19.06.2012 16:58

Stahl

Brasilien-Desaster: ThyssenKrupp sucht Käufer für Werk

Die Verkaufspläne von ThyssenKrupp für sein Stahlwerk in Brasilien bringen heimische Investoren auf den Plan. CSN, Brasiliens zweitgrößter Flachstahl-Produzent, kündigte sein grundsätzliches Interesse an. "Wenn die Details zugänglich sind, sind wir natürlich interessiert, sie zu prüfen", sagte CSN-Manager Benjamin Steinbruch am Wochenende am Rande einer Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro.

Die brasilianische Regierung will Kreisen zufolge einen Verkauf an ausländische Investoren verhindern. Sie sondiere daher ein mögliches Interesse heimischer Stahlhersteller, sagte eine mit den Absichten vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Welche Unternehmen kontaktiert worden seien, wollte der Informant nicht sagen.

Thyssen: Kein Kommentar.

ThyssenKrupp lehnte einen Kommentar ab, verwies aber auf Äußerungen von Konzernchef Heinrich Hiesinger, wonach mit allen Marktteilnehmern gesprochen werde. Die Nachrichten nährten an der Börse am Montag indes die Hoffnungen auf einen zügigen Verkauf des Stahlwerkes. Die ThyssenKrupp-Aktien setzten sich mit einem Aufschlag von zeitweise knapp vier Prozent auf 12,45 Euro an die Spitze der Gewinnerliste im deutschen Leitindex Dax. Das mögliche Interesse brasilianischer Stahlfirmen helfe der Stimmung, aber noch fehle es an konkreten Angeboten, sagte ein Händler.

Desaster.

Die brasilianische Regierung dringe darauf, dass das Werk vollständig in heimische Hände gelange, sagte der Informant. Der Einstieg in die Stahlproduktion in Übersee hat sich für ThyssenKrupp zu einem Desaster mit Milliardenverlusten entwickelt. Der neue Konzernchef Hiesinger prüft deshalb einen Verkauf des Werks in Brasilien und der von dort belieferten Produktionsstätte im US-Bundesstaat Alabama. Auch eine Partnerschaft kommt für Hiesinger infrage. Bisher hat sich jedoch kein Interessent öffentlich gemeldet. Vale, der weltweit größte Eisenerzproduzent, schloss zwar eine Erhöhung seines 27-prozentigen Anteils nicht aus, will aber keine Mehrheit übernehmen. Auch der südkoreanische Stahlkonzern Posco winkte ab. Als mögliche Käufer haben Branchenexperten auch den Luxemburger Stahlkonzern Ternium, Baosteel aus China und Dongkuk aus Südkorea ausgemacht. Finanzinvestoren wurden ebenfalls als potenzielle Interessenten genannt. (APA/red)

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