne ITS besteht unsere Freiheit daraus, ausgetretene Pfade weiter zu gehen, weil wir die Alternativen nicht kennen beziehungsweise nicht einschätzen können.
Wo stehen wir in der Entwicklung von intelligenten Verkehrssystemen?
Russ: Die Technologie ist schon da, der Weg ist trotzdem noch lang. Wir haben einzelne Bausteine, die neuralgischen Punkte im hochrangigen Verkehrsnetz hat die ASFINAG schon gut mit Kameras abgedeckt, mit dem Traffic Message Channel TMCpro haben wir Echtzeitinformationen am Navi. Jetzt stellt sich die Frage, wo wir diese Echtzeitinformationen herbekommen – auch dort, wo keine Kameras aufgestellt sind, am Ende auf jeder Landstraße.
Woher?
Russ: Die Lösung sind die Fahrzeuge selbst, die werden in Zukunft die Informationen ihrer eigenen Sensoren weitergeben, mittels WLAN an die Fahrzeuge in der Umgebung und an die Verkehrsinfrastruktur am Straßenrand. Das Auto wird dann wissen, dass die nächste Kurve rutschig ist, und den Fahrer auffordern, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Das ist keine Zukunftsmusik, die meisten Automobilhersteller bringen WLAN ab 2015 in den neuen Modellen.
Und wo stehen wir in Österreich?
Russ: Da gehören wir weltweit zu den Trendsettern. Die Infrastrukturbetreiber wie ASFINAG und ÖBB forcieren das Thema, die österreichische Industrie ist sehr stark aufgestellt und mit dem Mobility Department des AIT verfügen wir auch über eine führende Forschungseinrichtung. Von ungefähr kommt das nicht, das Verkehrsministerium hat in den letzten 10 Jahren rund 100 Millionen Euro in ITS investiert. Österreich hat sich übrigens für einen eigenen Ansatz entschieden: Während IST auf europäischer Ebene zu 95 Prozent auf die Straße fokussiert, denken und entwickeln wir hierzulande verkehrsträgerübergreifend.
























