25.03.2011 08:18
Verbund
Anzengruber: Halber Energieverbrauch bis 2050 möglich
Nach Ansicht von Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber kann Österreich seinen Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2050 halbieren. Zunächst sei es machbar, bis zum Jahr 2020 den Verbrauch stabil zu halten und dann um 50 Prozent zu reduzieren. Die größten Senkungspotenziale gebe es bei Raumwärme (Stichwort: Sanierung von Gebäuden) und im Verkehrssektor. Der auf Öl basierende Verkehr weise mit 14 Prozent einen sehr schlechten Wirkungsgrad auf, "86 Prozent sind Verluste". "E-Mobilität statt Öl-Mobilität" könne den Wirkungsgrad auf 45 Prozent verdreifachen, sagte Anzengruber am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.
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Falls eine Halbierung des Gesamtenergieverbrauchs bis 2050 gelinge, könnte der Stromanteil bis dahin von heute 20 Prozent auf 50 Prozent ansteigen, da Elektrizität andere Energieträger leicht substituieren könne. Einziger Nachteil bei Strom sei, dass er - anders als etwa Öl oder Gas - nicht gespeichert werden könne, außer eben in Pumpspeicherwerken. Hier stelle Österreich in der EU beachtliche 18 Prozent Anteil, obwohl der heimische Strommarkt nur 2,9 Prozent des Gesamtmarkts der Union ausmache.
Von der heimischen Elektrizität, die 18 Prozent der insgesamt verwendeten Energie in Österreich ausmacht, liefert die Wasserkraft 61 bis 62 Prozent, so Anzengruber, der Rest stammt fast ausschließlich aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas und Öl; etwa 4 bis 5 Prozent steuern Windkraft und Biomasse bei. In der EU beträgt der "Erneuerbaren"-Anteil bei der Stromerzeugung nur 17 Prozent, rund 28 Prozent sind Atomstrom. Bis 2020 sollen in der EU 20 Prozent der Gesamtenergie aus Erneuerbaren kommen, das Ziel Österreichs lautet 34 Prozent (derzeit sind es zirka 28 Prozent).
In der EU gehen 33 Prozent der Gesamtenergie für den Verkehr auf, 27 Prozent benötigt die Industrie und 25 Prozent die Haushalte, so der Verbund-Chef. Der Öl-Anteil, den die EU importieren muss, werde bis 2030 von heute 84 auf 94 Prozent klettern, bei Erdgas sei ein Anstieg von 62 auf 83 Prozent zu erwarten. "Von Autarkie sind wir also sehr weit entfernt", lautet das Resümee von Anzengruber.
1,1 Billionen Euro Investitionen bis 2020 nötig.
Wenn der Anteil der Erneuerbaren an der Elektrizität und auch der Stromanteil insgesamt am Energieverbrauch in den nächsten Jahrzehnten stark steigen soll, seien hohe Investitionen in Europa nötig. Bis 2020 werde die E-Wirtschaft in der EU rund 1,1 Billionen Euro lockermachen müssen, davon 600 Milliarden Euro für die Netzinfrastruktur und 500 Milliarden Euro für Erzeugungsanlagen.
Die Atomstrom-Importe aus dem Ausland nach Österreich seien eigentlich relativ bescheiden, gab der Verbund-Chef zu verstehen, wenn man bedenke, dass der Nuklear-Anteil im europäischen "Strom-See" (UCTE-Mix) eigentlich 28 Prozent ausmache. Allerdings habe Österreich im Vorjahr unterm Strich nur 2,2 Terawattstunden (TWh) Elektrizität eingeführt - bei 68,5 TWh Inlandsverbrauch. Per Saldo habe Österreich im Vorjahr 19 TWh mehr importiert als selbst erzeugt und 17 TWh mehr exportiert als hier verbraucht. Gegensteuern könne man hier nur mit mehr Strom aus Wasserkraft und Erneuerbaren Energien.
Das Investitionsprogramm der heimischen E-Wirtschaft bis 2020 umfasse 15 Milliarden Euro für Kraftwerke, Netze und Effizienzsteigerungen. Zum jetzigen Wasserkraft-Potenzial könnten bis 2030 noch etwa 30 Prozent oder 14 TWh dazugebaut werden, in einer ersten Etappe wäre die Hälfte davon (7 TWh) bis 2020 erreichbar bzw. das erste Viertel (3 1/2 TWh) bis 2015. Voraussetzung seien allerdings zügigere Genehmigungsverfahren, auch im Leitungsbau.
Zu den Innkraftwerken bekräftigte Anzengruber, dass der Plan, sich von bis zu 30 Prozent daran noch im ersten Halbjahr 2011 zu trennen, weiter aufrecht sei. Man stehe in Gesprächen mit Interessenten. 3,5 Prozent wurden schon früher an Kommunen veräußert, 26,5 Prozent sind noch offen. Man habe keinen Verkaufsdruck, wolle das aber bis spätestens Mitte 2011 finalisieren. Dann werde das Thema nicht mehr weiter verfolgt, "auch wenn wir nur 10 oder 15 Prozent verkaufen", so Anzengruber. 2009 hatte der Verbund E.ON 13 Innkraftwerke abgekauft. (APA/red)























