08.03.2010 10:56

Flexible Fertigung

Starlim Sterner: Unterbrechung ohne Abspannen

Die Auftragssschwäche bietet auch Zeit, neue Möglichkeiten in der Fertigung auszukundschaften. INDUSTRIEMAGAZIN sah sich vier Betriebe an, die jetzt ihre Produktion reorganisieren – und auch investieren.

Graf
© Helene Waldner

Infineon Fertigungleiter Otto Graf: neue Roboter in der Beschickung der Produktionsanlage sollen die Produktivität um 30 Prozent erhöhen.

 

Beim Marchtrenker Spritzgussprofi Starlim Sterner erzeugt man technische Formartikel aus Flüssig-Silicon – vom Dichtungselement fürs Auto über Spritzenkolben bis zum Babyschnuller. Weil die 160 Spritzgussmaschinen viel beansprucht sind, „gehen fünf bis sieben Reparaturaufträge täglich an die eigene Werkzeugbauabteilung“, schildert Gerald Niederwimmer, Leitung Technologie und Entwicklung. Bisher mussten die Werkzeugbauer dafür je nach Dringlichkeit andere Aufträge unterbrechen – ein Seiltanz, der sich mitunter als halsbrecherisch erwies: „Das Image war angekratzt, wenn sich die Auslieferung der Teile verzögerte“, so Niederwimmer. 2008 reifte also die Idee, flexibler zu werden – die Investition in neue Senkerodiermaschinen und ein automatisiertes Handlingsystem mit Reinigungsstation wurde immer konkreter. 2009, als die Krise längst die Fertigungswelt im Klammergriff hielt, war die Geschäftsleitung schon vorsichtiger mit der 500.000-Euro-Investition: „Doch innerhalb von zwei Wochen hatten wir grünes Licht“, erinnert sich Niederwimmer.
Mit der Automatisierungslösung können Aufträge im Werkzeugbau nun gepuffert werden. „Kommt ein wichtiger Reparaturauftrag herein, unterbricht man den aktuellen Auftrag ohne abzuspannen – und auch die Einstellungen gehen nicht verloren“, so Niederwimmer. Das Auslastungsloch nutzte man dazu, 14 Mitarbeiter auf dem neuen Gerät fit zu machen. Heute erledigen sie mehr Programmierarbeit: „Wir wollten mit dem Klischee aufräumen, dass im Werkzeugbau immer ein Mitarbeiter an der Maschine stehen muss“, so Niederwimmer. Fünf Erodiermaschinen können an das Handlingsystem angebunden werden. Und was, wenn sich die Auftragslage verschlechtern sollte? Niederwimmer: „Wir können auch Fräsmaschinen anbinden – das System lässt alle Möglichkeiten offen“.

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