11.05.2012 06:17

Stahlindustrie

ArcelorMittal: 2011 beginnt gut

Der größte Stahlhersteller der Welt hat zwar in Europa mit Problemen zu kämpfen, erreicht aber dank gestiegener Nachfrage in den USA ein besseres Ergebnis als in Q4/2011.

Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal ist trotz eines schwachen Europa-Geschäfts besser als erwartet ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal sank der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf knapp 2 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden  Euro), wie der Konzern am Donnerstag in Luxemburg mitteilte. Gegenüber dem schwachen Schlussquartal 2011 verbesserte sich das Ergebnis aber vor allem dank der wirtschaftlichen Erholung in den USA um rund 15 Prozent. Die Erwartungen von Analysten übertraf das Unternehmen.

Herausforderung Europa

"Im ersten Quartal hat sich die Stimmung in einer Reihe von Schlüsselmärkten aufgehellt", sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal. In Nordamerika ziehe das Geschäft dank der hohen Nachfrage aus der Auto-, Baumaschinen- und Hausgerätebranche an. Dagegen bleibe Europa die größte Herausforderung. Im Rohstoffgeschäft sank der Gewinn trotz einer höheren Produktion von Kohle und Eisenerz um gut 20 Prozent. ArcelorMittal baut seine eigene Förderungen massiv aus, um sich von Preissteigerungen unabhängiger zu machen.

Der Umsatz des Konzerns legte im ersten Quartal leicht um 2 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar zu. Unter dem Strich blieben als Gewinn nur 11 Millionen Dollar übrig. Vor einem Jahr war es noch gut 1 Milliarde Dollar. Grund dafür sind Währungseffekte und anders als vor einem Jahr ausbleibende Aufwertungen der Lagerbestände.

Einige Werke werden geschlossen

Der Konzern versucht, auf die schwierige Lage in Europa zu reagieren. Bereits im vergangenen Jahr schaltete er 9 seiner 25 Hochöfen in Europa vorübergehend ab. Wann sie wieder angefahren werden, ist offen. Mit dem Schritt reagiert ArcelorMittal auf die schwache Nachfrage vor allem in Süd- und Osteuropa. Dort ist der Konzern anders als die deutschen Konkurrenten ThyssenKrupp und Salzgitter groß vertreten. Zudem ist er stärker von der schwächelnden Baubranche abhängig. Einige Werke will ArcelorMittal ganz schließen. Den Investitionsplan hat das Unternehmen ebenfalls bereits zusammengestrichen.


ThyssenKrupp und Salzgitter legen in der kommenden Woche Quartalszahlen vor. Auch sie werden sich nach Analysteneinschätzung der Branchenschwäche nicht entziehen können, obwohl die Konjunktur in Deutschland noch vergleichsweise gut läuft. Bei Salzgitter rechnen die Experten mit einem Quartalsverlust, bei ThyssenKrupp mit einem herben Gewinneinbruch.

Zum weiteren Geschäftsverlauf hielt sich ArcelorMittal bedeckt. Der Vorstand wiederholte lediglich seine Einschätzung, wonach das Ergebnis im ersten Halbjahr über dem der schwachen Schlusshälfte des vergangenen Jahres liegen soll. Der Absatz werde sich auf dem Niveau des ersten Viertels von 22,2 Millionen Tonnen stabilisieren.

Keine Dividendenkürzungen

Finanzvorstand Aditya Mittal betonte, dass das Unternehmen keine weiteren Pläne für eine Dividendenkürzung habe. Er reagierte damit auf Befürchtungen von Analysten, dass der Konzern weniger ausschütten könnte, um sein Rating angesichts einer Nettoverschuldung von 23,6 Milliarden Dollar nicht zu gefährden.

Der Konzern setzt stattdessen auf den Verkauf von Randgeschäften. So kündigte das Unternehmen an, seinen Anteil von 23,5 Prozent am luxemburgischen Energieversorger Enovos an die Beteiligungsgesellschaft des Versicherers Axa zu verkaufen. Der Kaufpreis liegt bei 330 Millionen Euro. Anteile an Enovos haben auch Eon (10 Prozent) und RWE (18,4 Prozent). (APA/dpa)

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