05.06.2012 06:01
Stahl
Wolfgang Eder sieht schwarz für Massenstahlhersteller
Der Voestalpine-Chef rechnet damit, "dass es in 15 bis 20 Jahren keinen 'Commodity'-Stahlanbieter in Westeuropa mehr geben" werde.
Für die Erzeuger von Massenstahl in Westeuropa sieht der Präsident des europäischen Stahlverbands und voestalpine-Chef Wolfgang Eder langfristig schwarz: "Letztendlich wird es aus Gründen der Kostenkonkurrenzfähigkeit wohl darauf hinauslaufen, dass es in 15 bis 20 Jahren keinen 'Commodity'-Stahlanbieter in Westeuropa mehr geben wird", sagte der Branchenkenner zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe).
Der Stahlmarkt in Europa sei von Überkapazitäten geprägt. In den 27 EU-Staaten könnten jährlich 210 Millionen Tonnen Stahl hergestellt werden - ein Volumen, das in Europa zuletzt 2007 nachgefragt wurde. Eder glaubt nicht, dass eine solche Konjunktur in Europa in den nächsten zehn Jahren wieder zu erwarten ist. Derzeit liege der wirkliche Bedarf nur bei 150 bis 160 Millionen Tonnen. "Wir haben mindestens 20 Prozent Überkapazität auf dem Markt, und das wird über den Preis ausgetragen."
Voestalpine "Gott sei Dank schon umgebaut"
Die voestalpine sei Gott sei Dank schon so umgebaut worden, dass zwei Drittel des Umsatzes mit weiterverarbeiteten, hochwertigen Produkten wie etwa Flugzeugteilen gemacht würden. "Wir sind nur noch zu einem Drittel ein Flachstahlhersteller, und hier machen wir das meiste Geschäft mit Premiumkunden, etwa der deutschen Automobilindustrie", so Eder. Von der Errichtung einer neuen Stahlhütte am Schwarzen Meer ist die voestalpine noch vor der großen Krise wieder abgerückt. Dafür wären Investitionen in Höhe von mindestens 7 Milliarden Euro vorgesehen gewesen.
Auf Dauer würden für die europäischen Konzerne nicht die Konkurrenten aus China und Indien das Problem sein, sondern vor allem aus der Türkei, Russland oder der Ukraine. China liefert laut Eder bis zu 8 Millionen Tonnen Stahl nach Europa. Die Transportkosten liegen aber bei rund 50 Euro je Tonne.
Zuletzt zeichnete sich bei den Rohstoffpreisen eine deutliche Entspannung ab. Eine Tonne Erz koste nun wieder 130 Dollar (105,5 Euro) je Tonne - im Oktober sei der Preis für eine Tonne bei 190 Dollar gelegen, vor acht Jahren erst bei 40 Dollar. Diese Preissenkung forderten die Kunden aber auch sofort wieder beim weitergegebenen Stahlpreis ein. (APA)
























